US-Soldaten:Vom Glauben abgefallen

Deutschland braucht die USA, auch wenn viele das bezweifeln.

Von Daniel Brössler

Mit seiner Entscheidung, die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten um ein Drittel zu verringern, hat Präsident Donald Trump keineswegs nur Kremlchef Wladimir Putin eine Freude gemacht. Fast die Hälfte der Deutschen sind einer Umfrage zufolge einverstanden mit der Reduzierung. Jeder Vierte wünscht sich gar den kompletten Abzug der US-Streitkräfte. Hier offenbart sich ein Problem, das noch gravierender ist als der Truppenabzug selbst.

Vielen Deutschen ist der Glaube an den Sinn der Nato und damit der amerikanischen Truppenpräsenz abhandengekommen. Das hat zwei Hauptgründe. Zum einen kann nicht ohne Folgen bleiben, dass Trump mit seinem nationalen Egoismus und seinem abstoßenden Politikstil traditionelle Verbündete verprellt. Zum anderen halten viele Deutsche ihr Land für sicher vor militärischer Bedrohung. Und das, obwohl Russland vor gerade einmal sechs Jahren mit militärischen Mitteln Grenzen in Europa verschoben hat.

Ohne die USA hätten die Europäer einer Aggression wenig entgegenzusetzen. Es ist daher richtig, wenn die Bundesregierung und der größte Teil der Opposition die Truppenreduzierung beklagen. Ebenso wichtig wäre es aber auch, den europäischen Beitrag zur Nato zu stärken - und die Bevölkerung von ihrem Sinn zu überzeugen.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB