US-Präsidentschaftswahlkampf Linke Aktivisten lassen Clinton abblitzen

Hillary Clinton beim "Jefferson Jackson Dinner" in Iowa.

(Foto: REUTERS)

Obwohl sich die Ex-Außenministerin in Iowa eindeutig zu progressiven Inhalten bekennt, feiern die Demokraten ihren Konkurrenten Bernie Sanders. Er wirft Clinton fehlende Prinzipien vor - und stellt sich in eine Reihe mit Obama.

Von Matthias Kolb, Des Moines

Der Vorwahlkampf der Demokraten scheint entschieden. Das Establishment unterstützt Hillary Clinton, die erfahrene Außenpolitikern. Ihr Herausforderer ist ein Senator, der gegen Lobbyisten in Washington kämpfen und den Einfluss der Banken begrenzen will - und dessen Anhänger davon begeistert sind. Polit-Analysten sind sich trotzdem sicher: Als sich die Demokraten in Iowa zum "Jefferson Jackson Dinner" in Des Moines, Iowa, treffen, kann Clinton nur noch an sich selbst scheitern.

So war die Ausgangslage am 11. November 2007, als Barack Obama mit einer ebenso kämpferischen wie pathetischen Rede Hunderte Aktivisten und Tausende Wähler begeisterte und so den Grundstein für seinen späteren Sieg legte. Knapp acht Jahre später ist die Lage ähnlich: Die 67-jährige Hillary Clinton scheint unbesiegbar nach einer erfolgreichen TV-Debatte, dem Nicht-Antreten von Joe Biden und einer guten Leistung in der Anhörung vor dem Bengasi-Sonderausschuss.

Weil in Iowa alle vier Jahre der Vorwahlkampf beginnt, touren die Kandidaten monatelang durch den Agrar-Staat im Mittleren Westen. Daher kommt dem "J J Dinner", das in diesem Jahr genau 100 Tage vor dem caucus veranstaltet wird, besondere Bedeutung zu, was Hillary Clinton aus schmerzhafter Erfahrung weiß. Im Vergleich zu 2007 tritt sie deutlich selbstbewusster auf, doch obwohl sie sich klar zu progressiven Werten bekennt, begeistert sie als letzte Rednerin vor allem ihre eigenen Anhänger.

Clinton will Waffengesetze verschärfen und für Frauenrechte kämpfen

Die 67-Jährige trägt eine knallrote Jacke, als sie zu "Roar" von Popstar Katy Perry (sie hatte Stunden vorher für Hillary gesungen) die Bühne betritt. Anders als Bernie Sanders vor ihr fordert sie strengere Waffengesetze und attackiert die NRA-Lobby. Clinton beklagt Polizeigewalt und die übervollen Gefängnisse - und spricht als einzige den Slogan "Black Lives Matter" aus.

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In ihrer halbstündigen Rede kündigt sie an, mindestens so fortschrittlich zu sein wie Obama: Wie er will sie notfalls per Dekret dafür sorgen, dass mehr illegal Eingewanderte in den USA bleiben, arbeiten und studieren können. Sie will den Einfluss anonymer Großspender begrenzen - notfalls mit einem neuen Verfassungszusatz.

Clinton attackiert die Republikaner: Es gehe nicht darum, "Amerika wieder großartig zu machen", wie Donald Trump verspreche. Das sei unnötig: "Amerika ist großartig. Wir müssen dafür sorgen, dass es fairer zugeht." Daher bräuchten die USA höheren Mindestlohn sowie Mutterschutz und bezahlten Urlaub für die Angestellten.

Die konservativen Kandidaten würden wohl alle "in eine Zeitmaschine" gesteckt, spottet Clinton. Anders sei es nicht zu erklären, dass alle den Klimawandel leugnen, weiter für Steuerkürzungen und "weniger Staat" werben würden und Frauen sowie Homosexuellen vorschreiben wollten, was diese zu tun hätten. Klar bekennt sie sich zum Recht auf Abtreibung: "Die Republikaner werfen mir vor, die Frauenkarte zu ziehen. Wenn sie damit die Forderungen meinen, dass Frauen für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten und Kinderbetreuung bezahlbar sein soll, dann ziehe ich stolz diese Karte."

Hillary Clinton, die in der jüngsten Umfrage in Iowa mit 48 zu 41 Prozent führt, verzichtet weitgehend auf Attacken gegen den selbsternannten Sozialisten Sanders. Sie betont lediglich, dass sie es als First Lady und Senatorin geschafft habe, mit den Republikanern sinnvolle Gesetze zu verabschieden. Die Rede wird regelmäßig von Sprechchören unterbrochen: Ihre Kampagne bezahlt allein in Iowa 125 Mitarbeiter, die zu "I stand with her"-Rufen auffordern.

Gewiss: Die 67-Jährige sagt, was die knapp 6000 Zuhörer - zum "J J Dinner" gehen nur überzeugte Demokraten - hören wollen. Doch jener Teil der Halle, in dem die Sanders-Fans sitzen, ist bei ihrer Rede höchstens zur Hälfte gefüllt. Sie erwarten wenig von Clinton - oder sind erschöpft vom Schreien und Trampeln.