US-Aufmarsch in der KaribikBesser die Klappe halten

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„Entscheidende Stunden“: Vieles deutet darauf hin, dass die USA den Sturz von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erzwingen wollen.
„Entscheidende Stunden“: Vieles deutet darauf hin, dass die USA den Sturz von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erzwingen wollen. (Foto: Pedro Mattey/IMAGO/Anadolu Agency)
  • Die USA haben mit der Operation "Southern Spear" eine massive Militärpräsenz in der Karibik aufgebaut, wohl um Venezuelas Präsident Nicolás Maduro gewaltsam zu stürzen.
  • Lateinamerikanische Nachbarstaaten halten sich mit Solidaritätsbekundungen für Venezuela zurück und kooperieren teilweise mit den USA.
  • Venezuela bereitet sich auf einen "langwierigen Widerstand" mit Guerillakrieg vor, obwohl die Streitkräfte in schlechtem Zustand sind.
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Angesichts der furchteinflößenden US-Armada in der Karibik scheuen Venezuelas lateinamerikanische Nachbarn vor allzu lautstarken Solidaritätsbekundungen zurück.

Von Jan Heidtmann, Buenos Aires

Zwanzig Mal hatte die US-Marine jetzt schon in der Karibik und im Pazifik in internationalen Gewässern vor den Küsten Südamerikas attackiert. Mindestens achtzig Menschen sind dabei zu Tode gekommen. Da dürfte die Ansage von Pete Hegseth eigentlich keine Überraschung gewesen sein: „Wir werden die Narco-Terroristen aus der westlichen Hemisphäre vertreiben.“ Doch die markigen Worte des US-Verteidigungsministers Ende vergangener Woche wurden unterstrichen von der Ankunft des größten Flugzeugträgers der Welt in der Karibik. Dazu hatte die ganze Aktion jetzt auch einen klingenden Namen bekommen: Southern Spear, Speer des Südens, Lanza del Sur auf Spanisch. Lateinamerikas Politiker waren spürbar beeindruckt.

Was Mexiko angehe, stünde „jede Intervention außer Frage“, betonte Präsidentin Claudia Sheinbaum tags darauf. Man habe sich mit der US-Regierung auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Selbst Kolumbiens Präsident Gustavo Petro, einer der schärfsten Kritiker der US-Operation in der Karibik, machte einen Rückzieher. Entgegen seinen Ankündigungen in den Tagen zuvor erklärte Petro, dass seine Geheimdienste nun doch weiter mit den US-Kollegen kooperieren würden. Denn nun scheint klar zu sein, dass die USA mehr als nur Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler versenken wollen. Nicolás Maduro, Herrscher in Venezuela, soll gewaltsam gestürzt werden.

Das Kopfgeld auf Maduro beträgt 50 Millionen Dollar

Bereits vor Monaten haben die USA das Kopfgeld auf den linken Diktator auf 50 Millionen Dollar erhöht. Vergangene Woche sendete ein Vertrauter von US-Präsident Donald Trump, Marshall Billingslea, eine vielsagende Nachricht in den sozialen Medien: Maduros Konterfei prangt da in der Mitte eines Pik-As – eine Art Steckbrief, den die USA zuletzt im Krieg gegen Iraks Herrscher Saddam Hussein verwendet hatten. Der Druck auf den Diktator scheint seine Wirkung zu entfalten: Ende Oktober sagte Maduro sehr kurzfristig ein Interview mit der Redaktion von „60 Minutes“ des US-Senders CBS in Caracas ab.

Die meisten Experten sind sich jedenfalls einig, dass die massive Militärpräsenz im Kampf gegen Drogenschmuggler kaum hilft, ein Flugzeugträger schon gar nicht. Zugleich könne es sich das US-Militär aber kaum leisten, das Schiff wochenlang als reine Drohkulisse in der Karibik herumdümpeln zu lassen. Hinzu kommt der Druck aus Venezuela selbst. Oppositionsführerin María Corina Machado ist eine enge Verbündete von Trump. Seit Monaten schon fordert die Trägerin des Friedensnobelpreises 2025 den Einsatz des US-Militärs gegen das Regime von Nicolás Maduro.

Bei einer Konferenz lateinamerikanischer Ex-Regierungschefs in Miami kündigte sie Ende vergangener Woche „entscheidende Stunden“ für Venezuela an. Die Menschen in ihrem Land seien sich einig, dass sie einen „geordneten, friedlichen und unumkehrbaren Übergang“ wollten. Venezuela habe alle Voraussetzungen, um „Lateinamerikas Wunder im 21. Jahrhundert“ zu werden, erklärte Machado.

Das scheint erst einmal eine gewagte Aussage zu sein. Denn Maduro und sein Regime mobilisieren seit Wochen das ganze Land. Jetzt erklärte Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, dass „Ressourcen zu Land, zu Luft, zu See und auf den Flüssen“ aktiviert würden, um den „imperialistischen Bedrohungen“ entgegenzutreten. Starke Worte, doch sind Venezuelas Streitkräfte in Wahrheit in einem erbärmlichen Zustand. Einfache Soldaten werden kaum bezahlt, Truppenführer müssen die Versorgung ihrer Einheiten selbst organisieren. Einzig die geschätzt 5000 Abwehrraketen der Venezolaner könnten zu einem Problem für die USA werden.

Bereits vor ein paar Wochen sagte Phil Gunson, Analyst der International Crisis Group in Caracas, der Süddeutschen Zeitung, die Streitkräfte des Landes würden bei einer US-Intervention „keine 36 Stunden überleben“. Aber die entscheidende Frage sei, was dann geschehe. „Venezuela ist ein kompliziertes Land, es gab immer Rebellengruppen, und es gibt Teile des Militärs, die sicherlich weiterhin Widerstand leisten würden.“

Tatsächlich bereitet sich Venezuela nach Angaben von Reuters auf genau dieses Szenario vor. Von Quellen nahe der Regierung hat die Nachrichtenagentur erfahren, dass das Regime einen Plan für einen „langwierigen Widerstand“ entwickelt hat. Dazu gehören kleine militärische Zellen, die an mehr als 280 Orten im Land verteilt sind und einen Guerillakrieg gegen mögliche Invasoren führen sollen. Außerdem sei geplant, dass Agenten der Geheimdienste und bewaffnete Sympathisanten Chaos in den Städten stiften sollen.

„Ein Leuchtfeuer inmitten der Barbarei“

Es wäre Maduros einzige Chance bei einer Intervention. Denn auf sichtbare Unterstützung von Nachbarstaaten kann er kaum hoffen. Mit dem offensichtlichen Wahlbetrug im vergangenen Jahr hat Maduro seine Sympathien dort verspielt. So demonstrierte Brasiliens linksgerichteter Präsident Lula da Silva in der vergangenen Woche zwar Solidarität mit Venezuela, als er auf einem Gipfeltreffen in Kolumbien erschien – trotz der Weltklimakonferenz im eigenen Lande. Doch mehr als ein Vermittler in der Auseinandersetzung mit Venezuela will Lula nicht sein.

Kolumbiens Staatspräsident Petro erklärte auf demselben Treffen, die Versammlung sei „ein Leuchtfeuer inmitten der Barbarei“. Damit meinte er die Situation im Gazastreifen genauso wie Attacken des US-Militärs gegen mutmaßliche Schmugglerboote. Ähnlich wie gegen Maduro hatten die USA schon vor Wochen Sanktionen gegen Petro und seine Familie erlassen und ihm damit die Einreise in die USA verboten. Trump nannte Petro einen „illegalen Drogenführer“.

Der Streit zwischen dem linken Petro und der Trump-Regierung hatte sich verschärft, als bekannt wurde, dass einer der Toten nach einer US-Attacke ein kolumbianischer Fischer war. Am Wochenende vergangener Woche traf Petro die Frau und die Kinder des Getöteten. Tatsächlich sei unklar, ob das Boot Drogen an Bord gehabt habe, erklärte Petro anschließend. „Ob es nun Fisch oder Kokain war, er hätte nicht die Todesstrafe verdient, und es gab keinen Grund, ihn zu töten.“

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