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US-Vorwahl:Eine Armee der Freiwilligen kämpft für Ted Cruz

Ted Cruz und Phil Robertson ("Duck Dynasty") in South Carolina

Er gehört zu den prominentesten Unterstützern von Ted Cruz (re.) in South Carolina: Phil Robertson (li.), Entenjäger-Ausrüster, Fernsehberühmtheit und bekennender Schwulenhasser.

(Foto: AFP)

South Carolinas Republikaner sind sehr konservativ. Ted Cruz sollte hier triumphieren, doch er liefert sich eine Schlammschlacht mit Trump und Rubio.

Von Matthias Kolb, Charleston (South Carolina)

Auf dem Programm des Sottile Theatre in Charleston steht für den Freitagabend eine Ballett-Aufführung des "Karnevals der Tiere" von Camille Saint-Saëns. Am frühen Nachmittag werden die bunten Kulissen aber hinter einen Vorhang geschoben, um knapp 700 Zuschauern ein anderes Spektakel zu bieten. "Bibeln und Waffen haben uns hierher gebracht! Bibeln und Waffen werden dafür sorgen, dass wir Amerikaner bleiben", ruft ein Mann, der damit berühmt wurde, Tiere zu töten.

Phil Robertson hat mit Equipment zur Entenjagd und der Firma "Duck Commander" Millionen verdient und ist ein Star in den Südstaaten. Der Patriarch der Familie Robertson aus Louisiana, die in der Reality-TV-Show "Duck Dynasty" sich selbst spielt, wirbt seit Wochen für Ted Cruz. Der Texaner, so hofft der bekennende Schwulenhasser, soll ins Weiße Haus einziehen. Cruz, um den sich im Sotille Theatre alles dreht, entgegnet als Dank, dass er sich Robertson als UN-Botschafter vorstellen könnte.

Einen Tag vor der Vorwahl in South Carolina fahren die Republikaner-Kandidaten alle Stars und Unterstützer auf, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Jeb Bush reist mit seiner 90-jährigen Mutter Barbara durch den Staat, Marco Rubio mit der populären Gouverneurin Nikki Haley und Donald Trump zieht sowieso seine ganz eigene Show ab.

Cruz' Ehefrau: "Das ist nur Politik"

Cruz bringt Sean Hannity, eine Ikone des konservativen Amerikas, mit auf die Theaterbühne. "Die illegale Einwanderung ist völlig außer Kontrolle", raunt der Fox-News-Moderator. Der Senator verspricht mehr Härte und mehr Grenzkontrollen. Sein Witz "Wie sollte man illegale Einwanderer nennen? - Demokraten ohne Dokumente." kommt gut an: Viele Republikaner bezichtigen Barack Obama und Hillary Clinton, sich nur für eine Einwanderungsreform einzusetzen, um potenzielle Wähler einbürgern zu können.

Ehefrau Heidi tut alles, um den Tea-Party-Liebling ins rechte Licht zu rücken: Sie erzählt von den beiden Töchtern und versichert, dass all die Angriffe auf ihren Mann (Trump: "Ted, du bist der schlimmste Lügner, den es gibt") diesen nicht stören: "Er nimmt das nicht persönlich. Das ist nur Politik und er weiß, dass er recht hat und zu seinen Prinzipien steht."

Genau dies ist es auch, was Paul Norris und K.C. Lombard an dem 45-jährigen Senator aus Texas schätzen. "Er tut, was er sagt und er sagt, was er tut", erklärt Lombard, der als Dachdecker arbeitet. Ihm sei wichtig, dass Cruz gläubig sei und sich in Washington nicht verändert habe: "Er hat gesagt, ich gehe nicht nach Washington, um 99 Freunde im Senat zu finden." Norris, ein 52 Jahre alter Software-Unternehmer, ergänzt: "Wir sind es leid, Republikaner zu sehen, die im Wahlkampf versprechen, konservativ zu sein und dann anders handeln."

"Ihr seid alle Kämpfer und habt alle keine Angst"

Norris und Lombard wohnen in Charleston und engagieren sich als Freiwillige. Sie klopfen an Haustüren, verteilen Infomaterial, rufen potenzielle Wähler und posten Infos auf Facebook. Cruz meint auch sie, wenn er ruft: "Es gibt etwas, das alle vereint, die uns unterstützen. Ihr seid alle Kämpfer und habt alle keine Angst". Doch mindestens genauso wichtig sind die Tausende Freiwilligen, die aus dem ganzen Land nach South Carolina gereist sind und seit Wochen Wahlkampf machen.

Der 64-jährige Ken Brolin hat bereits in Iowa sämtliche Organisationsaufgaben in einem freiwilligen Helfer-Team, einem "Camp Cruz", übernommen. Ein ehemaliges Studentenwohnheim wurde gemietet, damit 100 Freiwillige dort übernachten konnten: mitunter auf Luftmatratzen und zu zweit in einem Zimmer. Viele kommen aus Texas und die Mehrheit - so zumindest der Eindruck beim Besuch in Iowa - hat die Altergrenze von 50 überschritten.

Das Konzept gibt es auch in South Carolina: Morgens treffen sich alle um 7:45 Uhr, jemand spricht ein Gebet und Brolin feuert die volunteers an. Mit Journalisten dürfen nur wenige reden. Die meisten sagen, dass sie die USA auf dem falschen Weg sehen und Cruz auf sie entweder wie eine Art Retter oder der Nachfolger von Ronald Reagan wirkt.

Cruz-Anhänger wie Paul Norris und K.C. Lombard sind überzeugt, dass sich ihr Einsatz lohnen wird, zumal die Berater des Texaners nach Experten-Meinung die detailliertesten Informationen über die Wähler haben. "Ein Drittel hat sich nicht entschieden, und die Mehrheit davon kommt hoffentlich zu uns", sagt Lombard, der Trump für "gefährlich" hält. Ihre Hoffnung wird doch eine NBC-Umfrage genährt, wonach der Vorsprung von Donald Trump von 16 auf fünf Prozent zusammengeschrumpft ist.

Wieso für Trump, Cruz und Rubio so viel auf dem Spiel steht

Cruz sollte eigentlich in South Carolina erfolgreich sein: Hier leben nicht nur streng konservative Evangelikale (sie bescherten ihm den Sieg in Iowa), sondern auch viele aktive und ehemalige Soldaten. Cruz verspricht - wie Rubio und Trump - den Veteranen schneller zu helfen und viel mehr Geld ins Militär zu stecken. "Wir haben keine Daten, wie sich das military vote aufteilen wird", sagt der Politologe Scott Buchanan.

Der Wissenschaftler von der Militärakademie The Citadel in Charleston beobachtet seit langem die Politiker in South Carolina, die für ihre schmutzigen Tricks und harten Angriffe untereinander bekannt sind. "Die Leute wollen sehen, dass du einen Schlag einstecken kannst", meint Katon Dawson, Ex-Parteichef der Republikaner in South Carolina (mehr hier).

Cruz liefert sich hier sowohl eine Schlammschlacht mit Trump als auch mit Marco Rubio: Seine Kampagne präsentiert unter "The REAL Rubio Record" mit Photoshop bearbeitete Bilder, die den Senator aus Florida diskreditieren sollen. "Die Wirksamkeit dieser Attacken ist eher begrenzt, weil viele Bürger diese ohnehin für Lügen halten", vermutet Politologe Buchanan. Die Bewerber hätten allerdings nur wenige Optionen: Wenn diese nicht auf Attacken reagieren, dann könnte dies als Eingeständnis angesehen werden.

Der politische Beobacher wertet die harten Angriffe vielmehr als Zeichen, wie viel für alle Republikaner auf dem Spiel steht.

  • Donald Trump braucht einen möglichst großen Sieg, um sein Gewinner-Image zu halten - und weil sein Vorsprung hier sehr groß war.
  • Ted Cruz muss mindestens vor Marco Rubio landen, weil sein erzkonservativer Kurs im Südstaat South Carolina besonders gut ankommen sollte.
  • Marco Rubio hat die Unterstützung der populären Gouverneurin Haley bekommen, was ihm hilft und zugleich unter Druck setzt. Wenn er hier nicht mindestens Zweiter wird, gerät sein Argument, Hillary Clinton besiegen zu können, ins Wanken. Zwei dritte Plätze (nach Iowa) genügen nicht.
  • Und was ist mit Jeb Bush? Sollte er nicht - ziemlich überraschend - mindestens Dritter werden, sinken seine ohnehin niedrigen Chancen auf die Nominierung noch tiefer. Buchanan sieht es so: "Die Leute hier mögen seinen Vater und seinen Bruder. Aber die Republikaner sind der Familie Bush ziemlich überdrüssig."

Linktipps: Wie der Alltag im Camp Cruz in Iowa aussah, beschreibt diese Reportage der Washington Post. Für das New York Times Magazine schildert Robert Draper, wie Cruz die evangelikalen Wähler umwirbt.

© SZ.de/dgr/ghe
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