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US-Präsident auf Twitter:Trumps neueste Vulgär-Tweets lassen Republikaner verzweifeln

  • Schon vor und während seiner US-Präsidentschaftskandidatur ist Donald Trump mehrfach ausfällig gegenüber Frauen geworden.
  • Nun beschimpft er erstmals als amtierender Präsident eine Fernsehmoderatorin.
  • Viele Republikaner kritisieren die Wortwahl des Staatschefs mit deutlichen Worten: Sie seien unter der Würde des Amts.

Selbst Trumps Verbündeter im Repräsentantenhaus hatte nach diesen beiden Tweets genug: "Das war in meinen Augen ganz offensichtlich kein angemessener Kommentar", sagt der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Und verbindet das mit einem dringenden Appell an den US-Präsidenten: "Sehen Sie, was wir hier versuchen, ist unseren Umgangston zu verbessern, wir versuchen unsere Debatten zivilisiert zu führen. Und dies hier hilft dabei nicht."

Es klingt geradezu enttäuscht, wie Ryan das sagt. Dabei ist Donald Trump einfach nur mal wieder seinem Ruf gerecht geworden, ein pöbelnder Frauenfeind zu sein. Es ist nur eine von vielen anderen roten Linien, über die Trump hinwegtrampelt, als wären Anstand und Benehmen Konzepte einer längst vergangenen Zeit.

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Trump jedenfalls hatte am Washingtoner Donnerstagmorgen offenbar nichts Besseres zu tun, als die Inhalte einer Morgensendung zu kommentieren, die ihm wohl zu kritisch war. "Morning Joe", heißt das Format auf MSNBC. Er war im Wahlkampf oft Gast der Sendung.

Mit den beiden Moderatoren Joe Scarborough, einem ehemaligen republikanischen Abgeordneten, und Mika Brzezinski galt er als befreundet. Er soll dem Paar sogar kurz nach seiner Amtseinführung angeboten haben, es kraft seines Amtes als Präsidenten zu verheiraten, schrieb das Magazin Vanity Fair.

Aber das war einmal. Die Sendung wurde im Laufe der erst kurzen Präsidentschaft immer kritischer gegenüber Trump. Das scheint ihm auf den Magen geschlagen zu sein.

Beleidigende Tweets über Aussehen und Intelligenz der Journalistin

Angeblich will er die betreffende Sendung am Donnerstagmorgen gar nicht gesehen haben. Er habe nur "gehört", dass darin schlecht über ihn geredet worden sein soll, schrieb er auf Twitter. Zunächst diffamierte er das Format, in dem er behauptete, es habe miese Einschaltquoten. Dann arbeitete er sich an den beiden Gastgebern ab. Ihn nannte er "Psycho Joe", sie "Crazy Mika" mit niedrigem Intelligenzquotienten.

Er behauptete dann, beide hätten während ihres Aufenthalts beim Neujahrsfest in Trumps Golf-Club "Mar a Lago" in Florida auf ein Treffen mit ihm bestanden. Dann folgt ein Satz, der auch Teile der Republikaner entsetzt: "Sie hat schlimm geblutet von einem Facelifting. Ich habe nein gesagt!" Zehntausenden seiner Follower auf Twitter gefällt das, obwohl die Aussage offensichtlich nicht stimmt. Brian Stelter, Medienjournalist von CNN, twittert ein Foto von Mika Brzezinski aus der entsprechenden Nacht. Blut ist da nicht zu sehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump ein Problem mit Frauen offenbart. Im Wahlkampf hatte er über die damalige Fox News-Moderatorin Megyn Kelly gesagt: "Man konnte sehen, wie das Blut aus ihren Augen kam, Blut kam überall aus ihr heraus." Diese hatte ihn zuvor in der ersten TV-Debatte der Republikaner-Kandidaten mit seinen zahlreichen frauenfeindliche Sprüche konfrontiert.

Im Oktober 2016 war zudem ein Tonbandmitschnitt öffentlich geworden, auf dem er 2005 einem Fernsehmoderator erzählt hatte, dass er als Prominenter jede Frau bekommen und ihr "zwischen die Beine fassen" könne. Der Mitschnitt war ein Skandal von jener Qualität, die jedem anderen Bewerber um das Präsidentenamt das Genick gebrochen hätte. Nicht Trump. Seine Anhänger scheinen derartige Sprüche nicht zu stören. Die Sache wurde als typisch männlicher "Locker-Room-Talk" abgetan, als Frotzelei in der Umkleidekabine. Der Kandidat kam damit durch.

Viele Republikaner sind außer sich

Jetzt aber ist Trump nicht mehr Kandidat. Sondern Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Bedeutung scheint ihm nach wie vor nicht bewusst zu sein. Und sein Umfeld unterstützt ihn darin teils noch. Seine Frau Melania Trump ließ über eine Sprecherin mitteilen: "Wie die First Lady schon früher einmal gesagt hat: Wenn ihr Mann attackiert wird, dann schlägt er zehn Mal härter zurück."

Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte auf Trumps Lieblingssender Fox News: "Der Präsident war nie jemand, der nicht zurückschlagen würde, wenn er angegriffen wird." Und "dieser Präsident bekämpft Feuer mit Feuer". Korrekter müsste es heißen, er bekämpft Flämmchen mit einem Feuersturm. Kein verantwortungsvoller Feuerwehrmann würde das tun.

Für manche Republikaner ist Trump mit seinen Vulgär-Tweets zu weit gegangen. Senator James Lankford aus Oklahoma etwa sagte, der Präsident solle "Zivilisiertheit, Ehre und Respekt als Teil der politischen Rhetorik" unterstützen. Diese Tweets seien auch kein Vorbild für den nationalen Dialog. Lankford gehört üblicherweise nicht zu den Kritikern des Präsidenten.

Die republikanische Senatorin Susan Collins twitterte: "Das muss aufhören - wir haben alle einen Job zu erledigen." In einem Interview sagte sie: "Die Leute sagen viel im Wahlkampf. Aber es macht einen Unterschied, ob sie dann in einem öffentlichen Amt dienen." Ihre Kollegin Lisa Murkowski schrieb auf Twitter: "Hör auf! Das Amt des Präsidenten sollte für Besseres genutzt werden als dafür, andere runterzumachen."

Auch Lindsey Graham, republikanischer Senator aus South Carolina, meldete sich zu Wort: "Mr. President, Ihre Tweets waren unter der Würde des Amtes. Sie zeigen, was falsch läuft in der amerikanischen Politik. Nicht aber Amerikas Größe." Später wurde er gefragt, ob Trump sich entschuldigen solle. Er sagte: "Ich würde, wenn ich das getan hätte."

Nun, Trump hat sich nicht entschuldigt. Das ist auch nicht zu erwarten. Anstand und Benehmen sind eben seine Sache nicht.

© SZ.de/gal/mati
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