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US-Präsidentschaftskandidat Scott Walker:Märchenprinz der Staatsverächter

Barack Obama, Scott Walker US-Wahl Präsidentschaftskandidaten

Lächeln für das Feindbild: Scott Walker trifft Barack Obama bei dessen Besuch in La Crosse, Wisconsin.

(Foto: AP)
  • Der Republikaner Scott Walker beginnt Wahlkampf-Countdown auf Instagram.
  • Der Gouverneur von Wisconsin will die Rolle des Staates massiv beschränken, um der Privatwirtschaft Vorfahrt zu lassen.
  • Teile der Tea Party und die einflussreichen Koch-Brüder gelten als Verbündete.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Ein Tag im Leben des Gouverneurs von Wisconsin: Am Vormittag Barack Obama am Flughafen begrüßen, den Präsidenten davor und danach für seine angeblich linksradikale Wirtschaftspolitik in die Pfanne hauen, am Abend per Instagram den Countdown für die eigene Präsidentschaftskandidatur einleiten.

So sah der 2. Juli für Scott Walker aus, am 13. Juli wird er offiziell ins Rennen einsteigen. Stellt sich nur die Frage, was der 47-jährige Republikaner macht, wenn er selber Präsident werden würde - denn der Politiker gilt als Geheimtipp im aufgeblähten Feld der Republikaner. Was über diesen Mann zu wissen ist.

Das ist Scott Walker

Vom Uni-Abbrecher zum Präsidenten? Nicht wenige Republikaner trauen Scott Walker diese Karriere zu: Der 47-Jährige gilt als politisches Talent, saß nach einer kurzen Karriere beim Roten Kreuz schon mit 25 Jahren im Parlament von Wisconsin und gewann schließlich 2010 die Wahl zum Gouverneur.

Sein beinharter Konservatismus spaltete den eigentlich als gemäßigt geltenden Bundesstaat: Als er per Gesetz den Gewerkschaften des öffentlichen Sektors fast alle Rechte entzog, erreichten seine Gegner eine Volksabstimmung über seinen Verbleib im Amt, die er 2012 jedoch gewann. Dies und seine Wiederwahl 2014 brachten ihm in Teilen der Republikanische Partei Heldenstatus ein - nun fühlt er sich zu Höherem berufen.

Das ist Walkers Politik

Die Demontage der Gewerkschaften ist der größte Erfolg, aber nur ein Teil von Walkers Programm: Im Kern will er den Staat so zurückbauen, dass die Privatwirtschaft frei schalten und walten kann. Inzwischen hat er weitere Gewerkschaftsrechte abgeschafft, den Obersten Gerichtshof Wisconsins nach konservativen Kriterien umgebaut und die Unabhängigkeit der Universitäten ins Visier genommen. Steuererleichterungen für Reiche sorgen allerdings dafür, dass der Haushalt von Wisconsin inzwischen ein beachtliches Defizit aufweist.

In gesellschaftlichen Fragen ist Walker von rechts nach rechtsaußen gerückt. Er spricht sich für ein Verbot von Abtreibungen unter allen Umständen aus, nach der Entscheidung des Supreme Courts für die "Ehe für alle" forderte er eine Verfassungsänderung, um einzelnen Bundesstaaten das Recht über die Definition der Ehe zu überlassen. Um dem rechten Rand zu gefallen, zweifelt der zweifache Vater auch schon einmal Obamas christlichen Glauben an.

Wer Walker wählen könnte

Die Tea Party half Walker bereits im Kampf gegen den Abwahlversuch 2012, sie gilt als natürlicher Verbündeter. Vor allem aber ist der Gouverneur der fleischgewordene Traum jener Republikaner, die den Staat nur als Hindernis für Wirtschaftsinteressen sehen. Die einflussreichen Koch-Brüder gelten als Fans und haben bereits stattliche Summen in seine Wahlkämpfe investiert.

In der Realität ist Walkers Bilanz allerdings nicht so überzeugend, wie er und seine Anhänger propagieren: Die Zahl der versprochenen Arbeitsplätze hat er nicht erreicht, die Wirtschaft Wisconsins wächst schwächer als der Rest des Landes.

Und auch der moderate Teil der Wählerschaft dürfte Walkers Vision von der entfesselten Privatwirtschaft in Zeiten wachsender Ungleichheit nur schwer zu vermitteln sein. In Umfragen unter republikanischen Wählern erreicht er jedoch gute Zahlen, im wichtigen Vorwahl-Staat Iowa führt er sogar das Feld an.

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