Weitergabe von US-Militärmaterial:Pakistan bestreitet Spionagehilfe für China

Affront gegen die USA: Pakistan soll chinesischen Experten Medienberichten zufolge Zugang zu einem mit Spezialtechnik ausgerüstetem Hubschrauber verschafft haben. Den beschädigten Helikopter hatten die Navy Seals nach der Tötung Osama Bin Ladens zurücklassen müssen. Ein Armeesprecher des Landes bestreitet die Vorwürfe.

Pakistan hat China angeblich Zugang zu bislang geheimer Militärtechnik der USA verschafft - gegen den Willen der Amerikaner. Chinesische Militärtechniker sollen Medienberichten zufolge einen bei der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zurückgelassenen Tarnkappen-Hubschrauber der US-Armee untersucht haben. Unterdessen hat Pakistan die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie entbehrten jeder Grundlage und seien Teil einer "Kampagne" gegen die pakistanischen Streitkräfte, sagte ein Armeesprecher.

Part of a damaged helicopter is seen lying near the compound after U.S. Navy SEAL commandos killed al Qaeda leader Osama bin Laden in Abbottabad

Nach der Tötung bin Ladens liegen Wrackteile eines beschädigten Hubschraubers nahe dem Einsatzgebiet in Abbottabad.

(Foto: REUTERS)

New York Times und Financial Times berichteten unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Kreise, der pakistanische Militärgeheimdienst habe Militäringenieure aus Peking Fotos von dem abgetrennten Heck des Stealth-Helicopters vom Typ Black Hawk machen lassen. Der abgestürzte Helikopter sei mit einer speziellen Geheimtechnik ausgerüstet, um nicht vom Radar erfasst zu werden. Die Chinesen sollen außerdem Proben seiner Hülle entnommen haben. Ein US-Vertreter sagte der New York Times, Geheimdienstmitarbeiter seien sich "sicher", dass die Chinesen den Helikopter fotografieren und sogar Teile des Wracks mitnehmen duften.

Es gebe aber keine endgültigen Beweise für den Besuch in Abbottabad. Die Vorwürfe stützen sich demnach auf abgehörte Gespräche, in denen Pakistaner darüber sprechen, die Chinesen auf die Absturzstelle einzuladen. Die britische FT zitierte zudem amerikanische Geheimdienstkreise mit den Worten: "Wir hatten die Pakistaner unmittelbar nach dem Angriff ausdrücklich dazu aufgefordert, niemandem Zugang zu den beschädigten Resten des Helikopters zu gewähren." Unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsvertreter schreibt das Blatt, es sei "schwierig zu sagen", wie nützlich die Informationen für die Chinesen sein könnten.

Ein Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums sagte, er habe "große Zweifel" an der Geschichte: "So etwas würde nie passen." Außenamtssprecher Jiang Yu hatte Berichte über eine angebliche Bitte aus Peking, das Wrack sehen zu dürfen, schon im Mai als "lächerlich" bezeichnet.

Bin Laden war Anfang Mai von einer US-Spezialeinheit in Abbottabad getötet worden. Berichten zufolge mussten die Soldaten der Navy Seals einen ihrer Helikopter wegen technischer Probleme zurücklassen. Sie hätten zwar noch versucht, den beschädigten Helikopter zu zerstören, das Heck sei aber weitgehend intakt geblieben. Pakistan gab Überreste des Helikopters später an die USA zurück.

Die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA hatten sich nach der Kommandoaktion deutlich verschlechtert. Der Einsatz gegen den Al-Qaida-Chef hatte aufgedeckt, dass Bin Laden schon lange unbehelligt in Pakistan lebte. Die Regierung in Islamabad zeigte sich wiederum verärgert, dass die USA ihre Behörden nicht vorab über die Aktion informiert hatten. Der aus Afghanistan eingedrungene Spezial-Hubschrauber war damals von den pakistanischen Streitkräften nicht geortet worden.

© sueddeutsche.de/rtr/AFP
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