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US-Einsatz im Irak:Verheerende Außenwirkung

Die Zahl der toten US-Soldaten ist gering im Vergleich zu den Kriegen in Korea und Vietnam, wo insgesamt fast 100.000 GIs gestorben waren. Allerdings stellt die Irak-Invasion den verlustreichsten US-Militäreinsatz dieser Generation dar. Zudem kehrten Zehntausende Veteranen versehrt vom Golf zurück: Schwer verletzt und traumatisiert, oft für den Rest des Lebens.

Die machtpolitische Außenwirkung des Krieges ist nicht minder verheerend: Die Bush-Administration wollte militärische Stärke der Supermacht demonstrieren und ein abschreckendes Exempel statuieren für alle Staaten, die nach der Atombombe streben. Diese Ziele wurden nicht erreicht, im Gegenteil: Desaströs wirkt die Tatsache, dass die modernste Armee der Welt Gegnern nicht beikommen konnte, sobald diese asymmetrisch agierten: Einem Gegner, der sich nicht scheut, Selbstmordattentäter loszuschicken und zivile Opfer in Kauf nimmt, kann man ebensowenig mit Panzern beikommen wie Kämpfern, die nach Guerilla-Taktik hier und dort auf- und abtauchen.

Ebenso scheiterte die Strategie, die Ausbreitung von Nuklearwaffen einzudämmen, vielmehr kam es zu einer folgenreichen Gegenbewegung: Totalitäre Staaten wie Nordkorea und Iran forcierten ihre Atomprogramme; wohl auch deswegen, weil es scheint, dass im Ernstfall nur der Besitz der Bombe vor einer Invasion fremder Mächte schützt.

Auch auf der diplomatischen Ebene wirkte sich die Strategie Washingtons drastisch aus: Bush, der einem strikten Freund/Feind-Schema anhing, erreichte mit seinem auf einen bewaffneten Konflikt ausgelegten Kurs, dass wichtige Verbündete auf Abstand gingen.

Die staatenübergreifende Solidarität, die die USA nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon erfahren hatten, erlosch, als 2002/2003 deutlich wurde, dass Bush offenkundig nicht an einer friedlichen Lösung in der Causa Irak interessiert war.

Diplomatische Schäden, die bis heute wirken

Ein Riss ging durch die Nato und durch Europa, traditionell befreundete Staaten wie Deutschland und Frankreich agierten offen gegen den US-Kurs, auch Russland stemmte sich kraftvoll gegen Bushs Pläne.

Der Schaden an den diplomatischen Banden wirkt sich noch heute aus, da Bushs Nachfolger Obama versucht, den Atomstreit mit Iran friedlich zu lösen durch ein geschlossenes Auftreten der Staatengemeinschaft gegen Teheran. Moskau und China bremsen bislang Washingtons Bemühen, eine Phalanx gegen das iranische Regime zu bilden.

Folgenreich war auch die Nebenwirkung der Irak-Invasion andernorts: Amerikas anderer Krieg, der in Afghanistan, wurde durch die Irak-Invasion an den Rand der Wahrnehmung gedrückt. Damals wäre es vielleicht möglich gewesen, den Konflikt zu lösen, doch Bush nahm sich den Irak vor, ohne den "Job" in Afghanistan zu erledigen. Nun ist die Gelegenheit lange vorbei. Die radikalislamischen Taliban scheinen stärker den je zu sein. Militärisch und politisch ist das Land am Hindukusch durch den Westen wohl nicht mehr zu befrieden.

Zudem verschlang der Feldzug im Irak bislang eine immense Menge Geld: Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stieglitz taxierte im Jahre 2008 die Gesamtkosten auf bis zu 2,7 Billionen Dollar - eine Summe, die mitverantwortlich ist für das gigantische Defizit, das sich während der Bush-Jahre in den US-Haushalt gefressen hat.

Beschädigte Reputation

Angesichts der dramatischen Kosten der Wirtschafts- und Finanzkrise hat US-Präsident Barack Obama inzwischen dem Militär einen rigiden Sparkurs verordnet. Der Rückzug aus dem Irak soll die Kosten weiter senken.

Vielleicht haben die Vereinigten Staaten den Krieg im Irak nicht verloren. Doch gewinnen - so wie George W. Bush das 2003 versprochen hatte - konnte Washington ihn aber auch nicht.

Und der Feldzug hat die USA weit mehr gekostet als sich Bush je hätte vorstellen können: Die Glaubwürdigkeit der globalen Führungsmacht Nummer eins hat erheblich gelitten. Es wird lange dauern, bis die Reputation Washingtons wieder auf dem Stand ist wie vor der Invasion.

Manche Beobachter sehen Irak bereits als historische Zäsur an: Ein Fanal für den Niedergang Amerikas.