US-Vorwahl:Was Kritiker an Bilanz der Clinton-Jahre auszusetzen haben

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Dabei gibt es überzeugende Argumente, wieso schwarze Wähler Clinton nicht bedingungslos unterstützen müssen. Michelle Alexander, deren Buch "The New Jim Crow" über Amerikas strukturellen Rassismus an vielen Unis wie eine Bibel studiert wird, schreibt in einem viel beachteten Artikel, dass die USA unter Bill Clinton begannen, Hunderttausende Afroamerikaner wegzusperren (etwa weil der Besitz von Crack viel härter bestraft wird als der von Kokain). Auch Ta-Nehisi Coates, der wichtigste junge schwarze Intellektuelle (mehr über dessen Buch "Zwischen mir und der Welt") gibt Sanders den Vorzug vor Hillary Clinton.

Die Reform des Sozialsystems, die Bill Clinton Mitte der Neunziger Jahre durchsetzte, habe zudem vielen Schwarzen geschadet. Für viel Kritik unter progressiven linken Amerikanern und Aktivisten der "Black Lives Matter"-Bewegung sorgt zudem eine Aussage von Hillary, die 1996 schwarze straffällige Jugendliche als "super predators" (Super-Raubtiere) bezeichnet hat. Eine junge Aktivistin spendete 500 Dollar für Clintons Wahlkampf, um diese bei einer Privat-Veranstaltung aufzufordern, sich bei allen Schwarzen zu entschuldigen (Video bei der Huffington Post).

Trotz der Wut über diese umstrittenen Aussagen (die allerdings 20 Jahre alt sind und für die sie sich entschuldigt hat) und der Stimmen von vielen schwarzen Studenten wie Bradley White und Shiann Bradley, die sich als "Kinder der Obama-Jahre" bezeichnen, geht es für Bernie Sanders vor allem darum, den Abstand zu Clinton so gering wie möglich zu halten.

Niemand wählte 2012 häufiger als schwarze Frauen

Die Ex-Außenministerin wird von fast allen demokratischen Abgeordneten South Carolinas unterstützt - unter anderem von Jim Clyburn, der Nummer drei seiner Partei im US-Repräsentantenhaus. Diese Hilfe ist wichtig für ihren Sieg in South Carolina, doch wenn Hillary Clinton gegen Donald Trump oder einen anderen Republikaner bei der Präsidentschaftswahl am 8. November gewinnen will, dann braucht sie die Hilfe der schwarzen Frauen im ganzen Land.

Bei der Wiederwahl Obamas 2012 gab es keine andere gesellschaftliche Gruppe mit einer höheren Wahlbeteiligung - und der Präsident selbst wird sich fraglos engagieren, damit ein Demokrat ins Weiße Haus einzieht. Auch Ruby James, eine weitere ältere Dame aus der Studentinnenverbindung geht, wird alles tun, um Clinton zu unterstützen. "Hillary hat sich immer für uns interessiert und über Jahrzehnte Kontakt gehalten. Sie verdient jede einzelne unserer Stimmen."

Linktipps:

Die einflussreiche schwarze Jura-Professorin Michelle Alexander argumentiert in The Nation, dass Hillary Clinton es nicht verdient habe, von Afroamerikanern gewählt zu werden.

Die New York Times beschreibt in dieser Reportage, wieso viele schwarze Frauen sich verpflichtet fühlen, dieses Mal für Hillary Clinton zu stimmen.

Wieso die Mütter von Eric Garner, Trayvon Martin und Sandra Bland Hillary Clinton im Wahlkampf unterstützen, beschreibt dieser US-Blog.

In diesem Artikel im Atlantic kritisiert Ta-Nehisi Coates Bernie Sanders dafür, dass er Reparationszahlungen an die Afroamerikaner für die Folgen der Sklaverei ablehnt. In diesem Video erklärt der Autor, wieso er Bernie Sanders trotzdem für den besten Präsidentschaftskandidaten hält.

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