US-Präsidentschaftswahl Trump erklärt den Republikanern den Krieg

In wütenden Tweets bricht der Kandidat mit dem Establishment. Berater skizzieren einen abenteuerlichen Plan: Trump will Clinton derart wüst attackieren, dass viele Bürger aus Ekel der Wahl fernbleiben.

Von Matthias Kolb, Washington

Vier Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl lässt Republikaner-Kandidat Donald Trump den Konflikt mit seiner eigenen Partei eskalieren. Dazu wählt der 70-Jährige sein bevorzugtes Medium und setzt eine Reihe von Tweets ab. Zunächst attackiert er Paul Ryan, den mächtigsten Republikaner im Repräsentantenhaus, für dessen Ankündigung, nicht mehr für Trump Wahlkampf zu machen. Ryan sei "schwach und ineffektiv" und habe ihm "null Unterstützung" gegeben, schimpft er.

Doch Trump, der seit vier Tagen wegen eines alten Videos voller vulgärer Sprüche in der Kritik steht, hört hier nicht auf. Er nennt seinen Erzrivalen, Arizonas Senator John McCain, "unflätig" und dröhnt, dass der Kampf mit den "untreuen Republikanern" für ihn viel schwieriger sei als die Auseinandersetzung mit der "Betrügerin Hillary". Und dann verkündet Trump, wie sehr er sich freue, endlich "von den Ketten" befreit zu sein und für Amerika endlich kämpfen zu können, "so wie ich es will".

Und vieles spricht dafür, dass die vergangenen Tage nur ein kleiner Vorgeschmack dessen waren, was der 70-Jährige nun vorhat. Das Wall Street Journal zitiert mehrere Trump-Berater, die von einer neuen Strategie sprechen: Demnach wolle er nicht länger versuchen, unentschlossene Wähler von sich zu überzeugen, sondern die eigene Basis mit nationalistischen Sprüchen und wüsten Attacken auf seine Gegnerin Hillary Clinton zu motivieren.

Trumps Ziel: US-Bürger sollen angewidert den Urnen fern bleiben

Trump und seine loyalen Unterstützer wie Rudy Giuliani wollen bis zum 8. November die Demokratin extrem hart angehen und permanent an ihren E-Mail-Skandal, die Ungereimtheiten der Clinton-Stiftung und vor allem an die Sex-Affären von Ehemann Bill erinnern. Das Ziel: Möglichst viele US-Bürger sollen so angewidert sein, dass sie gar nicht erst ihre Stimme abgeben. Am Abend wiederholte Trump bei Fox News seine Attacken und erklärte, dass er Ryan nicht vertraue.

Zu diesem abenteuerlichen Plan gehöre zudem, ständig die Medien als voreingenommen und "unehrlich" zu beschimpfen und weiterhin die Rechtmäßigkeit der Wahlen an sich anzuzweifeln: Seit August raunt Trump, dass er nur verlieren könne, wenn betrogen werde und ruft seine Anhänger auf, am 8. November jene Wahllokale zu überwachen, in denen vor allem Afroamerikaner und Latinos wählen.

Dass Wikileaks nun zahlreiche E-Mails aus der Clinton-Wahlkampagne publiziert, hilft Trump ungemein: Im neuesten Paket finden sich Nachrichten, wonach das US-Justizministerium die Berater der Ex-Außenministerin darüber informiert habe, wann umstrittene E-Mails veröffentlicht werden sollen.

Erfolg von Trumps Strategie scheint zweifelhaft

Sollte Trump diesen Plan weiter verfolgen, dann wäre die Breitbart-isierung seiner Kampagne nahezu komplett. Deren Chef ist seit einer Weile Steve Bannon, der frühere Chef jener auf konservative Verschwörungstheorien spezialisierten Website Breitbart News - und Bannon war es auch, der jene drei Frauen zur TV-Debatte in St. Louis einlud, die Bill Clinton sexuelle Übergriffe vorwerfen (mehr hier). Ursprünglich wollten Bannon und Trump die Anklägerinnen sogar in der Familienbox platzieren. Dann hätten sie mit dem früheren Präsidenten den Saal betreten (dieser streitet die Vorwürfe ab).

Aktuellen Umfragen zufolge führt Hillary Clinton in nahezu allen swing states (nur Iowa und Ohio tendieren zu Trump) und es erscheint mehr als fraglich, dass Trumps Strategie der verbrannten Erde dazu führen kann, dass er es ins Weiße Haus schafft. Seine zahlreichen Beleidigungen und abfälligen Sprüche über Frauen, Latinos, Behinderte und Afroamerikaner haben bereits dazu geführt, dass viele progressive Amerikaner vor allem ein Ziel haben: Sie wollen weniger für Hillary Clinton stimmen als gegen Donald Trump.

Neben Hillary Clinton scheinen auch alle anderen prominenten Demokraten mehr als gewillt, die Wähler an die Aussagen von Trump zu erinnern. US-Präsident Barack Obama hatte den Republikaner-Kandidaten schon am Sonntag für dessen vulgäre Worte in dem Pussygate-Video scharf attackiert. In North Carolina präzisierte er nun seine Kritik: "Man muss kein Vater oder Ehemann sein, um über das, was wir gehört haben, zu sagen: 'Das ist nicht richtig.' Man muss nur ein anständiger Mensch sein, um zu merken, dass sich dies nicht gehört."

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