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US-Politik:"Wir werden zu den guten alten Tagen zurückkehren"

Es ist eine jener Underdog-Geschichten, die im 20. Jahrhundert das klassische Strickmuster der meisten Hollywood-Filme lieferte und heute noch im Sport gepflegt wird. Nicht umsonst verspricht der Republikaner: "Wir werden zu den guten alten Tagen zurückkehren." Hier ist Trump nicht der CEO-Präsident mit Interessenskonflikten und einem Narzissmus-Problem, sondern der neue Coach des Football-Teams, das man liebt und das nun wieder gewinnt. Oder vielleicht sogar das Football-Team selbst, dem die Anhänger selbst bei einer Serie von Niederlagen unerbittlich die Treue halten werden.

In dieser Übergangsphase zwischen Wahlkampf und Amt verzichtet der designierte Präsident darauf, seine Anhänger mit der üblichen rhetorischen Brutalität anzuheizen. Nur die "bösartigen Medien" sind ihm noch geblieben. Die anderen Groß-Feinde der Vergangenheit sind entweder aus dem Spiel (Hillary Clinton) oder zu ihm übergelaufen (das "Partei-Establishment", frühere Gegenkandidaten).

Dadurch wird eine Gabe Trumps deutlicher, die Journalisten im Wahlkampf zwar erwähnten, aber im Schatten seiner Demagogie unterschätzten: seine gesellige Erzählonkelhaftigkeit. Wahrscheinlich muss man sich den 70-Jährigen wie so viele Präsidenten im Kontext des Wähler-Wohnzimmers vorstellen: Sie kannten ihn bereits aus dem Abendprogramm im Fernsehen, er spricht als Anti-Politiker wie ein unterhaltsamer Besucher, der auf dem Sofa sitzt (und auch mal etwas Ungezogenes sagt, wir sind ja unter uns).

Trump verspricht eine schützende Mauer gegen Ausländer, Globalismus und Komplexitäten und erlaubt sogar - erzähltes Reality-TV - dosierte Einblicke in die eigenen vier Wände. "Jared [Kushner, der Schwiegersohn, d. Red.] und Ivanka kamen mit den Wählerbefragungen", berichtet er vom Wahlabend: "Sie sagten, sie sind schlecht. Seehr schlecht. Ich ging zu Melania und sagte: 'Aber ich habe ein gutes Gefühl'." Undsoweiter. Kein Wunder, dass seine Wahlkampf-Managerin Kellyanne Conway - das Fernseh-Gesicht seiner Kampagne und dadurch Teil der Saga - in Mobile deutlich größeren Jubel erhält als der ebenfalls beliebte Politiker und Einheimische Sessions. Man glaubt sich zu kennen.

In diesem Haus, das Trump seinen Anhängern gebaut hat, ist es seit der Wahl gemütlich. Man labt sich an der gegenseitigen Anerkennung. Doch nach der Logik des "Drinnen" muss es auch ein "Draußen" geben. Dort befindet sich die komplexe Realität, aber auch jener Teil der USA, der dem neuen Präsidenten nicht zujubelt. Dessen Schlusswort in Mobile: "Meine Botschaft heute geht an alle Amerikaner: (...) Wir sind alle vereint in einem gemeinsamen Schicksal - und ich bitte alle darum, Teil dieser unglaublichen Bewegung zu werden."

Es ist die Aufforderung des künftigen Präsidenten, hereinzukommen. Draußen könnte es ungemütlich werden.

© SZ.de/ihe
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