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US-Präsidentschaftswahl:Palin traut Palin alles zu

"Für eine Amerikanerin ist alles möglich": Sarah Palin bringt sich in einem TV-Interview als Ersatzkandidatin der Republikaner ins Gespräch - für den Fall, dass weder Mitt Romney noch Rick Santorum sich durchsetzen können. Das ist zwar eher unwahrscheinlich, beleuchtet aber Palins Strategie, ohne feste Zusagen viele Anhänger um sich zu scharen.

Der Dienstag war ein großer Tag für die Republikaner, ihre Vorwahlen am "Super Tuesday" zogen das Schweinwerferlicht internationaler Medien auf sich. Und wo Scheinwerfer sind, da ist Sarah Palin nicht weit.

Die ehemalige Gouverneurin von Alaska, Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner bei der Wahl 2008, hat dem Fernsehsender CNN in ihrer Heimat Wasilla ein Interview gegeben - und sich eine spontane Teilnahme am Wahlkampf der Republikaner offengehalten.

"Alles ist möglich, ich schlage keine Türen zu, die vielleicht da draußen offen sind", sagte die fünffache Mutter und Teilzeit-TV-Kommentatorin von Fox News in die Kameras. Sie könne sich eine Kandidatur beim Nominierungsparteitag im August durchaus vorstellen, sollte keiner der aktuellen Bewerber bei den Vorwahlen die nötige Mehrheit an Delegiertenstimmen gewinnen.

Tatsächlich ist der Ausgang des Wettkampfes völlig offen. Mitt Romney gewann zwar den Super Tuesday, doch sein Verfolger Rick Santorum fuhr - trotz schlechter Voraussetzungen - ein bemerkenswertes Ereignis ein. Und auch Newt Gingrich scheint sich noch eine Chance auszurechnen.

Das Rennen ist so eng wie zuletzt vor 36 Jahren - und wird von den Republikanern als zunehmend quälend empfunden. Genau darauf scheint Palin zu hoffen, die in einem Wahllokal vor die CNN-Kameras trat, um sich als Retterin anzubieten. Als unverbrauchte, nicht vom schmutzigen Wahlkampf belastete Ersatzkandidatin, die in Alaska auf ihre Chance wartet.

Sie werde "alles ernsthaft in Betracht ziehen, was ich tun kann, um unserem Land zu helfen und die Dinge auf den richtigen Weg zurückzubringen", sagte Palin und schloss auch eine Kandidatur 2016 nicht aus: "Für einen Amerikaner ist alles möglich, und ich verwerfe keinen Plan, der sich derzeit meiner Kontrolle entzieht."

Ein Statement, das alles und nichts bedeuten kann - und mit dem sich Palin ihrer Linie treu bleibt. Lange bevor Mitt Romney zum großen Favoriten aufstieg, tourte Palin mit einem Bus durch Amerika. Sie hielt Reden und schaltete TV-Spots, aber als Wahlkampf wollte sie ihre Tournee nicht verstanden wissen.

In Umfragen wirkte sich die von vielen Beobachtern als Hängepartie kritisierte Kampagne jedoch eher negativ aus. Trotz ihrer Beliebtheit bei der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung fielen Ihre Werte, und Anfang Oktober 2011 verkündete Palin, sie sei "nach vielen Gebeten und ernsthaftem Nachdenken" zum dem Entschluss gekommen, ihre politischen Ziele als Privatperson besser verfolgen zu können.

Im Wahlkampf schlug sie sich auf die Seite von Newt Gingrich, "den Heiteren", wie Palin ihn nennt. Sollten ihre Fans - bei Facebook sind es mehr als drei Millionen - dieser Empfehlung folgen, könnte Palin das Rennen verlängern, weil Gingrich den Favoriten Romney und Santorum Stimmen abgräbt. Ein Auftritt als Retterin wär für Palin dann umso einfacher.

© Süddeutsche.de/AFP/fzg /mikö
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