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US-Präsidentschaftswahl:Warum Hillary Clinton bei weißen Männern so unbeliebt ist

Sieben Monate vor der Wahl wird hier viel spekuliert (Wirtschaftskrisen und Anschläge sind nur einige Dinge, die bis zum 8. November passieren können), doch zumindest unter weißen Männern ist Hillary Clinton extrem unpopulär. 2008 wurde sie - im Duell gegen Obama - noch von einer Mehrheit unterstützt, doch Anfang 2016 fühlt sich diese Gruppe von den Demokraten im Stich gelassen.

Wer nicht in Brooklyn oder Portland wohnt, den stört es, dass Clinton seltener über Jobs als über Homo-Ehe, Frauenrechte und den "systemischen Rassismus" in der US-Bevölkerung redet. Immer wieder sagen weiße Demokraten in Interviews, dass sie sich mittlerweile fragen, "ob Clinton Leute wie mich noch in der Partei haben will", wenn die Ex-Außenministerin vor allem um die Unterstützung der Schwarzen werbe.

Und auch ein weiterer Punkt ist nicht zu unterschätzen: Eine Mehrheit der US-Wähler hat eine schlechte Meinung von Hillary Clinton (52 Prozent bewerten sie negativ, bei Trump sind es 57), unter Konservativen ist sie mitunter verhasst. Bisher ist es vor allem Trumps Auftreten (dies kann sich ändern, siehe oben), das Republikaner abstößt - und nicht etwa seine politischen Ideen. Eine Präsidentin Clinton (die bei konservativen Veranstaltung gerne "Verräterin" und "Verbrecherin" genannt wird) ist für viele inakzeptabel: 43 Prozent der US-Wähler sagen, dass sie "definitiv nie" für Clinton stimmen werden.

Terroranschläge in Brüssel Clinton offenbart die Unerfahrenheit ihrer Herausforderer Video
Reaktion auf Anschläge von Brüssel

Clinton offenbart die Unerfahrenheit ihrer Herausforderer

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Bei Trump liegt der Wert mit 54 Prozent allerdings noch höher - dies erklärt, wieso die Demokratin im direkten Duell einen Vorsprung von elf Prozent hat (Durchschnitt laut Real Clear Politics). Diese Führung lässt sich allerdings auch so interpretieren: Seit acht Monaten empören sich die Welt und progressives Amerika über Trump und trotz aller Provokationen, Skandale, Folter-Forderungen und Beleidigungen ist Clintons Vorsprung nicht riesig.

Wie Trump die Chef-Diplomatin angreifen dürfte

Und seit einigen Tagen ist erkennbar (etwa in diesem Bloomberg-Interview), wie Donald Trump die außenpolitische Erfahrung der früheren Außenministerin anzweifeln und die Gegnerin demontieren will: Eigentlich sei sie ja eine Verliererin und habe kaum etwas erreicht. Derek Thompson hat in seinem ziemlich schlauen Atlantic-Text eine solche Trump-Tirade vorgeschrieben:

"Sie wollte in den Neunzigern eine Gesundheitsreform durchsetzen. Das schlimmste Desaster, das ich je gesehen habe. Sie wollte, dass wir in den Irak einmarschieren und auch in Libyen. Schaut euch das Chaos an. Die schlimmste außenpolitische Entscheidung aller Zeiten. Und dann Nafta-Freihandel, Gefängnis, Sozialreformen? Ihr kennt doch König Midas? Alles, was er berührt, wird zu Gold? Hillary ist das Gegenteil. Alles, was sie berührt, geht kaputt. Sie ist ein totales Desaster."

Bisher war Trump nur darin erfolgreich, seine männlichen Rivalen wegzumobben - etwa "Little Marco" Rubio oder Jeb "Low Energy" Bush. Eine Frau wird er wohl nicht auf die gleiche vulgäre Art attackieren - sexistische Sprüche über Carly Fiorinas Gesicht ließ er schnell wieder sein. Doch in einem sind sich wohl Beobachter und Wahlkampf-Strategen einig: Weil Trump nicht nach den gängigen Regeln spielt, ist er nicht mit gängigen Mitteln zu besiegen.

Oder, wie es ein früherer Obama-Berater der Washington Post verraten hat: "Ich habe das Gefühl, dass mein Gehirn auf eine Art denken muss, wie es das noch nie getan hat."

Linktipps:

  • Im Gegenzug gibt der konservative Berater Matt Latimer hier Hillary Clinton Ratschläge, wie sie gegen Trump bestehen könnte.
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