US-Politik:Auch Sebastian Gorka verlässt das Weiße Haus

US-Politik: Und wieder einer weg: Nach Steve Bannon muss jetzt auch Trump-Berater Sebastian Gorka gehen.

Und wieder einer weg: Nach Steve Bannon muss jetzt auch Trump-Berater Sebastian Gorka gehen.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Donald Trump verliert einen weiteren Berater. Der rechte Hardliner Sebastian Gorka wird nicht weiter im Weißen Haus arbeiten.
  • Noch ist nicht ganz klar, ob Gorka gefeuert wurde oder selbst gekündigt hat.
  • Gorka war ein Verbündeter vom Trumps Chefstrategen Steve Bannon, der vor gut einer Woche ebenfalls das Weiße Haus verließ.

Analyse von Thorsten Denkler, New York

Der Demokrat Adam Schiff hätte wohl nicht gedacht, dass seine Worte so schnell Gehör finden würden. Nach dem vor gut einer Woche Steve Bannon, die dunkle Gestalt hinter US-Präsident Donald Trump, das Weiße Haus verlassen hat, da sagte Schiff, es gebe noch andere im Weißen Haus, die dort nicht hingehörten. Und zählte explizit den umstrittenen Berater und rechten Verschwörungstheoretiker Sebastian Gorka dazu.

Entschuldigung, Dr. Sebastian Gorka. Auf den Titel legt Gorka in einem Maße wert, wie es in den USA ansonsten völlig unüblich ist. Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Doktortitels konnte er bislang nicht ausräumen. Gorka gehört nicht nur deshalb in Schiffs Augen zu jenen Figuren im Weißen Haus, die "nicht die nötigen Fähigkeiten haben, ihren Job gut zu machen".

Es dürfte Schiff dennoch überrascht haben, dass Gorka schon an diesem Freitag das Weiße Haus verlassen hat. Wie im Fall Bannon ist nicht ganz klar, ob es einen Rücktritt oder eher ein Rausschmiss war. Es gibt angeblich ein Rücktrittsschreiben. US-Medien zitieren allerdings auch einen Mitarbeiter des Weißen Hauses mit den Worten: "Sebastian Gorka ist nicht zurückgetreten. Was ich ihnen aber sagen kann ist, dass er nicht länger für das Weiße Haus arbeitet."

Die ganz dunkle Seite der Macht verliert in der Schlacht ums Weiße Haus mit Gorka immer mehr an Boden. Als prominente Vertreter des ehemaligen Bannon-Flügels bleiben jetzt nur noch der junge Islam-Hasser Stephen Miller und die Trump-Verehrerin und Erfinderin des Begriffs "alternative Fakten" Kellyanne Conway übrig.

Gorka hatte den Posten im Weißen Haus bekommen, weil er eng mit Bannon ist. Vor seiner Zeit im Weißen Haus war Bannon Chef der extrem rechtslastigen Webseite Breitbart News. Gorka hat für Bannon in der Redaktion gearbeitet. Auch er pflegt wie Bannon enge Verbindungen zur neurechten Alt-Right-Bewegung.

Es ist anzunehmen, dass Trumps neuer Stabschef John Kelly gerade ordentlich durchgreift gegen die hartrechten Weltverschwörer. Mit neuen Regeln hat er den Zugang zum Präsidenten für Berater wie Gorka deutlich beschnitten. Die Türen zum Oval Office sind jetzt angeblich nicht mehr für jeden offen, der gerade Lust hat, Trump irgendetwas einzuflüstern. Und alle Unterlagen, die dem Präsidenten vorgelegt werden sollen, müssen erst zum Faktencheck über Kellys Schreibtisch

Kelly will so vermeiden, dass Trump mit falschen Fakten gefüttert wird. Auf deren Grundlage er dann womöglich falsche Entscheidungen trifft. Dazu zählt etwa das Desaster um Trumps Einreise-Bann für Menschen aus muslimisch geprägten Ländern. An dessen Zustandekommen waren Bannon, Miller und zu einem geringen Teil auch Gorka beteiligt.

Erst der republikanisch dominierte Supreme Court, das höchste Gericht der USA, hat Trump geholfen, das Gesicht zu wahren. Er hat den Bann in Teilen zugelassen. Alle vorangegangenen Gerichtsinstanzen haben den Bann in Grund und Boden geurteilt.

In einem angeblichen Rücktrittsschreiben hat Gorka erklärt: "Für mich ist klar, dass Kräfte, die nicht das Wahlkampf-Versprechen 'Make America Great Again' unterstützen, zurzeit im Weißen Haus Auftrieb haben". Darum gehe er. Er werde aber weiter dafür kämpfen, dass Trump Erfolg habe.

Ähnliches hatte schon Bannon vergangene Woche angekündigt. Und ist jetzt zurück als Chef von Breitbart - und damit "zurück an den Waffen", wie er sagte. Vermutlich wird Gorka zusammen mit Bannon außerhalb des Weißen Hauses den Kampf für die heilige Sache wieder aufnehmen. Es wäre kaum verwunderlich, wenn bald beide wieder für Breitbart arbeiten. Die Gespräche über eine Zusammenarbeit sollen schon angelaufen sein, heißt es auf Breitbart News.

Gorka ist nur eine Fake-Terror-Experte

Gorka, ein selbsternannter Terror-Experte, hat sich im Weißen Haus vor allem mit Terrorabwehr beschäftigt. Verstanden hat er darunter allerdings lediglich, möglichst breit Muslime aus der US-amerikanischen Gesellschaft auszuschließen. Er hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, dass und wie der Islam bekämpft werden müsse. Es gehört in die Kategorie jener Bücher, die in einer seriösen Buchhandlung nicht mal auf Bestellung zu haben sein sollten.

Gorka soll zuletzt frustriert darüber gewesen sein, dass seine Vorstellungen von einem Anti-Terror-Kampf nicht gehört worden seien. Den Kampf will er vor allem im Inland führen. Nicht aber im Ausland. Entsprechend enttäuscht soll er gewesen sein, dass sich die Generäle um Trump mit ihrer Forderung nach mehr Truppen für Afghanistan durchgesetzt hätten.

In einem früheren Leben war Gorka, ein gebürtiger Brite mit ungarischen Wurzeln und inzwischen eingebürgerter US-Bürger, mal als Berater für die ungarische Regierung aktiv. Er scheiterte wegen offensichtlichen Unvermögens.

Erfahrene Washingtoner Außenpolitik-Experten vermissen bei Gorka nicht nur jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund. Sie erschrecken auch regelmäßig über Gorkas Nichtkenntnis elementarer, außenpolitischer Zusammenhänge.

Mia Bloom, Expertin für den Nahen Osten an der Georgia State University, sagte, sie habe mit Gorka mal auf einem Podium zu Fragen des sogenannten islamischen Staates gesessen. Gorka sei derart unvorbereitet gewesen, dass sie und ihre Kollegen gedacht hätten, das sei alles ein großer Scherz. "Wir haben uns angesehen und gedacht, was um Himmels Willen redet der da?", sagte Bloom dem Sender CNN.

Dass er als Terrorismusexperte kein Wort arabisch spricht, ist da nur noch eine Randnotiz. Gorka ist wohl kaum mehr als ein Fake-Terror-Experte. Fürs Weiße Haus unter Donald Trump aber hat es gereicht. Bis jetzt.

Was Gorka allerdings kann: bissig daherreden. So bissig, dass er sich damit die Anerkennung von Präsident Trump verdiente. Gorka schaffte es etwa in Interviews mit Moderatoren des Fernsehsenders CNN, diese persönlich als "fake News" zu beschimpfen. Um Faktentreue kümmert er sich ebenso wenig wie Trump.

Wenn Gorka aber über Trump spricht, dann lobt er ihn in den höchsten Tönen. Dessen Reden sind stets "fabelhaft" und "außerordentlich". Gorka würde Trump "bis zum letzten Tweet verteidigen", schrieb das Magazin Rolling Stone über ihn. Manche sagen, Trump in der Öffentlichkeit verteidigen, das sei letztlich die einzige Rolle gewesen, die er im Weißen Haus je gehabt habe.

Auch nach Gorkas Abgang aus dem Weißen Haus bleibt der Name der Trump-Administration erhalten: Gorkas Frau Katharine Cornell Gorka arbeitet als Beraterin im US-Ministerium für Heimatschutz. Inhaltlich soll zwischen beide kein Blatt Papier passen.

© SZ.de/jael
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