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US-Spezialeinsatz gegen Osama bin Laden:Schweigen im "situation room"

Nahezu wortlos verfolgen die Anwesenden im situation room die Szenen. Sie sehen wohl auch, wie die US-Soldaten in das Hauptgebäude vordringen, vor Ort wohl "Waziristan Villa" genannt. Drei Männer sind tödlich getroffen, einer soll Bin Ladens Sohn Hamza sein, ein anderer der Kurier, der unfreiwillig die Amerikaner zu dem Versteck führte. Auch eine Frau stirbt, erste Berichte besagen, dass sie von einem der Bin-Laden-Leute als menschliches Schutzschild missbraucht wurde, später widerspricht die US-Regierung dieser Darstellung.

Obama sieht zu, wie die Seals sich in dem Gebäude weiter vortasten, Stockwerk um Stockwerk. In der obersten Etage finden sie einen Mann vor: Er ist groß und trägt der NYT zufolge eine locker sitzende Tunika, Kleidung, wie sie üblich ist in der Region.

Codename Geronimo

Es ist Osama bin Laden. CNN berichtet, er sei unbewaffnet, möglicherweise versucht ein Begleiter bis zuletzt, den 53 Jahre alten "Scheich" zu schützen. Zumindest beteuert die US-Regierung, man habe durchaus Interesse gehabt, Bin Laden lebend zu fangen, doch er habe sich gewehrt.

Noch ein Schusswechsel.

Die Amerikaner treffen Bin Laden ins Gesicht, über dem linken Auge, schreibt die NYT. Die meisten US-Medien melden zwei Kopfschüsse, CNN will erfahren haben, dass die zweite Kugel in den Brustkorb des gebürtigen Saudis ging.

Die Amerikaner filzen die Räume, packen Dokumente und Computer ein, auch Daten-CDs. 22 Personen zählen die Elitesoldaten auf dem Areal, inklusive der Toten. Eine Frau Osama bin Ladens ist unter den Überlebenden, sie identifiziert ihn. Den Amerikanern reicht das nicht: Sie machen ein Foto von der Leiche, ein elektronischer Abgleich bestätigt mit 95-prozentiger Sicherheit, das high value target vor sich zu haben. Ein späterer Gentest kommt zum selben Ergebnis.

Etwa 40 Minuten sind seit Beginn der Aktion vergangen, vielleicht ein paar mehr - Minuten, die so langsam vergehen "wie Tage", erinnert sich Obamas Antiterrorexperte Brennan, der sich mit dem Präsidenten im Weißen Haus befindet.

Während des Einsatzes wartet man dort auf Geronimo, den Codenamen für Osama bin Laden. Die New York Times schildert die entscheidende Phase aus Sicht des Obamas.

CIA-Chef Leon Panetta kommentiert ab und zu auf einem Extra-Monitor, die Bilder aus Pakistan.

"Sie haben das Ziel erreicht", sagt er.

Dann, nach einer Weile: "Wir haben Geronimo im Sichtfeld".

Weitere Minuten vergehen.

"Geronimo EKIA", sagt Panetta. EKIA steht für enemy killed in action - Feind im Kampf getötet. Amerikas Staatsfeind Nummer eins ist tot.

In Langley, bei der CIA bricht Applaus und Jubel aus. Im situation room des Weißen Hauses bleibt es zunächst still.

Dann sagt Barack Obama mit fester Stimme: "Wir haben ihn."

© sueddeutsche.de/mati

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