US-Vorwahl in New Hampshire:Wieso sich Jeb Bush freut, dass Marco Rubio abgestürzt ist

Jeb Bush (62, Ex-Gouverneur von Florida)

Die politischen Nachrufe auf "Jeb!" (das Ausrufezeichen soll dynamisch wirken) waren schon geschrieben, doch nun ist der Ex-Gouverneur zurück. Die elf Prozent werden ihm Auftrieb geben und viele überraschen. In New Hampshire hatte Bush sowohl Trump als auch Rubio mit guten Sprüchen und Argumenten attackiert (mehr in diesem SZ.de-Text) - und dass er vor seinem einstigen Protegé Rubio landete, wird ihn freuen. Geld spielt bei den Bushs keine Rolle und in South Carolina wird George W. Bush für seinen Bruder werben, was wiederum Medienaufmerksamkeit garantiert. In diesem Staat, in dem viele aktive und ehemalige Soldaten wohnen, ist der Ex-Präsident weiter populär.

Marco Rubio (44, Senator aus Florida)

Vor acht Tagen rief sich Marco Rubio als Dritter in Iowa zum eigentlichen Sieger aus - und viele Medien sahen dies ähnlich. Doch dann kam eine TV-Debatte, in der alle den jungen Senator als unerfahren attackierten. Rubio geriet mächtig ins Schwitzen und wiederholte immer wieder einen Satz. Das Image des "Marco Robot", der nur vorgeschriebene Sätze verbreitet, war geboren und so schwenkten viele Wähler auf Kasich um. Am Abend übernahm Rubio die Verantwortung: "Diese Niederlage geht auf mich. So etwas wird nicht wieder passieren.

Chris Christie (53, Gouverneur von New Jersey)

Für New Jerseys Gouverneur ging es in New Hampshire um alles. Zweieinhalb Monate verbrachte er hier und absolvierte ein halbes Dutzend Auftritte am Tag. Ständig betonte er seine Erfahrung als Gouverneur und Staatsanwalt nach 9/11 - vergebens. Sein Ergebnis von acht Prozent ist viel zu wenig: Er landet nicht nur hinter Kasich und Bush. Auch Rubio, den Christie als "Bubble Boy" verspottete und in der letzten TV-Debatte so brutal angegangen war, dass sich das Internet Tierkampf-Videos als Vergleiche suchte. Christie zieht sich am Mittwoch zu Beratungen mit seiner Familie zurück. Er hat eigentlich keine Argumente mehr, wieso ihm Spender oder Bürger Geld geben sollten - und wird ewig bereuen, 2012 nicht Obama herausgefordert zu haben.

Carly Fiorina (61, Ex-Managerin aus Kalifornien)

Die roten Poster, auf denen in weißen Lettern "CARLY" stand, sind überall in New Hampshire zu sehen. Doch die frühere Hewlett-Packard-Chefin hatte es sehr schwer, nachdem sie am Samstag nicht an der TV-Debatte teilnehmen durfte. Unter diesen Umständen sind die vier Prozent respektabel. Auch wenn Fiorina betont, dass sie über mehr Geld verfügt als Christie und Kasich zusammen, werden immer mehr Konservative die einzige Republikaner-Kandidatin zum Rückzug auffordern.

Ben Carson (64, Ex-Gehirnchirurg)

Kein Kandidat verbrachte so wenig Zeit (nur 17 Tage) in New Hampshire wie Carson. Der Außenseiter mit Doktor-Titel, der gern über Religion und den Verfall von Manieren redet, passt besser nach Iowa mit seinen vielen Evangelikalen als zu den rebellischen Konservativen New Hampshires: Aus neun Prozent wurden zwei Prozent. Schon vor dem Iowa-caucus gab es Gerüchte (die Ted Cruz schamlos ausnutzte), dass Carson bald ausscheiden werde - doch wann das geschieht, ist unklar. Geld hat er genug und seine Umfragewerte reichen, um sich für alle TV-Debatten zu qualifizieren.

© SZ.de/joku/bepe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB