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US-Präsidentschaftswahlkampf: Bachmann vs. Palin:Vergiftetes Lob vom Strippenzieher

Schon ist die Rede von einem "Catfight", einem "Zickenkrieg" (The Atlantic), und auch die Lager der beiden Politikerinnen scheinen die Messer zu wetzen: "Sie ist hübsch", charmierte etwa Bachmanns Top-Berater Ed Rollins unlängst bei Politico vorgeblich mit Blick auf Palin - ein vergiftetes Lob: Denn Michele Bachmann, seine Chefin, sei "hübsch und smart".

Strebt ins Weiße Haus: Michele Bachmann bewirbt sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.

Strebt ins Weiße Haus: Michele Bachmann bewirbt sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.

(Foto: AFP)

Strippenzieher Rollins pries die Substanz, die Bachmann habe, so wie er zuvor in einem Radiointerview Palin als "nicht seriös" bezeichnet haben soll. Offiziell reagierte die scharfzüngige Sarah "Barrakuda" noch nicht auf die Sticheleien, allerdings grollte der Unterstützer-Blog Conservatives4Palin über die "idiotischen Kommentare" des "Fossils" Rollins.

Bachmann selbst sagt nur Gutes über ihre Nebenbuhlerin: "Sie ist wundervoll", flötete sie bei ABC, "Ich liebe Sarah Palin." Die studierte Politologin Bachmann gilt bislang mehr als staatstragende Volksvertreterin, denn als Polit-Haudrauf - eine Light-Version von Palin, weshalb Bachmann zugetraut wird, breitere Wählerschichten anzusprechen.

Trotzdem ist sie wohl Außenseiterin: "Rechtspopulistische Töne mögen den Zuspruch der christlichen Rechten finden, aber letztendlich wird niemand die Nase vorne haben, dem nicht auch der wirtschaftsliberale Flügel gewogen ist", sagt Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik zu sueddeutsche.de. Der Politikwissenschaftlicher ist sich sicher: "Weder Michele Bachmann noch Sarah Palin werden die Vorwahlen der Republikaner für sich entscheiden können."

Dennoch dürfte die Kandidatur Bachmanns vor allem Palin wurmen, die sich selbst noch nicht erklärt hat: Die frühere Gouverneurin von Alaska und im Jahr 2008 Bewerberin für die US-Vizepräsidentschaft schweigt bislang über ihre Pläne. Sie nahm auch nicht an der TV-Debatte in Manchester teil, auf der Bachmann ihre Bewerbung preisgab.

Andere Teilnehmer der Runde streben ebenfalls ins Weiße Haus: Mit Bachmann diskutierten der frühere Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Newt Gingrich, der ehemalige Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, der ehemalige Chef einer Pizza-Kette, Herman Cain, der texanische Abgeordnete Ron Paul und der frühere Senator von Pennsylvania, Rick Santorum.

Chancenlos ohne den Segen der christlichen Rechten

Aussichtsreiche Chancen haben Pawlenty sowie der frühere Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee, glaubt Politologe Braml. Beide stünden der christlichen Rechten nahe und haben damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Mormonen Mitt Romney.

Denn auch wenn die Tea-Party-Ikonen Palin und Bachmann nicht mehrheitsfähig sein dürften, ist für Braml seit den Wahlerfolgen George W. Bushs eines klar: "Ohne die Zustimmung der christlichen Rechten, die sich auch hinter der Tea Party Bewegung verbirgt, hat kein Kandidat der Republikaner Chancen, Präsident zu werden."

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/woja
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