US-Justizminister Holder in Ferguson Obamas Mann für deutliche Worte

Justizminister Eric Holder auf einem Archivbild vom Mai 2014

(Foto: AFP)

"Eine Nation von Feiglingen": Anders als Obama redet Eric Holder Klartext über die Lage von Schwarzen in Amerika. Bürgerrechte und Gleichberechtigung sind die zentralen Themen des US-Justizministers. Das kann beim Besuch in Ferguson eine Chance sein - oder ein Problem.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Es gibt einfachere Missionen, als der richtige Mensch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zumal, wenn die Zeit jetzt und der Ort Ferguson, Missouri, ist. Doch genau darin besteht die Aufgabe von US-Justizminister Eric Holder, der an diesem Mittwoch in der Kleinstadt nahe St. Louis eintrifft, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Gewiss, da gäbe es womöglich noch einen geeigneteren Kandidaten, die Wut und Frustration zu dämpfen, das Misstrauen und die Feindseligkeiten zu überwinden. Doch auch wenn die Forderungen lauter werden: Elf Tage nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown durch sechs Polizeikugeln sieht Barack Obama die Zeit noch nicht gekommen, selbst anzureisen.

Dass der US-Präsident seinen Justizminister entsendet, signalisiert nicht nur, dass Washington die Angelegenheit ernst nimmt. Der 63-Jährige ist wie er Afroamerikaner und er ist das Regierungsmitglied, das stets am deutlichsten anspricht, dass Schwarz und Weiß in der amerikanischen Wirklichkeit noch lange nicht gleichberechtigt sind.

Seit Anfang 2013 hat Holders Justizministerium 20 Mal Ermittler entsandt, um den Vorwurf zu überprüfen, dass Polizei-Behörden die Bürgerrechte verletzten. Nun diskutiere Holder laut New York Times mit seinen Mitarbeitern, einen solchen Schritt auch in Ferguson einzuleiten.

"Eine Nation von Feiglingen"

"Diese Nation hat sich stets stolz als ethnischer Schmelztiegel begriffen", sagte Holder 2009 vor Mitarbeitern seines Ministeriums, "aber in rassischen Dingen verhielten und verhalten wir uns oft wie eine Nation von Feiglingen." In weiteren Reden kritisierte er die "subtilen" Formen der Benachteiligung Nicht-Weißer, die weit bedrohlicher als "offensichtliche Bigotterie" seien.

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Durch sein - in anderen Punkten umstrittenes - Wirken als Justizminister ziehen sich die Versuche, diese Ungleichheit zu bekämpfen. Von Holder stammt die Initiative, die Mindeststrafe für kleinere und gewaltlose Drogenvergehen abzuschaffen; inzwischen hat er im Kongress ausreichend Unterstützung für eine Haftminderung für Gefängnisinsassen gesammelt, die wegen solcher Taten einsitzen und keine Verbindung zum organisierten Verbrechen haben. Schwarze und Latinos beklagen schon lange, dass ihre Gemeinschaften unter dem Folgen des "Kampfs gegen die Drogen" und der entsprechenden Extrem-Kriminalisierung leiden.

Das Civil Rights Movement für die Gleichberechtigung der Schwarzen hat der inzwischen 63-jährige New Yorker Holder als Kind miterlebt, es hat ihn stärker geprägt als den zehn Jahre jüngeren Barack Obama. Die Schwester von Holders Ehefrau war eine der ersten beiden Afroamerikaner, die 1963 ihr Studium an der University of Alabama begannen - und von der Nationalgarde beschützt werden mussten.

Diese Erfahrungen erklären Holders deutlichen Äußerungen. 2013 kritisierte er den Obersten Gerichtshof, dessen konservative Mehrheit einen zentralen Paragrafen des Voting Rights Act kippte, jenes schmerzvoll erstrittene Gesetz von 1965, das Schwarzen im amerikanischen Süden das volle Wahlrecht garantiert.

Die US-Regierung darf seitdem nicht mehr kontrollieren, ob einzelne Bundesstaaten Minderheiten bei Wahlen diskriminieren. Das Justizministerium hatte dagegen gekämpft - und versucht nun die Vorstöße einiger republikanisch dominierter Staaten zu stoppen, von Wählern Foto-Ausweise zu verlangen, zu denen Schwarze Holders Meinung nach schlechteren Zugang haben.