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US-Präsidentschaftswahl:Trumps wütende Krisenbotschaft kommt bei Mehrheit an

Zudem mögen die US-Wähler Abwechslung und wählen selten nach zwei Amtszeiten eines Präsidenten den Kandidaten der gleichen Partei ins Weiße Haus (Ausnahme: Bush 1988). Trumps "Amerika steht vor dem Niedergang, nur ich kann es retten"-Botschaft ist zwar überzogen, aber sie liegt näher am Puls des Volks als das "Alles ist prima"-Motto der Demokraten.

Seit Jahren zeigt Umfrage nach Studie nach Umfrage, dass die Mehrheit der Amerikaner ihr Land in der Krise sehen und das Polit-Establishment für korrupt halten. Und Hillary Clinton wird eben viel stärker mit dieser abgehobenen Washingtoner Elite identifiziert als dafür bewundert, dass sie als allererste Frau von einer großen Partei fürs Weiße Haus nominiert wurde.

Warum hält Donald Trump also nicht öfter den Mund, damit die US-Medien über andere Themen - und die Clintons - berichten? Die eher albernen Spekulationen, wonach Donald Trump aus Angst vor der Verantwortung selbst an seinem Niedergang arbeitet, sollte man ignorieren. Warum sich Trump ständig mit Provokationen gegen die Spitzenpolitiker der eigenen Partei oder Sprüchen über Wahlbetrug ins Gerede bringt, lässt sich anders erklären.

Immerhin hat ihn diese Strategie zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gemacht - doch dass Trump in den drei Monaten seit seinem Sieg in der Vorwahl sein Auftreten nicht geändert hat, bringt konservative Strategen zur Verzweiflung. Ihr Einfluss ist sehr begrenzt, da der 70-Jährige vor allem auf seinen Instinkt vertraut und sonst nur auf seine erwachsenen Kinder hört.

Die Begeisterung der Fans schadet dem Kandidaten Trump

Also tourt Donald Trump kreuz und quer durch die USA und absolviert Auftritt nach Auftritt. Dass Tausende stundenlang warten und mitunter ausgelagert werden, um seine Rede per Video zu sehen, gefällt ihm sichtlich. Aber diese Rastlosigkeit schadet dem Republikaner aus drei Gründen: Anders als bei seiner Wirtschaftsrede verwendet er keinen Teleprompter, sondern hat nur ein paar Zettel dabei. Die aufgeheizte und enthusiastische Stimmung führt dazu, dass Trump neue provokante Sprüche testet und die nächste Kontroverse auslöst.

Es drängt sich auch der Eindruck auf, dass der große Zuspruch bei seinen Auftritten dazu führt, dass sich Trump trotz allen Drängens seiner Berater aufs Neue bestätigt fühlt. Der Jubel beweise doch, dass er auf dem richtigen Weg sei und ein Wahlsieg quasi garantiert. Das wenig überzeugende Argument "mehr Leute wollen Donald sehen als Hillary, also wird er mehr Stimmen kriegen" höre ich oft von Trump-Unterstützern - sowohl im echten Leben als auch auf Twitter.

Zu Trumps Events kommen die überzeugtesten Fans, die stolz ihre "Hillary for Prison"-T-Shirts tragen und in alle Kameras schimpfen. Was Anhänger als "Lovefest" (mehr hier) beschreiben, hat auf Außenstehende eher abstoßende Wirkung. Daran liegt es wohl auch, dass Reporter bei Trump-Events selten schwankende Wähler treffen. Effizienter wäre, in "swing states" kleine Betriebe zu besuchen oder in einem Lokal aufzutauchen - dies würde nicht nur ein Interesse an Themen zeigen, sondern würde auch signalisieren, dass Trump um jeden Wähler kämpft.

All diese Punkte führen zu einem nur auf den ersten Blick überraschenden Fazit: Solange Trump weiterhin vor Tausenden auftritt und lautstark bejubelt wird, können die Berater von Hillary Clinton beruhigt sein. Erst wenn der Republikaner lernt, öfter den Mund zu halten, das Rampenlicht auch mal zu meiden und effektiver auf die allzu sichtbaren Schwächen der Demokratin hinzuweisen, könnte es in den kommenden 85 Tagen doch noch richtig spannend werden.

© SZ.de/ewid/cag

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