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US-Politik:Warum Tillerson noch in Trumps Diensten steht

Soll Präsident Trump (r.) einen "Trottel" genannt haben: US-Außenminister Rex Tillerson

(Foto: AFP)

Der US-Außenminister gilt als unfähig und nennt Trump einen "Trottel". Warum er noch immer im Amt ist: ein Erklärungsversuch.

Am Sonntag hatte US-Außenminister Rex Tillerson seine zweite Chance, die Sache mit dem "Trottel" geradezurücken. Der Sender NBC hatte Anfang Oktober berichtet, Tillerson habe den US-Präsidenten Trump nach einem Treffen im Juli einen "moron" genannt. "Trottel" ist eine der harmlosen Übersetzungen.

Das wäre an sich nicht ungewöhnlich. Trump ist durch eigenes Zutun zum Gespött vieler geworden. In den eigenen Reihen genauso wie im Rest des Landes. Aber von seinem Außenminister "Trottel" genannt zu werden, ist keine Kleinigkeit. Es ist durchaus besorgniserregend, wenn es in einer Supermacht wie den USA derartige Spannungen zwischen dem Präsidenten und seinem obersten Diplomaten gibt. Warum also ist Tillerson noch im Amt?

Zunächst zu dem, was aktuell passiert ist: Nachdem NBC die "Moron"-Geschichte veröffentlich hatte, tat Tillerson in einer eilig einberufenen Pressekonferenz zwei Dinge: Erstens: Er machte sehr deutlich, dass er nicht beabsichtigt habe, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Zweitens: Was seine Bezeichnung Trumps als "moron" angeht, sagte er, erst auf Nachfrage, er werde dieses Washingtoner Spiel nicht mitspielen. Und sei deshalb nicht gewillt, auf die Frage zu antworten.

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Tillerson hat seine Wortwahl also nicht zweifelsfrei dementiert. Trump soll darüber außer sich gewesen sein. Tillerson schickte später noch seine Sprecherin vor. Die sagte, "moron" gehöre nicht zur Wortwahl Tillersons. Allerdings war sie selbst nicht dabei, als das Wort gefallen sein soll.

Immer wieder sagt Tillerson, er werde dieses Spiel nicht mitspielen

An diesem Sonntag nun Tillersons zweite Chance. Im Nachrichtensender CNN stand Tillerson Anchorman Jake Tapper Rede und Antwort. Auch er fragte, ob Tillerson seinen Chef einen "moron" genannt habe. Die Washington Post schreibt über Tillersons Versuche, Tappers Fragen dazu nicht zu beantworten: Tillerson habe sich "geduckt, getänzelt und Schritte zur Seite" unternommen, um einer klaren Antwort aus dem Weg zu gehen. Immer wieder sagte Tillerson, er werde dieses Spiel nicht mitspielen. Er wolle die Frage nicht noch mit einer Antwort adeln.

Seine Sprecherin Heather Nauert hatte er das Spiel allerdings durchaus spielen lassen. Als sich die Wogen um sein Nichtdementi nicht glätten wollten, schickte er sie vor, die "Moron"-Geschichte zu verneinen. Auf CNN hätte er jetzt nur wiederholen müssen, was er sie sagen ließ. Dass das nicht seine Sprache sei. Aber selbst das wollte Tillerson offenbar nicht. Jetzt ist wieder alles offen.

CNN-Mann Tapper erklärte Tillerson recht nachvollziehbar das Problem, das sich daraus ergibt: Wenn der Außenminister offenlässt, ob das Wort gefallen ist, dann hat er es entweder gesagt - was ein Beleg wäre für sehr ernste Probleme zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seinem wichtigsten Minister. Oder er hat es nicht gesagt. Dann arbeiten im engsten Umfeld von Trump und Tillerson Leute, die beiden maximal schaden wollen. Auch keine gute Geschichte.

Es spricht allerdings einiges dafür, dass sich Tillerson und Trump inzwischen weit voneinander entfernt haben. Was soll ein Außenminister auch von seinem Chef halten, wenn dieser ihm via Twitter immer wieder Knüppel zwischen die Beine wirft? Als Tillerson Ende September in Asien unterwegs war, um mit China über Nordkorea zu reden, da meldete er am Samstag, es gebe mehr oder minder direkte Gesprächskanäle zu Nordkorea. Was zumindest Hoffnung machte, dass der verbale Krieg zwischen Nordkorea und den USA nicht zu einem heißen Krieg eskaliert. Am Sonntagmorgen, dem 1. Oktober, twitterte Trump dann: Tillerson solle sich die Energie sparen. Verhandlungen mit dem " kleinen Raketenmann" Kim Jong-un seien reine "Zeitverschwendung".

Bob Corker, der republikanische Chef des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat, hält das Weiße Haus auch deswegen für einen " Kindergarten für Erwachsene". Darin seien alle nur damit beschäftigt, Trump unter Kontrolle zu halten. Und das wüssten auch die meisten Senatoren. Trump steuere das Land direkt in einen Dritten Weltkrieg, wenn niemand auf ihn aufpasse, sagt Corker. Dieser ist für gewöhnlich nicht für Alarmismus bekannt.

Corker könnte ein Schlüssel für die Frage sein, warum Tillerson noch im Amt ist

Kaum ein Senator hat der Darstellung offen widersprochen. Zuletzt hatte Corker Trump vorgeworfen, er könne nicht einfach den eigenen Außenminister " kastrieren", wie der es mit seinen Tweets getan habe. Corker könnte ein Schlüssel für die Frage sein, warum Tillerson noch im Amt ist.

Auf CNN sprach Tapper den Außenminister auf das "Kastrieren"-Zitat an. Dessen lapidare Antwort: "Ich habe das gecheckt. Ich bin völlig intakt." Sein Verhältnis zu Trump sei überdies völlig in Ordnung. "Am Ende des Tages fällt er die Entscheidungen", sagte Tillerson. "Ich gehe raus und gebe mein Bestes, um diese Entscheidungen umzusetzen."

Das allerdings dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Seit seinem Amtsantritt am 1. Februar sieht sich Tillerson mit einem Vorgesetzten konfrontiert, der ihn immer wieder demütigt, ihm Kompetenzen entziehen und das Budget kürzen will. Dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un will Trump erst mit " Feuer und Wut" begegnen, wie es die Welt noch nicht gesehen habe. Tillerson beschwichtigt, das seien nur starke Worte. Die US-Bürger könnten weiter ruhig schlafen. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen Anfang September aber polterte Trump erneut. Er werde Nordkorea im Zweifel " völlig zerstören".