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US-Strategie gegen Irans Atompläne:Planspiele am Persischen Golf

Offiziell setzen die USA gegenüber Iran auf härtere Sanktionen. Doch im Hintergrund wird offenbar eine andere Strategie gefahren: Wie das "Wall Street Journal" berichtet, plant die US-Regierung angeblich, Irans Nachbarn am Persischen Golf massiv aufzurüsten. Die Vereinigten Arabischen Emirate etwa sollen bunkerbrechende Bomben erhalten.

Welche Strategie verfolgen die USA im Umgang mit Iran und dessen Atomprogramm? Sanktionen, wirtschaftlicher und diplomatischer Druck - so lautet die offizielle Linie. Offenbar verfolgt die Regierung von Präsident Obama aber noch eine alternative Linie: Wie das Wall Street Journal berichtet, sollen verbündete Staaten am Persischen Golf vom US-Militär mit Rüstungslieferungen unterstützt werden.

HARRY S. TRUMAN

Die Vereinigten Staaten wollen Irans Nachbarn aufrüsten. Im Bild: Sogenannte Bunker Buster werden für den Einsatz im Krieg gegen den Irak im Jahr 2003 an Bord der USS Harry Truman vorbereitet.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Konkret geht es um die Lieferung von 4900 bunkerbrechenden Bomben des Herstellers Boeing an die Vereinigten Arabischen Emirate. Diese Waffen dienen insbesondere dazu, unter der Erde befindliche Bunker, Tunnel und Anlagen aus der Luft anzugreifen. Es wird vermutet, dass ein erheblicher Teil des iranischen Atomprogramms in solch unterirdischen Anlagen vorangetrieben wird.

Für das kleine Land wäre es eine massive Aufrüstung, denn bisher verfügt die dortige Luftwaffe nur über wenige hundert bunkerbrechende Bomben. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die früher enge Beziehungen zu Iran unterhielten, gelten inzwischen als Kritiker des Regimes in Teheran. So hat die Herrscherfamilie in Abu Dhabi wiederholt vor den Gefahren eines iranischen Nuklearprogramms gewarnt (Einen Vergleich der beiden Regimes lesen Sie hier).

Der Rüstungsverkauf an die Vereinigte Arabischen Emirate deutet darauf hin, dass die US-Regierung bemüht ist, ein regionales Gegengewicht zu Iran in der Region aufzubauen. So gab es in den vergangenen Monaten größere Waffenlieferungen auch an Saudi-Arabien und den Oman.

Außerdem haben die USA in den vergangenen Monaten den Dialog mit dem Golf-Kooperationsrat intensiviert. Dort sind neben Saudi-Arabien, dem wichtigsten Partner der USA in der Region, auch Bahrain, Oman, Katar, Kuwait und eben die Vereinigten Arabischen Emirate zusammengeschlossen.

Washington warnt vor Militärschlag gegen Iran

Zuvor warnte US-Verteidigungsminister Leon Panetta vor den Folgen eines Militärschlags gegen Iran. Ein solcher Schritt könne "unbeabsichtigte Konsequenzen" haben mit ernsthaften Auswirkungen auf die Region und die dort stationierten US-Truppen, sagte Panetta vor Journalisten.

Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) hatte Iran vorgeworfen, an der Entwicklung von Kernwaffen gearbeitet zu haben. Die USA und mehrere EU-Länder forderten darauf verschärfte Sanktionen gegen Teheran, die beiden UN-Vetomächte Russland und China lehnten dies jedoch ab. In Israel wurde daher öffentlich über einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen diskutiert. Irans religiöser Führer Ayatollah Ali Chamenei warnte, der Iran werde "mit aller Kraft" auf militärische Angriffe oder Drohungen reagieren.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte seine "ernste Sorge" über die militärische Dimension des iranischen Atomprogramms. Wie sein Sprecher Martin Nesirky sagte, müsse Iran die friedliche Natur seines Atomprogramms beweisen. Zugleich betonte Nesirky, Ban sei weiterhin überzeugt, dass der Konflikt nicht militärisch, sondern nur diplomatisch gelöst werden könne.

Russland will in Iran weitere Atomkraftwerke bauen

Inmitten der Diskussion über das iranische Atomprogramm erklärte sich Russland grundsätzlich zum Bau weiterer Reaktoren in dem islamischen Land bereit. "Wir prüfen mögliche Aufträge", sagte der Chef der Atombehörde Rosatom, Sergej Kirijenko, am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax. Das von Russland vor kurzem in Buschehr fertiggestellte erste iranische Atomkraftwerk habe "keine Fragen bei der internationalen Gemeinschaft auslöst".

Das Außenministerium in Moskau teilte mit, dass sich China und Russland gemeinsam für eine Verhandlungslösung im Atomstreit aussprechen würden. Das hätten Diplomaten beider Länder beschlossen. Der iranische Atomunterhändler Ali Bageri nannte nach Gesprächen in Moskau die Vorwürfe im neuen Bericht der Atomenergiebehörde IAEA "aus der Luft gegriffen".

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