US-Präsident:Reaktionen auf das Einreiseverbot: "Wir müssen unser Land schützen"

Kein Trump-Fan hat momentan ein Problem mit den vielen Dekreten, die der Präsident erlässt: Alle Befragten finden, dass dies die schnellste Möglichkeit ist, um Obamas Beschlüsse rückgängig zu machen. "Anders geschieht doch nichts, die Abgeordneten im Kongress tun doch überhaupt nichts", schreibt Charlene Schambach. "Was ist das für ein Land, das sich nicht schützen kann? Unsere Grenzen werden von illegalen Einwanderern überrannt, Unmengen an Drogen kommen ins Land", klagt John Hopkin. Es sei richtig, bei der Einwanderung "den Pause-Knopf" zu drücken und alle Flüchtlinge und Einreisenden "so genau wie möglich zu überprüfen".

Wie im Wahlkampf wird oft auf Europa und besonders auf Deutschland verwiesen: "Schau dir die Fehler an, die Merkel gemacht hat. Ich denke oft an die Deutschen. Wir müssen besser aufpassen, um unsere sichere Lebensweise zu verteidigen", so Hopkin. Ähnlich äußert sich Ted Kirkpatrick: "Wir dürfen nicht nachlässig sein. Die Leute sehen, was in Schweden, Frankreich, Australien, Großbritannien oder Italien passiert und wollen das hier nicht haben."

Ted Kirkpatrick hat Trump gewählt - und bereut das auch nicht.

Der Republikaner Ted Kirkpatrick hat Trump gewählt - und bereut das auch nicht.

(Foto: Matthias Kolb)

"Mich und die Leute in der Gegend beschäftigt das Thema nicht sehr", sagt Radio-Moderator Frank Rush aus Indiana. Er betont, dass durch Trumps Dekret keine Angehörigen einer Religion stigmatisiert würden. Natürlich wäre es konsequenter, noch mehr Staaten auf die Liste zu setzen. Er glaubt, dass die Amerikaner den Bedürftigen dieser Welt helfen wollten: "Wir haben da in den letzten Jahrzehnten gute Ergebnisse erzielt und viele aufgenommen." Allerdings gebe es kein "Recht auf Einwanderung" und jeder souveräne Staat könne entscheiden, wer ins Land kommen dürfe.

Weil die E-Mails mit den Fragen an die Trump-Wähler Anfang Februar verschickt wurden, konnte niemand auf das Urteil aus San Francisco reagieren, das die Unrechtmäßigkeit von Trumps Einreiseverbot bestätigte. Begrüßen dürften sie den Richterspruch nicht. Grundlegendere Einwände hatte nur Dennis Wilkey, der sich in Indiana bei den Republikanern engagiert, angebracht: "Die Verfassungsväter haben diese executive orders nie als das politische Mittel vorgesehen, wie heutige Präsidenten sie nutzen." Dies gelte für Trump wie für Obama.

Weniger Tweets? Ein anderer Stil? Ja und nein.

Als ich John und Charlene Schambach im August vor einem Trump-Auftritt traf, hatte der frisch gekürte Republikaner-Kandidat gerade die muslimischen Soldaten-Eltern Khizr und Ghazala Khan attackiert, deren Sohn im Irak getötet wurde. "Er kann bei Attacken einfach nicht ruhig bleiben", seufzte John Schambach damals und klagte, dass es Trump mit der Zuspitzung übertreibe. Sechs Monate später schreiben die Schambachs: "Er sollte aufhören zu twittern, aber zugleich kann er nur so ehrlich seine Meinung sagen."

Den Vorwurf, dass die Journalisten Trumps Aussagen bösartig und mutwillig verdrehen, äußern alle Trump-Fans. Ted Kirkpatrick wünscht sich aber, dass Präsident Trump seinen Ton ändert und mehr auf Fakten achtet: "Er kann Medien attackieren, aber nicht einzelne Personen." Diese "blöden Beleidigungen" würden niemand etwas bringen. Dennis Wilkey sieht Twitter als probates Mittel für Trump, seine Botschaft ungefiltert zu verbreiten. Und er verweist auf Trumps Vorgänger: "Präsident Obama hat sich in Tweets auch zu Prozessen geäußert, um seine Agenda voranzutreiben. Der Todesfall von Trayvon Martin ist ein gutes Beispiel."

John Hopkin quillt fast über vor Lob: "Ich hatte keinen Twitter-Account, bevor Trump seine Kandidatur verkündet hat. Ich liebe es, dass er so kommuniziert." Dass Trump nach der Inauguration ständig über den Andrang auf der National Mall und bei seine Events sprach, stört den 50-Jährigen nicht: "Er zeigt, dass er seine Anhänger schätzt." Auch Brenda Wilson findet es erfrischend, dass sich Trump direkt zu Wort meldet. Sie interpretiert die Tweets zu Besucherzahlen und Einschaltquoten so: "Die Journalisten sollen wissen, dass sie akkurat berichten sollen. Nur wer 'ehrlich' berichtet, darf Fragen bei der Pressekonferenz stellen und erhält Interviews."

Trump-Wähler John Hopkin

Trump-Fan John Hopkin (rechts)

(Foto: Matthias Kolb)

K.C. Lombard aus Charleston mag zwar Trumps Stil auf Twitter nicht, "aber es stört mich nicht, wenn er seine Unsicherheiten auf diesem Kanal zeigt." Radio-Moderator Frank Rush gibt schlicht zu: "Ich verstehe Twitter nicht, es scheint mir ein wasteland zu sein, in dem alle sich mit Dreck überhäufen." Es wäre gut, wenn Trump hier gemäßigter auftreten würde, so Rush, und ergänzt: "Ja, es gibt bedeutend wichtigere Themen als die Besucherzahlen seiner Inauguration."

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