US-Politik:Er verurteilte schulische Hilfsinitiativen für Homosexuelle

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Mit 16 schrieb er einen Text für das lokale Medium The Lookout. Unter dem Titel "Die politische Korrektheit ist außer Kontrolle" zog er über multikulturelle Feste an der Schule her. Er stänkerte gegen die Durchsagen an der Schule, die es auch auf Spanisch gab. Und er verurteilte schulische Hilfsinitiativen für Homosexuelle. Seinen Lesern empfahl er unter anderem, die Schulleitung anzurufen und sie aufzufordern, "ihre liberale Haltung am Schultor zurückzulassen".

Anders als die meisten seiner Mitschüler stellte er sich jeden Morgen zu Unterrichtsbeginn neben sein Pult, legte die rechte Hand auf Herz und beschwor seine Liebe zum Vaterland, berichtet die Los Angeles Times.

Ein kommender Anführer der Hartrechten

Nach der Schule studierte Miller an der Duke University Politikwissenschaften und engagierte sich am rechten Rand der Republikanischen Partei. Er wollte nach Washington, er wollte mitspielen im politischen Betrieb. Er kam erst im Büro der konservativen Abgeordneten Michele Bachmann unter. Dann ging er zu Jeff Sessions. Beide arbeiteten 2013 an einer umstrittenen Reform der Immigrations-Gesetze.

Unter den Hartrechten gilt Miller heute als kommender Anführer. Unter moderaten Konservativen und Liberalen wird er als hasserfüllter Spalter gesehen, der voller Aggression auf seine Gegner losgeht.

Miller wächst zunächst wohlbehütet auf in einer wohlhabenden jüdischen und demokratisch gesinnten Familie aus. Sie wohnen in einem schicken Viertel von Santa Monica. Er spielt als Jugendlicher Tennis und Golf. Als die Immobilienfirma der Eltern plötzlich zusammenbricht, muss die Familie ihr Haus aufgeben und in eine billigere Gegend ziehen.

Miller beginnt sich für Waffen zu interessieren. Über ein Fachmagazin, das er abonniert hat, lernt er die Thesen des obersten Waffenlobbyisten der USA, Wayne LaPierre, kennen. Und wird ein Fan. Unter diesen Leuten ist "America first" schon lange das oberste Gebot.

Die Uni war für ihn ein "Indoktrinierungs-Maschine"

Der Anschlag vom 11. September 2001 prägte auch Miller. An seiner Universität wurde später gegen den Irakkrieg demonstriert. Viele machten sich über Präsident George W. Bush lustig. Das gefiel Miller nicht. Er bezeichnete seine Uni als "Indoktrinierungs-Maschine". Über seine Schule schrieb er: "Osama bin Laden würde sich sehr wohl fühlen an der Santa Monica High School." Seine Rhetorik von damals: Sie findet direkten Niederschlag in den Reden von Trump.

Miller lässt nichts auf Trump kommen. Auf Kritik an Trump reagiert er so beleidigt und getroffen, als wäre er selbst gemeint. Einmal fragte ihn ein Moderator des Senders ABC mehrfach nach Beweisen für Trumps Behauptung, es habe massiven Wahlbetrug gegeben. Miller hatte keine Beweise. Stattdessen hämmerte er dem Moderator entgegen: "Ich bin bereit, in jede Sendung zu gehen, überall und zu jeder Zeit und werde immer wieder sagen, 'Der Präsident der Vereinigten Staaten sagt die Wahrheit. Zu 100 Prozent!'" Auftritte vor der Kamera erinnern in ihrer Attitüde totaler Unbeirrbarkeit an Fernsehansagen nordkoreanischer Prägung.

An anderer Stelle klingt Miller wie ein Superschurken-Adjutant aus einem James-Bond-Film: "Unsere Gegner, die Medien und die ganze Welt werden bald sehen, dass die Durchsetzungskraft des Präsidenten zum Schutz unseres Landes sehr substantiell ist und nicht zu hinterfragen ist." Es ist ein fragwürdiges Demokratieverständnis, das Miller da offenbart. Aber auch in diesem Punkt steht Miller seinem Chef Trump in nichts nach. Die Medien sind der Feind. Und Fake News. Hätte sich Miller einen Boss wünschen dürfen, er hätte Trump gewählt.

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