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US-Präsident:Wind in den Segeln

Bei der Überschwemmung von Houston patzte Donald Trump noch heftig, nun findet er seine Rolle als Krisenmanager. Es gelingt ihm sogar, die Retter in Florida zu loben und sich selbst erst einmal nicht zu erwähnen.

Von Hubert Wetzel

Dieses Mal hat der Präsident offenbar auf seine Berater gehört. Oder er ist selbst zu der Einsicht gelangt, dass er sich ein wenig zurückhalten muss. Jedenfalls unterscheidet sich die Reaktion von Donald Trump auf den Hurrikan Irma, der am Sonntag auf die Küste von Florida traf, deutlich von der auf den Wirbelsturm Harvey, der vor zwei Wochen den Süden von Texas und die Großstadt Houston verwüstet hatte.

Politisch gesehen, sind solche Naturkatastrophen schwieriges Terrain. Ein US-Präsident hat da eigentlich nicht viel zu tun. Er setzt seine Unterschrift unter ein Dokument, das den Notstand für ein bestimmtes Gebiet erklärt - das war es. Wie gut oder wie schlecht von diesem Zeitpunkt an die Vorbereitungen auf das Desaster und die Rettungsarbeiten danach funktionieren, hängt dann von Hunderten Bürokraten in Dutzenden Behörden auf lokaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene ab. Für den Präsidenten bleibt nur die Rolle des besorgten, aber zugleich Zuversicht verbreitenden Landesvaters, der über das Wohl seiner Bürger wacht.

Genau diese Rolle hatte Trump bei Harvey verpatzt. Schon Tage bevor der Sturm auf Land traf, prahlte Trump auf Twitter damit, was für ein riesiger, spektakulärer Hurrikan da auf dem Weg nach Texas sei. Der Präsident klang eher begeistert als besorgt oder erschreckt, so als habe er persönlich dieses Monstrum von Sturm erfunden und in Gang gesetzt. Als dann seine Frau Melania beim ersten Besuch im Katastrophengebiet auf hohen Hacken herumstöckelte, war der erste Eindruck von Trump als Krisenmanager wenig beeindruckend.

Der Präsident hält sich sogar auf Twitter zurück

In den Medien hagelte es Kritik - und die hat sich Trump ganz offensichtlich zu Herzen genommen. Zuerst sorgte er mit einer politisch spektakulären Aktion dafür, dass der Kongress möglichst schnell einige Milliarden Sturmhilfe für Texas und Florida bewilligte: Statt auf die zögerlichen Republikaner zu warten - immerhin seine Parteifreunde -, die solche Ausgaben oft durch Einsparungen gegenfinanzieren wollen, einigte sich Trump ohne Vorwarnung mit den oppositionellen Demokraten. Dieser "Verrat" versetzte zwar die Republikaner in Rage. Aber Trumps Image als Macher, der in Washington etwas für das Volk zustande bringt, statt nur zu lamentieren, wurde dadurch gefestigt.

Auch auf Twitter, seinem bevorzugten Kommunikationskanal, benahm sich der Präsident in den vergangenen Tagen völlig anders. Keine Angeberei mehr wie bei Harvey, kein atemloses Schwärmen von der Größe und Stärke des Sturms und kein Selbstlob, wie wunderbar er die Krise im Griff habe. Stattdessen nüchterne Warnungen, dass Irma eine tödliche Gefahr sei, die Menschen sich in Sicherheit bringen und auf die Anweisungen der Behörden hören sollten. Dazu Lob für die Rettungskräfte, die sich für ihren Einsatz in Florida bereit machten. Die meisten Tweets stammten nicht einmal von Donald Trump selbst, sondern waren nur weitergeleitete Nachrichten. Das kann sich alles wieder ändern. Aber zunächst hat sich Trump als lernfähig erwiesen.

© SZ vom 11.09.2017

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