US-Republikaner Eric Cantor Opfer der eigenen Revolution

Der mächtige Republikaner Eric Cantor förderte die erzkonservative Tea Party. Nun hat sie ihn bei einer Vorwahl geschlagen, das Mandat des Mehrheitsführers im US-Repräsentantenhaus ist weg. Sein Sturz zeigt die Führungslosigkeit der Grand Old Party.

Ein Kommentar von Nicolas Richter, Washington

Die Revolution wollte Eric Cantor - und er hat sie bekommen: Bei der Vorwahl seiner Partei hat der Anführer der Republikaner im US-Abgeordnetenhaus sein Mandat an jene Tea Party verloren, die er jahrelang gefördert hat. Um seine Macht in der Partei zu mehren, hat er Dutzenden Außenseitern ins Parlament geholfen. Cantor, der sich stets als neuer Anführer der Rechten inszeniert hat, fällt nun seinen eigenen Aufständischen zum Opfer.

Es hat ihm bestimmt nicht geholfen, dass er im Vorwahlkampf etwas Milde für illegale Einwanderer anmahnte. Cantors Sturz besiegelt das Ende jener Immigrationsreform, die das Land braucht, die Amerikas Rechte aber nicht ertragen kann. Die Republikaner stehen für Sturheit und Blockade, auf Dauer rücken sie sich damit noch mehr an den Rand.

Die Tea Party ist unkontrollierbar

Der Fall Cantor offenbart mehr denn je die Führungsschwäche, ja Führungslosigkeit der Republikaner. Es ist niemand in Sicht, der die Fraktion zu einem Mindestmaß an Vernunft zwingen könnte. Cantor hat die Lage sogar noch verschlimmert. Er wollte die Energie der Tea Party anzapfen und versprach sich davon neue Kraft. Er hat den jungen Wilden geholfen und gehofft, dass sie ihm treu bleiben würden. Stattdessen warfen sie ihm vor, nicht linientreu zu sein.

Wer sich radikaler Kräfte bedient, muss wissen, wie er sie beherrschen kann. Jetzt weiß Cantor: Die Tea Party ist unkontrollierbar.