bedeckt München 12°
vgwortpixel

US-Umfrage:So sehen US-Bürger die Deutschen

  • Die Hälfte der Amerikaner hat derzeit ein "exzellentes" Bild von Deutschland.
  • Zu Zeiten des Irakkriegs 2003 dachte gerade einmal ein Viertel der Befragten so.
  • Deutschland geht mit der Flüchtlingssituation besser um als die USA, findet knapp die Hälfte der Amerikaner.
  • Das Vertrauen der US-Bürger in deutsche Autos wankt.

Die Mehrheit der US-Amerikaner blickt wohlwollend auf Deutschland. Das zeigt das Stimmungsbild "American Perceptions of Germany", das an diesem Dienstag auf einer Tagung des German Marshall Fund und der Deutschen Botschaft in Washington, D.C. vorgestellt wird. Die Hälfte der befragten Amerikaner (53 Prozent) gibt an, ein "exzellentes" Bild der Deutschen zu haben. Nur ein kleiner Teil (acht Prozent) hat dagegen ein "ärmliches" Bild von Deutschland. In der Umfrage haben 1500 Amerikaner ihre Sicht auf den Umgang der Deutschen mit Terrorismus, Flüchtlingen und dem VW-Abgasskandal erklärt.

Deutschland strahlt aus amerikanischer Sicht in hellem Licht. Obwohl sich dieses in den vergangenen zweieinhalb Jahren etwas verdunkelt hat. Im November 2013 noch hatten etwa 59 Prozent der befragten US-Bürger ein "exzellentes" Bild von den Deutschen. Obwohl die Autoren der Studie keinen expliziten Grund für diesen Rückgang nennen, führen sie an anderer Stelle als Grund für das Auf und Ab in den deutsch-amerikanischen Beziehungen an, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hat.

Das bisher schlechteste Bild hatten die Amerikaner laut der Studie im April 2003 von den Deutschen. Nur 27 Prozent der Befragten hatten damals eine gute, 32 Prozent gar eine schlechte Meinung von Deutschland. Kurz zuvor hatte der damalige US-Präsident George W. Bush am 20. März den Irakkrieg mit Bomben auf die irakische Hauptstadt Bagdad eröffnen lassen. Der einstige Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Mehrheit der Deutschen hatten sich im Vorfeld klar gegen eine deutsche Beteiligung an diesem Krieg ausgesprochen.

Deutschland ist ein wichtiger Partner der USA - auch im Kampf gegen den Terror

Die Bundeswehr ist derzeit auch nicht mit Waffengewalt am Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat in Syrien beteiligt. Deutsche Flugzeuge leisten einen Beitrag zur Luftaufklärung, fliegen aber keine Angriffe auf die Terrormiliz am Boden. Angesichts dessen mag es etwas verwundern, dass laut der Umfrage mehr als die Hälfte der befragten Amerikaner Deutschland als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus sieht. Allerdings bemängeln fast ebenso viele Befragte (62 Prozent) auch, dass Deutschland sich nicht aktiver an diesem Kampf beteiligt.

Deutschland ist für die Befragten der drittwichtigste internationale Partner und rangiert damit direkt hinter Großbritannien und Kanada. Deutschland ist somit in den Augen der Amerikaner der wichtigste nichtenglischsprachige Partner der USA. Neben Großbritannien und Deutschland findet sich in dem Ranking nur noch Frankreich als weiterer europäischer Staat.

So gut die amerikanisch-deutschen Beziehungen auch sein mögen, so schlecht ist das Verhältnis vieler US-Bürger zum Automobilhersteller Volkswagen. Seit vergangenes Jahr bekannt wurde, dass der Konzern die wahren Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge verschwiegen hat, hat der Studie zufolge knapp die Hälfte der Amerikaner (46 Prozent) den Glauben in die Marke verloren. Doch betrachten fast ebenso viele (45 Prozent) den Fall VW als Einzelfall. Knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) hat aber das Vertrauen in die gesamte deutsche Automobilindustrie verloren. Fast ebenso viele (28 Prozent) zweifeln inzwischen auch an der Marke "Made in Germany".

Deutschland hat im Umgang mit Flüchtlingen dazugelernt

Amerika scheint besonders die Rolle Deutschlands bei der Bewältigung der Flüchtlingssituation zu würdigen. In den Augen der Befragten hat Deutschland besser darauf reagiert als die Europäische Union oder die Vereinigten Staaten. So sagen gut ein Drittel der Befragten, Deutschland habe sein Krisenmanagement verbessert, seitdem im vergangenen Herbst der Zuzug von Flüchtlingen massiv zunahm.

Doch äußerten die Befragten auch Sorgen im Hinblick auf die Flüchtlinge, die über mehrere Monate hinweg in Deutschland ankamen. Die vielen Flüchtlinge seien ein Sicherheitsrisiko für Deutschland, sagt gut die Hälfte der Befragten (52 Prozent). Und 50 Prozent fürchtet, dass die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zunehmen wird. 44 Prozent sehen Deutschlands Wohlstand bedroht und 40 Prozent sehen rechte Strömungen in Deutschland erstarken. Die Befragung fand Mitte Februar statt, also noch vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, bei denen es die rechtspopulistische AfD ohne Probleme in die Parlamente schaffte.

Für die Studie hat das US-amerikanische Marktforschungsinstitut Magid via E-Mail 1500 Amerikaner zu ihrer Sicht auf Deutschland befragt. Das Institut gibt an, einen repräsentativen Ausschnitt aus der amerikanischen Gesellschaft abzubilden.