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US-Präsident:Trump bereut Ernennung von Sessions zum Justizminister

  • Donald Trump fühlt sich von seinem Justizminister Jeff Sessions verraten. Dieser habe sich nicht aus der Russland-Affäre zurückziehen dürfen.
  • Sessions hatte sich für befangen erklärt. Seit Mai überwacht Ex-FBI-Chef Robert Mueller die Ermittlungen in der Sache.
  • Im Interview mit der New York Times sagt Trump: "Wenn er sich für befangen erklärt, dann hätte er mir das sagen müssen, bevor er den Job annimmt, und ich hätte jemand anders ausgesucht."

Loyalität ist Donald Trump bei seinem politischen Personal wichtig. Wichtiger sogar als korrektes Verhalten im Amt. Das bekommt jetzt Justizminister Jeff Sessions zu spüren, eigentlich ein früher Unterstützer des amerikanischen Präsidenten. Nachdem der Immobilienmilliardär 2015 seine Kandidatur bekanntgegeben hatte, war Sessions der erste republikanische Senator, der Trump seine Unterstützung zusicherte. Dafür bekam er später einen der prestigeträchtigsten Jobs in Trumps Kabinett: den Posten des Justizministers. Trump boxte seinen Kandidaten gegen erbitterten Widerstand der Demokraten durch. Und wie revanchierte sich Sessions? Mit Verrat - so sieht das zumindest Trump.

In einem Interview mit der New York Times sagte er jetzt: "Sessions hätte sich niemals für befangen erklären sollen (in der Russland-Affäre; Anm. d. Red.), und wenn er sich für befangen erklärt, dann hätte er mir das sagen müssen, bevor er den Job annimmt, und ich hätte jemand anders ausgesucht." Der Justizminister hatte sich im März aus den Ermittlungen um mögliche Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam zur russischen Regierung zurückgezogen. Bei der Untersuchung geht es letztendlich auch um die Frage, ob Moskau Einfluss auf die US-Wahl im vergangenen November genommen hat. Sessions Entscheidung habe überhaupt erst zur Ernennung eines Sonderermittlers geführt, so Trump, dies hätte nicht passieren dürfen. Seit Mai überwacht der ehemalige FBI-Chef Robert Mueller die Ermittlungen in der Sache.

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So sehr Trump seinem Weggefährten grollt - von Amts wegen dürfte Sessions alles richtig gemacht haben. Zumindest bei dieser Entscheidung. Denn Sessions unterhielt selbst Beziehungen zu russischen Diplomaten, die bis heute nicht richtig aufgeklärt sind. So war im Frühjahr bekannt geworden, dass sich der 70-Jährige im Wahlkampf zweimal mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, getroffen hatte. Einen besseren Grund, um Befangenheit geltend zu machen, gibt es wohl kaum. Zumal Sessions bei seiner obligatorischen Anhörung im Senat vor der Wahl zum Justizminister noch behauptet hatte, nicht mit Russen kommuniziert zu haben.

"Sehr unfair gegenüber dem Präsidenten"

Auch diese Lüge tadelte Trump jetzt im Interview ("Jeff Sessions hat ein paar schlechte Antworten gegeben") - härter aber trifft den Präsidenten offenkundig der (empfundene) Vertrauensbruch. "Jeff Sessions übernimmt den Posten, tritt den Job an, zieht sich aus Befangenheit zurück, das finde ich, offen gestanden, sehr unfair gegenüber dem Präsidenten."

Nicht nur von Sessions fühlt sich Trump schlecht behandelt: Er teilt auch aus gegen Ex-FBI-Chef James Comey (soll Trump quasi erpresst haben, um seinen Job zu sichern) und Sonderermittler Mueller (bekommt eine präsidiale Warnung, die Finanzen der Familie Trump in Ruhe zu lassen). Und der US-Präsident berichtet von seinem informellen Gespräch mit Russlands Machthaber Wladimir Putin beim G-20-Gipfel in Hamburg (es sei vor allem um "Nettigkeiten" gegangen). Doch bemerkenswert ist vor allem die öffentliche Abrechnung mit einem ehemaligen politischen Freund - zumal in der New York Times.

Zwar hat der Präsident der Zeitung auch schon in der Vergangenheit Interviews gegeben. Aber dass er im 50-minütigen, intimen Gespräch mit seinem Justizminister bricht und einem Blatt so eine aufmerksamsstarke Schlagzeile beschert, das er gerne mal als "fake news media" schmäht? Das ist doch außergewöhnlich. Zwischenzeitlich war der New York Times und anderen Medien sogar der Zutritt zu einer Fragerunde im Weißen Haus verwehrt worden. Doch nun, so mutmaßt die Times selbst, sei der Regierung offenbar mehr daran gelegen, die Russland-Affäre hinter sich zu lassen und nach dem Fiasko um die vorerst gescheiterte Gesundheitsreform vorwärts zu kommen.