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US-Republikaner im Kongress:John McCain - der alte Falke an Obamas Seite

John McCain (links) wollte einst selbst gern Präsident werden, nun empfing ihn Amtsinhaber Barack Obama immerhin im Oval Office.

John McCain (links) wollte einst selbst gern Präsident werden, nun empfing ihn Amtsinhaber Barack Obama immerhin im Oval Office.

(Foto: Pete Souza/White House/dpa)

John McCains Verhältnis zu Barack Obama ist schwierig, im Syrien-Konflikt ist der Republikaner jedoch ein wichtiger Verbündeter des Präsidenten. Denn wenn die USA über Militäreinsätze streiten, ist McCain meistens dafür. Auch John Boehner, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, signalisiert Unterstützung.

Von Nicolas Richter, Washington

John McCain, der im Jahr 2008 Präsident werden wollte, hat es doch noch ins Oval Office geschafft. Dort sah man ihn jüngst im Sessel sitzen, allerdings nicht als Präsident, sondern als Gast des Präsidenten Barack Obama.

Das Verhältnis der beiden Männer ist schwierig, aber zurzeit sind sie sich in zwei Dingen einig: Erstens sollten die USA das syrische Regime mit Marschflugkörpern dafür bestrafen, dass es seine Bürger mutmaßlich mit Giftgas umbringt. Zweitens würden sich die USA weltweit blamieren, wenn ihr Parlament gegen den von Obama geforderten Angriff stimmen sollte.

McCain, 77, ist vielleicht nicht Washingtons ältester Falke, aber bestimmt Washingtons ältester lauter Falke. Wenn das Land über Interventionen streitet, egal wo, ist McCain meistens dafür. Im Mai tauchte er plötzlich in Syrien auf, um sich mit Rebellen zu unterhalten; er wirft Obama seit Jahren vor, die Opposition im Stich zu lassen. Nun wirbt er mit dem Präsidenten für einen Raketenangriff. Ein Nein aus dem Parlament wäre "katastrophal" für die Glaubwürdigkeit der USA, warnt McCain.

McCain ist ein Sprecher McCains

Der Vietnam-Veteran und Senator aus Arizona allerdings ist kein Sprecher der republikanischen Partei, sondern in aller Regel ein Sprecher McCains. Sein Sachverstand verschafft ihm Einfluss und Respekt, aber es bedeutet nicht, dass ihm alle folgen. Auch der Chef der Republikaner im Unterhaus, John Boehner, der sich am Dienstag für einen US-Angriff aussprach, hat nur beschränkten Einfluss auf seine Fraktion.

Statt einer Einheitsmeinung bilden sich in der selbsternannten Partei der außenpolitischen Kompetenz nun zwei Lager: Interventionisten und Isolationisten. Jene, die glauben, dass Amerika in Syrien Stärke beweisen müsse, gegen jene, aus deren Sicht Amerika in Syrien nichts verloren (aber viel zu verlieren) hat. Obama zwingt die Republikaner, sich zu bekennen. Deren Abgeordnete und Senatoren befinden bald nicht nur über einen Angriff, sondern auch über die neue außenpolitische Ausrichtung der amerikanischen Rechten.

Als Leitfigur der Isolationisten tritt der Senator Rand Paul auf, auch er ist ein Typ, der meist für sich selbst spricht, wenn nötig auch mal 13 Stunden am Stück. So lange dauerte im März sein Filibuster-Vortrag über Drohnen-Angriffe. Paul, ein Senator aus Kentucky, ist seitdem ein bekannter Querkopf, der sich mit großer Wahrscheinlichkeit 2016 um das Weiße Haus bewerben wird. Paul gehört zum libertären Flügel der Partei und findet, dass sich die USA aus dem Weltgeschehen deutlich öfter heraushalten sollten als bisher.

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