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US-Midterms 2014:Die fünf größten Gewinner

Ein Schwarzer, der in den Südstaaten Geschichte schreibt, zwei Brüder, die mit Parteienfinanzierung ganz prächtig Geschäfte machen und eine Frau, die die "Verschwender in Washington" quieken lassen will - die Wahlsieger im Überblick.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

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Joni Ernst

Joni Ernst

Quelle: Bloomberg

Sie kam, sah, siegte und lässt nun die "Verschwender in Washington" quieken. Letzteres zumindest versprach die Republikanerin Joni Ernst im Wahlkampf. Nun zieht die 44-Jährige, Oberstleutnant in der Nationalgarde, für Iowa in den Senat ein. Ihr Sieg über den blassen Bruce Braley sichert ihrer Partei einen der wichtigen vakanten Sitze, auf denen zuvor ein Demokrat gesessen hatte. Die Waffenliebhaberin gehört nun zur Newcomer-Garde, die sich hemmungslos des Populismus bedient und mit Kompromissen nicht viel am Hut hat. Obama ist für sie ein "Diktator", Umwelt- und Steuerbehörde möchte sie gerne abschaffen, Abtreibung lehnt sie sogar nach Vergewaltigungen ab. Sarah Palin hat eine legitime Nachfolgerin gefunden.

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Sam Brownback

Republican Kansas Governor Brownback speaks to supporters after winning re-election in the U.S. midterm elections in Topeka

Quelle: REUTERS

"Stirb an einem anderen Tag" heißt ein James-Bond-Film, und politisch gilt das auch für Sam Brownback. Was hatte der Gouverneur von Kansas und Tea-Party-Liebling im Wahlkampf nicht alles zu hören bekommen: Seine Hardcore-Politik sei selbst für eingefleischte Republikaner schwer erträglich, hieß es, hatten doch seine extremen Steuersenkungen Staatseinnahmen und Wirtschaftswachstum einbrechen lassen. Und nun? Bekommt Brownback eine weitere Amtszeit. Auch deshalb, weil sein demokratischer Herausforderer Paul Davis wenig inspirierend auftrat. Das Tea-Party-Experiment geht weiter.

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Die Koch-Brüder

Romney And Cain Address Defending American Dream Summit

Quelle: AFP

Vielleicht sollte man die Interessengruppe Freedom Partners Action Fund (FPAF) einfach als Investmentfonds betrachten: Die erzkonservativen Brüder David (im Bild) und Charles Koch pumpten mit ihren Freunden über den FPAF Millionen in enge Wahlkämpfe in Colorado, Alaska, North Carolina oder Iowa. Als Dividende erhalten sie viele Wahlsiege von konservativen Kandidaten, die ihre Anti-Klimaschutz- und Hyperkapitalismus-Ideologie vertreten. Das System ist kaputt, sagen Kritiker der zügellosen Parteienfinanzierung (die genauen Investitionssummen der Kochs sind nicht nachzuweisen); für milliardenschwere Politik-Investoren wie die Kochs funktioniert es ganz prächtig.

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Chris Christie

Governor Chris Christie Votes In General Election

Quelle: AFP

Kritiker werfen Chris Christie vor, sein Amt als Gouverneur von New Jersey in den vergangenen Monaten vernachlässigt zu haben. In Wahrheit hat er alles richtig gemacht: Als Vorsitzender der Republican Governors Association (RGA) bereiste er landauf, landab umkämpfte Staaten, um dort vor allem Gouverneurskandidaten der Republikaner zu unterstützen. Er selbst stand nicht zur Wahl, hat aber zwei Jahre vor den Präsidentschaftswahlen seinen Beitrag zu konservativen Siegen in Florida und Wisconsin, sowie in eigentlich liberalen Staaten wie Maine, Maryland und Massachussetts geleistet. Christie hat sich viele Freunde in der Partei gemacht, dazu ist er nun auch in anderen Bundesstaaten bekannt. Seinen Präsidentschafts-Ambitionen hilft das ungemein.

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Tim Scott

Tim Scott

Quelle: AP

Dieser Mann hat Geschichte geschrieben: Tim Scott ist der erste Schwarze, der seit Ende der Reconstruction-Ära nach dem Bürgerkrieg im Süden in das Amt eines Senators gewählt worden ist. Der Republikaner und ehemalige Abgeordnete des Repräsentantenhauses ist zwar schon seit 2013 Senator für South Carolina, bislang aber nur als ernannter Nachfolger des zurückgetretenen Jim DeMint. "In Amerika, nein, in South Carolina braucht es nur eine Generation", erklärte Scott nach seiner Wahl, "eine Generation, um von der Arbeit meines Großvaters, der als Kind Baumwolle pflückte, dahin zu kommen, dass sein Enkel im Kongress und nun im US-Senat ist."

© Süddeutsche.de/sks/cat
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