bedeckt München 31°

Militärpräsenz:Trump will US-Truppen von Deutschland teilweise nach Polen verlegen

US-Präsident emfängt Polens Präsidenten Duda

Donald Trump, Präsident der USA, spricht neben Andrzej Duda (li.), Präsident von Polen, während einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses.

(Foto: dpa)

Das Land habe sich bereiterklärt, für die Soldaten zu bezahlen, so Trump. Regierungsvertreter in Warschau betonten allerdings, man wolle eine Erhöhung der US-Militärpräsenz nicht auf Kosten Deutschlands.

US-Präsident Donald Trump will nach dem geplanten Abzug von fast 10 000 US-Soldaten aus Deutschland unter anderem die US-Truppen in Polen verstärken. Trump begründete den Schritt bei einer Pressekonferenz mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda im Weißen Haus mit den nach seiner Ansicht mangelnden Verteidigungsausgaben Deutschlands. Trump sagte, einige der Soldaten aus Deutschland sollten in die USA zurückkehren. Andere Soldaten würden an andere Standorte in Europa verlegt, und "Polen wird einer dieser anderen Orte sein".

Trump will die Zahl der US-Soldaten in Deutschland auf 25 000 reduzieren. Derzeit sind etwa 34 500 US-Soldaten hierzulande stationiert. Der US-Präsident kritisierte erneut die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll. "Deutschland bezahlt Russland Milliarden Dollar, um Energie aus Russland durch diese Pipeline zu kaufen." Zugleich wolle Deutschland von den USA gegen Russland verteidigt werden. "Ich denke, dass die Menschen in Deutschland darüber sehr unglücklich sind."

Trump sagte weiter, Polen habe sich bereiterklärt, für die US-Truppen im Land zu bezahlen. Regierungsvertreter in Warschau betonten allerdings, man wolle eine Erhöhung der US-Militärpräsenz nicht auf Kosten Deutschlands.

Grundsätzlich möchte die nationalkonservative PiS-Regierung in Warschau aber seit Langem mehr US-Truppen im Land haben - vor allem als Abschreckung gegen Russland. Die Vorstellungen reichen bis zu einer ständigen US-Militärbasis in Polen, in der polnischen Öffentlichkeit "Fort Trump" genannt. Bislang sind US-Soldaten in Polen im Rotationsprinzip stationiert, nach Angaben der polnischen Regierung derzeit etwa 5000.

"Ich habe mich mit der Bitte an Präsident Trump gewandt, keine Truppen aus Europa abzuziehen, da Europas Sicherheit wichtig für mich ist", sagte Duda. Die amerikanische Militärpräsenz habe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Europas Sicherheit garantiert. Wenn irgendein Teil der US-Truppen von dort abgezogen werde, sei diese gefährdet.

Trump verwies darauf, dass Polen neben den USA zu nur acht Nato-Staaten gehöre, die das Zwei-Prozent-Ziel des Bündnisses erfüllten. Deutschland bezahle dagegen nur einen Bruchteil davon. Trump sprach von "etwas mehr als einem Prozent", es könnte aber - je nach Berechnung - auch weniger als ein Prozent sein. Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato sieht vor, dass sich alle Alliierten bis 2024 dem Ziel annähern, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben. Deutschland hat die Ausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, lag aber 2019 dennoch erst bei einem BIP-Anteil von 1,38 Prozent.

© SZ.de/dpa/jael/jobb

Russland und der Westen
:"Das ist keine Ignoranz, das ist bewusste Politik"

Der russische Historiker Alexey Miller erklärt, warum der Westen bis heute Russlands Anteil am Sieg über Nazi-Deutschland kleinredet. Und warum das die russische Seele so sehr verletzt.

Interview von Silke Bigalke, Moskau

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite