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US-Vorwahl:Donald Trump, Held der wütenden Konservativen

Die Siege des Milliardärs am Super Tuesday sind nur möglich, weil die Republikaner ihre Anhänger erst enttäuscht und dann missverstanden haben.

Der Super Tuesday ist vorbei und Donald Trump hat in mehr als der Hälfte der zwölf Staaten gewonnen, in denen an diesem Tag abgestimmt wurde. Bis zum heutigen Tag hat der Milliardär zwei Drittel aller Vorwahlen für sich entschieden - und er ist drauf und dran, mit seinen Erfolgen die Partei der Republikaner in ihrer bisherigen Form zu zerstören.

"Wenn unsere Partei ein Flugzeug wäre und Sie aus dem Fenster schauen würden, dann würden Sie abfallenden Teile sehen und sich fragen, ob als nächstes das Triebwerk oder der Flügel abbricht", sagt Tim Pawlenty, ehemals Gouverneur von Minnesota und Präsidentschaftskandidat 2012, der New York Times. Schockiert müssen Mitglieder und Funktionäre der Grand Old Party (GOP) zusehen, wie Trump fast überall abräumt: Er triumphiert im Ostküstenstaat Massachusetts ebenso wie im armen Alabama.

Es gibt scheinbar nichts, was seine Popularität bremsen kann: Er kann Latinos beleidigen, sich abfällig über Frauen äußern, ein Einreiseverbot für Muslime fordern, Aussagen des Papstes als "schändlich" bezeichnen oder sich nicht vom Ku Klux Klan distanzieren. In den Umfragen wie an der Wahlurne schadet ihm das ebenso wenig wie die Tatsache, dass er Familienangehörige von Terroristen töten lassen möchte und in keinem Politikfeld Details nennen kann oder will.

Donald Trump Donald Trumps skurriler Wahlkampf Video
US-Wahlkampf

Donald Trumps skurriler Wahlkampf

Er wettert gegen Rubio, den Papst und gegen illegale Einwanderer sowieso: Donald Trumps Wahlkampf ist vieles, langweilig aber sicher nicht. Die - bisher - skurrilsten Momente im Video.

Und doch gibt es eine Zahl, die diesen Erfolg erklärt: Sehr viele konservative Amerikaner fühlen sich von ihrer Partei, den Republikanern, verraten. In Georgia und Alabama lag der Wert laut CNN bei 60 Prozent; in Virginia bei 50 Prozent. Diese Beobachtung ist nicht neu: Wer heute Trump wählt, der ist wütend. Er oder sie ist sauer auf die Abgeordneten, die in Washington nicht das halten, was sie versprochen haben: nämlich Obamas Agenda zu stoppen und dafür zu sorgen, dass es ihren Wählern besser geht.

Die Wahrnehmung, dass das "System in Washington manipuliert" werde und davon vor allem große Firmen und Lobbyisten profitieren, existiert nicht nur bei Fans des selbsternannten Sozialisten Bernie Sanders: Auch viele konservative Amerikaner finden, dass Geld eine viel zu große Rolle in der Politik spielt. Dass Trump mit seinem prahlerisch-provokanten Auftreten und seinen Sprüchen, die an einen Comedian erinnern ( mehr zu Trumps Rhetorik), den größtmöglichen Gegensatz zu allen Karriere-Politikern bildet, ist unübersehbar.

Den Boden für den Erfolg von Donald Trump hat die Grand Old Party selbst bereitet: Sie hat der konservativen Hälfte Amerikas sieben Jahre lang (seit Obamas Wahl Ende 2008) eingehämmert, dass die USA vor dem Untergang stehen. Dies geschah aus politischem Kalkül ( Details hier) und diese konsequente Anti-Haltung führte zu einigen Wahlerfolgen bei den Kongresswahlen. Doch zugleich hat sich die wirtschaftliche Lage für viele GOP-Wähler nicht verbessert - und die Elite hat den Bezug zur Basis völlig verloren.

US-Wahl Super Tuesday: Clinton und Trump triumphieren Bilder

US-Vorwahlen

Super Tuesday: Clinton und Trump triumphieren

War das die Vorentscheidung? Die Favoriten Trump und Clinton sammeln reihenweise Siege. Von den Verlierern denkt trotzdem keiner daran, aufzugeben.   Analyse von Matthias Kolb, Washington

Die Parteichefs, Gouverneure und Abgeordneten im US-Kongress haben es gar nicht - oder viel zu spät - bemerkt, dass die republikanischen Wähler gerade nichts mehr umtreibt als der Wunsch, allen kollektiv den Mittelfinger entgegen zu strecken und zu rufen: "So geht es nicht weiter!" Und niemand verkörpert diese Haltung besser als Donald J. Trump.