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US-Spione in Deutschland:Nur naiv sollte man nicht sein

Hinweise auf US-Überwachung von Merkels Handy

Ihr Handy wurde überwacht von US-Diensten: Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier im Reichstagsgebäude in Berlin während einer Sitzung des Bundestags

(Foto: picture alliance / dpa)

Man kennt sich, man hilft sich, man bespitzelt sich. Die Amerikaner meinen, das sei in Ordnung, auch unter Freunden. Sie hätten gerne, dass die Deutschen Ruhe geben. Aber was geschieht mit enttarnten Agenten?

Vor Jahren ließ das FBI mit großem Aufwand den Sitz des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Washington beobachten. Der BND ist dort in der deutschen Botschaft untergebracht, einer sogenannten Residentur. Die Mitarbeiter des BND wurden observiert.

Das FBI wollte unbedingt herausbekommen, ob die Deutschen auf amerikanischem Boden ohne Wissen von US-Behörden Agenten führen. Das Ergebnis muss für das FBI enttäuschend gewesen sein: null.

Wissen ist gut, Nichtwissen ist schlecht

Wenn sich beim BND in Washington Leute melden und den Deutschen ihre Dienste anbieten, informiert er brav das FBI oder die CIA über die Offerte. Das gehört sich so unter engen Verbündeten, meinen die Deutschen. Außerdem setzt das FBI Lockspitzel ein, um die anderen zu testen.

Man muss vorsichtig sein. Nur naiv sollte man nicht sein.

Die Deutschen glaubten bis vor Kurzem, ein Freund spioniere einen Freund nicht aus. Aber aus der Sicht der US-Dienste ist Freundschaft keine wirklich bedeutsame Kategorie. Wissen ist gut, Nichtwissen ist schlecht - das ist alles, was zählt. So sagen es US-Geheimdienstleute.

Die Causa des festgenommenen BND-Mitarbeiters, der heimlich der CIA Dokumente seines Arbeitgebers überreicht haben soll, und nun der Verdachtsfall eines Mitarbeiters im Bundesverteidigungsministerium, der ohne Wissen deutscher Behörden allzu eng mit US-Diensten gewesen sein soll, werfen zwei Fragen auf.

Frage eins: Sind das wirklich nur Einzelfälle, die fast gleichzeitig bekannt wurden?

Frage zwei: Hat jemand in Washington irgendwann die prinzipielle Entscheidung getroffen, nicht nur die Kanzlerin abzuhören, sondern auch menschliche Quellen in Deutschland anzuwerben?

Das Verteidigungsministerium ist zentral für das Bündnis. Wer dort spionieren lässt, verhält sich wie ein Feind.

Oder funktioniert genau so das Geschäft? Sind die Deutschen scheinheilig, wenn sie sauer darüber sind, dass die USA in Deutschland spionieren?

Geheimdienste im Überblick

Der mächtige graue Staat der USA

Die US-Agenten, so ist zu hören, sind jedenfalls sauer darüber, was nun alles in der Zeitung steht. "Können die nicht einfach mal Ruhe geben?", hat vor Kurzem ein US-Geheimdienstler über die Deutschen gesagt.

Wie soll man auf das Treiben der US-Dienste reagieren?

Auch erfahrene Sicherheitsexperten in Berlin tun sich schwer, die Folgen der Schnüffeleien abzuschätzen. Man könnte jetzt die Ausweisung des CIA-Residenten verlangen, aber der ist noch gar nicht so lange in Deutschland.

Als der besagte BND-Mann für die CIA angeworben wurde, so um 2012, war der Resident noch nicht hier. Ihn auszuweisen, wenn er nicht verantwortlich war, hätte allenfalls symbolischen Wert.

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Dass Nato-Staaten sich gegenseitig ausspionieren, ist ein schlechter Witz. Ein Militärbündnis kann ohne gegenseitiges Vertrauen nicht richtig funktionieren. Zeit für ein Commitment der Geheimdienstchefs. Eine Analyse im Video.

Mit der CIA kann das Publikum noch etwas anfangen, doch wenn es - wie im Fall des Verdächtigen im Verteidigungsministerium - ums Militär geht, kommen noch andere Geheimdienste ins Spiel, und die kennen nur die Spezialisten.

Die US-Luftwaffe, das Heer und die Marine betreiben jeweils einen eigenen Dienst, dazu kommt die große Defense Intelligence Agency (DIA), mit der die Deutschen traditionell eng kooperieren.