USA:Der Provokateur und der Aristokrat

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Der Provokateur

"Gefahr: Mund funktioniert schneller als Gehirn." Diesen Warnhinweis hat Steve Deace selbst angebracht in seinem kleinen Radiostudio am Stadtrand von Des Moines, zwischen dicken, dunklen Schaumstoffplatten. Für Iowas Konservative ist der 41 Jahre alte Radio-Moderator ein Held, dessen Nähe sowohl Präsidentschaftskandidaten als auch deren Berater suchen. In einer Werbepause dreht er sich zur Seite und erklärt, worauf es diesmal ankomme: Nach Obama brauche das Land einen "konservativen Anführer", der nicht nur an Gott glaube, sondern auch an Amerikas Ausnahmestellung in der Welt.

Ein Mangel an Wettbewerb ist dabei seine geringste Sorge. Bei den US-Republikanern stellt sich derzeit eher die Frage, ob aus ihren Reihen 15 oder gar 20 Bewerber ins Weiße Haus einziehen wollen, und ob bei den TV-Debatten überhaupt genug Platz auf der Bühne sein wird für so viele.

Am Montag kündigte die ehemalige Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard (HP), Carly Fiorina, sie wolle für die Republikaner ins Rennen um das Weiße Haus ziehen. Iowas Konservative reden jetzt viel über Hillary Clinton. Auch der Radiomoderator Deace: "Um Hillary besiegen zu können, müssen wir zuerst Jeb Bush schlagen." Zum Beispiel mit Ted Cruz, dem rechten Parteirebellen.

Deace ist überzeugt, dass die Republikaner zuletzt nur verloren haben, weil ihre Präsidentschaftskandidaten John McCain und Mitt Romney zu moderat waren. Diese Meinung wiederholt er jeden Nachmittag in seiner Sendung. Von den etwa 120 000 Republikanern, die zur Vorwahl gingen, gehöre ein Viertel zum Establishment, 15 Prozent seien Libertäre. 60 Prozent seien sozialkonservativ, unter ihnen viele evangelikale Christen, welche Abtreibung und Homo-Ehe ablehnten.

Wenn es einem Kandidaten gelingen könne, die Mehrheit der Libertären und der Sozialkonservativen hinter sich zu bringen, dann habe der Mainstream-Favorit keine Chance, glaubt Deace. Er schwärmt von dem rechtspopulistischen Senator Ted Cruz, der schon mehr als 35 Millionen Dollar Spenden gesammelt habe: "Das zeigt, wie beliebt er an der Basis ist."

Der Aristokrat

Aus dem Büro von Doug Gross hat man einen spektakulären Blick auf die Kuppel des Kapitols von Iowa. 2008 leitete der Anwalt die Kampagne von Mitt Romney, haargenau verfolgte er dabei das Auf und Ab der Wählerumfragen. Diesmal hat sich im Bewerberfeld der Republikaner noch kein Favorit herauskristallisiert, sagt er. Dennoch: Jeb Bush, der Präsidentensohn und Präsidentenbruder, dürfe hoffen.

Zuletzt lag in den Umfragen Scott Walker vorn, der Gouverneur von Wisconsin, mit 23 Prozent vor Marco Rubio (13 Prozent) und Bush (zwölf Prozent). "Jeb muss durch Iowa reisen, damit die Leute ihn sehen", glaubt Gross. Allerdings müsse Bush die erste Vorwahl auch gar nicht gewinnen, um zum Kandidaten gekürt zu werden. Es gehe in Iowa ja vor allem um Erwartungen: "Wenn niemand einem den Sieg zutraut - dann ist auch ein dritter Platz genug."

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