Kandidaten für US-Präsidentschaft Unholde und Unglücksraben: Trumps bizarre Vorgänger

Ist Donald Trump der schlimmste Bewerber für die US-Präsidentschaft, den es je gab? Keineswegs. Hier sind zehn Beispiele.

Porträts von SZ-Autoren

Er pöbelt und lästert und schert sich nicht um Höflichkeit: Der Exzentriker Donald Trump hat es mit hemmungsloser Egomanie so weit gebracht, dass die Granden seiner eigenen Partei, der Republikaner, nun Fernsehspots gegen ihn finanzieren.

Trump ist selbst für die Verhältnisse amerikanischer Vorwahlkämpfe ein Rüpel und Populist erster Güte; was das politisch bedeuten würde, gelänge ihm nach einer Nominierung der Einzug ins Weiße Haus, will man lieber gar nicht wissen.

Andererseits wäre er nicht der Erste in der Geschichte der USA, dessen Aufstieg Schrecken im Land ausgebreitet und die Selbstheilungskräfte der ältesten westlichen Demokratie mobilisiert hätte (meistens). Ein Überblick über seltsame Anwärter, die ins Weiße Haus drängten.

John C. Calhoun, 1824

Vize-Präsident John Calhoun

(Foto: Archive Photos/Getty Images)

Finster wie eine Figur aus einer Frankenstein-Novelle starrt der alte John C. Calhoun aus diesem undatierten Bild. Lange aber war er einer der beliebtesten Politiker der USA. Ein Beobachter beschrieb ihn um 1815 als den "elegantesten Redner im Repräsentantenhaus. Er weiß stets, wovon er spricht, und vermag jeden in Hörweite zu erleuchten."

Leider hielt das, was Calhoun (1782 - 1850) aus dem Sklavenhalterstaat South Carolina zu sagen hatte, mit der Eleganz seiner Erscheinung in keiner Weise Schritt. Er war ein Prediger der Sklaverei, die er mit der gottgegebenen Überlegenheit des weißen Mannes begründete.

Als in den Südstaaten Ideen umgingen, sich zur Rettung der Sklaverei vom Bundesstaat zu lösen, ging die Saat seiner Worte auf. Das Feindbild war der Zentralstaat. Und wenn heute US-Konservative weniger Zentralregierung und Steuersenkungen für Reiche fordern, so hat Calhoun dies auch schon getan.

Er bewarb sich 1824 erfolgreich für das Rennen um das Amt des Vizepräsidenten und wurde so in der US-Geschichte der einzige Inhaber dieses Amtes, gegen den sein Boss Kriegsschiffe auslaufen ließ.

Weil Calhoun sich in South Carolina während der "Nullification Crisis" weigerte, die Bundesgesetze anzuerkennen, drohte Präsident Andrew Jackson 1832, seinen ungeliebten Vertreter durch die Marine festnehmen und aufknüpfen zu lassen.

Calhoun musste gehen, er wirkte aber im Senat fort. Erst im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 fiel dann die Entscheidung gegen die Sklaverei.

Von Joachim Käppner