US-Präsidentschaftsbewerber Rick Perry:Mit "Oops" ins Abseits

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Gescheitert in 53 Sekunden: Rick Perry, Gouverneur von Texas und Hoffnung der rechten Republikaner, hat sich wohl selbst um jede Chance im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur gebracht. Bei einer TV-Debatte leistete er sich einen peinlichen Patzer.

Wolfgang Jaschensky

Mitt Romney kann sich freuen. Lange stand er, der Favorit des republikanischen Parteiestablishments, im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur etwas im Schatten seiner beiden größten Konkurrenten. Da ist zum einen Herman Cain, der afroamerikanische Unternehmer mit den kruden Ideen zur Reform des Steuersystems. Mit Cain hatte keiner gerechnet und doch lag er in Umfragen plötzlich an der Spitze des Feldes. Und da ist zum anderen Rick Perry, der Gouverneur von Texas, der mit Cowboy-Boots und lauten Sprüchen viel Zustimmung gewann und selbst der Tea-Party-Ikone Michelle Bachmann am rechten Rand keine Chance ließ.

Für Romney, den Mann der Mitte, blieb da nicht viel Aufmerksamkeit übrig. Das könnte sich nun allerdings als Vorteil erweisen, denn Cain und Perry haben derzeit mehr Aufmerksamkeit als ihnen recht sein dürfte. Herman Cain haben Vorwürfe mehrerer Frauen in Bedrängnis gebracht, er habe sie sexuell belästigt. Und Rick Perry demontiert sich selbst. Nach mehreren Versprechern in vorhergehenden TV-Debatten mit seinen sieben Kontrahenten leistete er sich bei der Runde in Rochester, Michigan, einen Patzer, der ihn aus dem Rennen werfen könnte.

Handel, Bildung, Oops

Die Debatte dauerte bereits länger als eine Stunde, Perry war voll in Fahrt und kündigte an, nach seiner Wahl ins Weiße Haus drei Ministerien abzuschaffen. Mit großer Geste - Daumen hoch - nannte er Nummer 1: Handel. Zeigefinder dazu, Nummer 2: Bildung. Und dann, Nummer 3: nichts. "Was war noch mal das Dritte?", fragt er sich selbst. Pause. Er zählt noch einmal von vorne. "Handel, Bildung, Äh, Äh, Äh" - wieder nichts.

Der Moderator schaltet sich ein, fragt nach: "Sie können die dritte Behörde nicht nennen?" Perry versucht es noch einmal. "Ich würde Bildung ..." Nun ist ihm auch das Handelsministerium entfallen. Hektisch sucht er in seinen Unterlagen nach der Antwort - um nach gut 50 Sekunden schließlich einzugestehen: "Ich kann das Dritte nicht benennen, sorry. Oops."

Die peinlichen Sekunden bis zum "Oops" laufen auf US-Nachrichtensendern rauf und runter und natürlich kursiert der Rick-Perry-Oops-Moment in verschiedenen Fassungen längst im Internet und erfreut sich in sozialen Netzwerken großer Beliebtheit. Die politischen Rivalen demütigen den strauchelnden Kandidaten mit Mitleid. "Es tut uns allen sehr leid für ihn", gab Michelle Bachmann stellvertretend zu Protokoll.

Viele Beobachter sehen in dem Oops-Moment ein ernsthaftes Problem für Perry. Anderen Kandidaten hätte man den Aussetzer vielleicht nachgesehen, Perry habe sich in den vorangegangen Debatten aber zu viele Fehler erlaubt, argumentiert die New York Times und zitiert mehrere republikanische Strategen, die dem Kandidaten nun keine Chancen mehr einräumen. Einer davon fürchtet, dass der Texaner es nun schwer haben könnte, Spenden einzutreiben, was für eine erfolgreiche Kandidatur unerlässlich ist. Eine andere geht weiter und hört bereits Perrys "politisches Totengeläut".

Neue Probleme für den Kandidaten Cain

Ob der Fehler tatsächlich das Ende der Perry-Kampagne ist, wird sich erst noch zeigen. Klar ist allerdings, dass es ihm wenig geholfen hat, sich am Ende der Sendung doch noch zu erinnern, dass er das Energieministerium abschaffen will.

Republican presidential candidates debate in Michigan

Auch der hektische Blick in die Unterlagen hilft nichts: Rick Perry kann sich nicht mehr daran erinnern, dass er das Energieministerium abschaffen möchte.

(Foto: dpa)

Gefährliche Drohung

Die Vorwürfe gegen Herman Cain streifte die Debatte nur am Rande. Cain wurde lediglich gefragt, welche Bedeutung er dem Charakter eines Präsidentschaftskandidaten beimesse. Cain antwortete: "Die Bürger Amerikas verdienen etwas Besseres, als dass jemandem basierend auf falschen Anschuldigungen öffentlich der Prozess gemacht wird."

Mitt Romney hielt sich auch in dieser Debatte bedeckt. Als er gefragt wurde, ob er als Geschäftsmann Herman Cain angesichts der Vorwürfe auf seinem Posten gelassen hätte, antwortete er diplomatisch, das Cain selbst zu den Vorwürfen Stellung nehmen müsse. Das habe er getan, nun sei es an den Amerikanern, sich ihre Meinung zu bilden.

Vielleicht hilft ihnen Kandidat Cain dabei. Oder dessen Anwalt, der gerade mit einer Drohung Schlagzeilen provoziert. Frauen, die mit ähnlichen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen wollen, sollten darüber "zweimal nachdenken".

Dem Kandidaten Romney dürfte diese Drohung mehr helfen als dem Mandanten Cain.

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