US-Republikaner: Sarah Palin:Mama Grizzly zieht in den Kampf

Lesezeit: 4 min

Sarah Palin versetzt die Politauguren in den USA in Hochspannung. Das Idol der amerikanischen Rechten will offenbar wirklich 2012 Präsidentschaftskandidatin der Republikaner werden.

Reymer Klüver, Washington

Will sie? Oder will sie nicht? Was steckt hinter dem YouTube-Video, das unter dem Stichwort "Mama Grizzlies" im Internet Furore macht? Zweifellos sehen so Wahlspots aus von Politikern mit Ambitionen. Sammelt Sarah Palin deshalb Geld? Fast eine Million Dollar hat sie im vergangenen Vierteljahr bekommen. Welche Strategie verbirgt sich hinter ihren Empfehlungen für einzelne Kandidaten, die bei der Kongresswahl im Herbst antreten sollen? Gezielt und ziemlich erfolgreich wurden sie ausgesprochen. Fragen über Fragen, nur vage Antworten aber - wohl mit Absicht.

Palin versetzt die Politauguren in den USA in Hochspannung. Die einschlägigen Blogs schwirren vor Gerüchten. Will sich die Jeanne d'Arc der Rechten tatsächlich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner 2012 bewerben? Das hielt kaum jemand für möglich nach ihrer kläglich gescheiterten Vizepräsidentschaftskandidatur 2008 und ihrem überstürzten Abgang als Gouverneurin von Alaska ein knappes Jahr später.

Genaues weiß keiner, vielleicht nicht einmal Palin selbst. In jedem Fall aber hat die von den Linken geschmähte Bannerträgerin der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung in den vergangenen Wochen ihren enormen politischen Einfluss unter Beweis gestellt. Wen sie bei den Vorwahlen vor einigen Wochen empfahl, der hatte gute Chancen, von der republikanischen Parteibasis zum Kandidaten für die Kongresswahl im Herbst bestimmt zu werden. Und Palin empfahl auffallend viele Frauen. Mama Grizzlies nennt sie sie, in Anspielung auf die Grizzlybären-Mütter in ihrer kalten Heimat, die sich bei Gefahr schützend vor ihre Jungen stellen. So, das ist die Botschaft ihres jüngsten Videos, müssten sich die Mütter Amerikas aufrichten und ihr Land gegen den Angriff der Linken verteidigen - unter Palins Führung.

In New Mexico und South Carolina werden nun Frauen für die Republikaner bei der Gouverneurswahl antreten. Ehe Palin ihre Empfehlung für Susana Martinez und Nikki Haley ausgesprochen hatte, lagen die beiden konservativen Frauen in den Umfragen abgeschlagen zurück. Nun haben sie sehr gute Chancen auf einen Wahlsieg. In Nevada hat sie Sharron Angle als Senatskandidatin durchgesetzt. In Georgia könnte ihre diese Woche ausgesprochene Empfehlung für Karen Handel die Stichwahl für die Gouverneurskandidatur entscheiden, und im Bundesstaat New York unterstützt sie die Konservative Ann Marie Buerkle im Kongresswahlkampf.

Doch es sind keineswegs nur Frauen auf der Linie der Tea-Party-Bewegung, für die Palin Wahlempfehlungen ausgesprochen hat. Ganz gezielt und offenbar unberührt von allen ideologischen Grundsatzerwägungen hat sie sich auch für Frauen und Männer eingesetzt, die den Lackmustest der neuen Rechten bei den Republikanern nie und nimmer bestehen würden, deren Beistand aber wichtig sein könnte bei einer Präsidentschaftskandidatur. So unterstützt sie, in alter Verbundenheit, John McCain in seiner neuerlichen Bewerbung um die Senatskandidatur der Republikaner in Arizona - gegen einen Kandidaten, der das Gütesiegel der Tea Party hat. John McCain liegt inzwischen deutlich vorn. In Kalifornien wirbt Palin für Carly Fiorina, die ehemalige Chefin des Computerriesen HP, die nach Jahrzehnten erste republikanische Senatorin Kaliforniens werden will, des Bundesstaats, der bei Wahlparteitagen der Republikaner mit Abstand die meisten Stimmen stellt.

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