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US-Präsident:Wenn ein Mensch zum Spielball politischer Mächte wird

Als die Welt Otto Warmbier das nächste Mal zu sehen bekam, war er bewusstlos. Man kann über das Ablichten einer Person in diesem Zustand durchaus streiten. Aber die unscharfen Bilder vom Lunken Airport in Cincinnati dokumentieren in schmerzhafter Klarheit, was es bedeutet, wenn ein Mensch zum Spielball politischer Mächte wird: maximale Verletzlichkeit.

Nordkorea lässt US-Bürger Otto Warmbier frei

Otto Warmbier bei seiner Ankunft in Cincinnati in der vergangenen Woche: Bereits seit einem Jahr soll der junge Amerikaner nach Auskunft Nordkoreas im Koma gelegen haben.

(Foto: dpa)

Warmbier, so verlautete von Seiten des Regimes, habe in Gefangenschaft eine schwere Fleischvergiftung erlitten. Er habe daraufhin eine Schlaftablette geschluckt und sei nach der Einnahme nicht mehr aufgewacht. Die Familie des Studenten bezweifelt diese Version, sie wirft der Regierung in Pjöngjang Folter vor. "Leider ließen die furchtbaren, qualvollen Misshandlungen unseres Sohnes durch die Nordkoreaner keinen anderen Ausgang zu als den traurigen, der sich heute ereignet hat", heißt es in ihrer Stellungnahme zum Tod von Otto Warmbier. Die Ärzte, die Warmbier nach seiner Ankunft in den USA untersucht hatten, diagnostizierten in allen Bereichen des Gehirns großflächige Schäden am Hirngewebe. Anzeichen für eine Gewalteinwirkung auf den Kopf des Studenten konnten sie jedoch nicht feststellen.

Warmbier war bei einem Zwischenstopp in Pjöngjang verhaftet worden. Er hatte dort den Jahreswechsel 2015/16 verbracht und wollte anschließend für ein Auslandssemester nach Hongkong weiterreisen. Der Washington Post zufolge gehörte Warmbier zu den Besten seines Jahrgangs an der University of Virginia, hatte ein Stipendium speziell für Studenten mit einer herausragenden "intellektuellen Neugier". Seine Wissbegierde habe ihn nicht nur Bekanntschaft mit Fremden schließen lassen, sondern auch in Länder wie Ecuador und Kuba geführt. Nach Nordkorea reiste Warmbier mit dem Anbieter Pioneer Tours. Sein Vater kritisierte, das Regime in Pjöngjang locke amerikanische Touristen mit solchen Gruppentouren ins Land, um sie dann als "Geisel" zu nehmen. Der Reiseveranstalter kündigte nach dem Tod des Studenten an, künftig keine amerikanischen Staatsbürger mehr nach Nordkorea zu bringen.

Die Grausamkeit des Regimes in Pjöngjang hat nun ein Gesicht

Ein Schritt, der womöglich einer neuen politischen Realität vorgreift: Denn die US-Regierung erwägt nach den jüngsten Vorkommnissen ein präsidiales Dekret, um ein Reiseverbot für das kommunistische Land durchzusetzen. Während sich der Senat jüngst noch skeptisch gezeigt hatte in Sachen Reiserestriktionen - trotz der aggressiven Drohgebärden Nordkoreas im Atomstreit -, dürfte es jetzt im Fall der Fälle wohl keine allzu große Gegenwehr geben. Die Grausamkeit des Regimes in Pjöngjang hat nun ein Gesicht, das Gesicht von Otto Warmbier.

Senator John McCain - einer der wenigen Republikaner, die Trump offen kritisieren - sagte noch am Abend: "Otto Warmbier, ein amerikanischer Staatsbürger, wurde ermordet vom Kim-Jong-un-Regime. Im letzten Jahr seines Lebens musste er in jenem Albtraum leben, in dem das nordkoreanische Volk seit 70 Jahren gefangen ist: Zwangsarbeit, Hunger, systematische Grausamkeit, Folter und Mord." Auch der Präsident äußerte sich und kondolierte der Familie. Es seien "schlimme Dinge" passiert, aber immerhin sei es gelungen, Warmbier noch "nach Hause zu seinen Eltern" zu holen. Mitfühlende Worte statt Krawallrhetorik (diesen Part übernehmen ja nun seine politischen Gegner) - Donald Trump scheint zu spüren, welchen Helden die Nation sehen möchte. Zumindest in diesen ersten Stunden nach der Schocknachricht.

"Als Otto am späten Abend des 13. Juni nach Cincinnati zurückgekehrt ist, konnte er nicht sprechen, er war nicht fähig, etwas zu sehen oder auf Anweisungen zu reagieren. Er wirkte, als fühle er sich nicht wohl - als habe er vielleicht sogar Schmerzen", schreiben Cindy und Fred Warmbier, Ottos Eltern, in ihrem Statement. "Auch wenn wir nie wieder seine Stimme hören würden, innerhalb nur eines Tages änderte sich seine Gesichtsausdruck - er war friedlich. Er war zu Hause und wir glauben fest daran, dass er das spüren konnte."

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