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Diplomatische Verwerfungen:China bestätigt Räumung des US-Konsulats in Chengdu

U.S. Consulate General in Chengdu

Die Gegend um das US-Konsulat in Chengdu wurde vor der Räumung weiträumig abgesperrt.

(Foto: REUTERS)

Das Aus für die diplomatische Vertretung ist eine Reaktion auf die von amerikanischer Seite angeordnete Schließung des chinesischen Konsulats in Houston. Die USA haben jetzt noch vier Konsulate in der Volksrepublik und eines in Hongkong.

Nach der Schließung des amerikanischen Konsulats in Chengdu im Südwesten des Landes haben die chinesischen Behörden das Gebäude am Montagmorgen wieder übernommen. Kurz zuvor war die Frist zur Räumung abgelaufen. Das chinesische Außenministerium bestätigte, dass das US-Konsulat geschlossen sei. "Behördenvertreter haben das Gebäude durch den Haupteingang betreten und das Gelände übernommen", teilte ein Sprecher mit. Am Morgen um 6.24 Uhr Ortszeit (0.24 MESZ) war die US-Flagge auf dem Gebäude eingeholt worden.

Noch in den frühen Morgenstunden hatten chinesische Mitarbeiter das Konsulat verlassen, wie in Fernsehberichten zu sehen war. Sicherheitskräfte in Uniform und Zivil riegelten die Straßen um die Vertretung am Morgen weiträumig ab. Weder Journalisten noch Schaulustige durften sich nähern. Lastwagen hatten vorher noch Container weggefahren. Am Vortag hatten sich vor dem Gebäude viele Schaulustige versammelt.

In dem 1985 eröffneten Konsulat in der Provinz Sichuan arbeiteten normalerweise etwa 200 Mitarbeiter, darunter etwa 150 örtlich angeheuerte Kräfte. Wie viele US-Diplomaten zuletzt in Chengdu waren, ist unklar, da das Konsulat wegen des Ausbruchs des Coronavirus nach unbestätigten Medienberichten möglicherweise nicht voll besetzt war. Nach der Schließung haben die USA jetzt noch vier Konsulate in der Volksrepublik und eins in Hongkong.

"Legitime und notwendige Reaktion"

Als Vergeltung für die überraschende Entscheidung der USA vergangene Woche, das chinesische Konsulat in der texanischen Stadt Houston zu schließen, hatte Chinas Regierung ihrerseits die USA aufgefordert, den Betrieb ihrer Vertretung in Chengdu einzustellen und ihre Diplomaten von dort abzuziehen. Es wurde als "legitime und notwendige Reaktion auf das unvernünftige US-Vorgehen" beschrieben.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig gesetzwidrige Handlungen, Spionage und Einmischung in innere Angelegenheiten vor. Es ist eine weitere Eskalation in den ohnehin angespannten Beziehungen. Die Großmächte liegen auch wegen Chinas Umgang mit dem Ausbruch des Coronavirus, dem Handelskrieg und dem harten chinesischen Vorgehen in Hongkong und in Xinjiang im Streit. Das Verhältnis ist so schlecht wie seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1979 nicht mehr.

© SZ.de/dpa/jobr/jael
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