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US-Einsatz im Irak:Ein Krieg, den alle verloren haben

Vom Feldzug gegen Saddam Hussein versprach sich US-Präsident Bush einst nur Vorteile - längst zeigt sich, dass Amerika weitaus mehr verloren hat als den Krieg.

Bevor der erste Schuss gefallen war, zeichnete der Präsident noch einmal ein düsteres Szenario: "Die Gefahr ist klar", konstatierte George W. Bush in einer Ansprache am 18. März 2003. "Indem sie chemische, biologische und, eines Tages, nukleare Waffen einsetzen könnten, würden die Terroristen (...) ihre Ziele erreichen (...) und Hunderttausende unschuldige Menschen umbringen, in unserem Land oder jedem anderen."

US-Soldaten bei einer Kommando-Aktion im Großraum Bagdad. Das Foto entstand im Jahre 2008.

US-Soldaten bei einer Kommando-Aktion im Großraum Bagdad. Das Foto entstand im Jahr 2008.

(Foto: AP)

Insgesamt fünf Mal nennt Bush das Wort "Massenvernichtungswaffen" in seiner Rede. Der irakische Diktator Saddam Hussein und islamistische Terroristen wie al-Qaida kooperierten dem US-Präsidenten zufolge; ein blutrünstiger Potentat werkelte gemeinsam mit den Drahtziehern des 11. September 2001 an der Atombombe - ein Horrorszenario, das einen Feldzug gegen den Irak zwingend machen würde.

Zwei Tage nach dieser Rede Bushs begann der Krieg. Nun pries der Commander-in-Chief die eigenen Truppen, zuversichtlich kündigte er einen heroischen Sieg an.

Bush versprach allen Amerikanern und der "ganzen Welt": "Die verbündeten Streitkräfte" würden "alles tun", um "unschuldige Zivilisten zu schonen." Und ein paar Sätze später beteuerte er: "Wir werden diese gefährlichen Zeiten hinter uns lassen."

Mehr als sieben Jahre später zieht Bushs-Amtsnachfolger Barack Obama die letzten Kampftruppen aus dem Zweistromland ab. Die Bilanz der Invasion ist völlig anders als Bush prophezeite: Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins konnten ebenso wenig gefunden werden wie ein Konnex des Tyrannen zu islamistischen Terroristen.

Immenser Blutzoll der Zivilbevölkerung

Nach dem schnellen Sieg über Husseins Truppen war der Krieg längst nicht beendet: Bis heute erschüttern Tag für Tag Anschläge den Irak, das Land gilt als eines der unsichersten der Welt. Die Gegend um die Flüsse Euphrat und Tigris ist längst ein Dorado für Terroristen geworden, der mächtige Nachbar Iran baut durch die machtpolitische Implosion des Irak seine Hegemonie in der Region aus.

Von Bushs vollmundig angekündigter irakischer Demokratie nach westlichem Muster kann keine Rede sein, zu sehr misstrauen und hassen sich Schiiten, Sunniten und Kurden. Auch zwei Parlamentswahlen können nicht kaschieren, wie chaotisch und zerrissen das Land tatsächlich ist.

Der Blutzoll der irakischen Bevölkerung ist seit 2003 immens. Der Iraq Body Count spricht von mehr als 100.000 zivilen Toten, das würde bedeuten: 14.000 pro Jahr seit Ausbruch des Krieges. Andere Organisationen gehen zum Teil von wesentlich mehr Opfern aus. Zwar starben neun von zehn der zivilen Opfer seit 2003 durch andere Iraker oder ausländische Terroristen.

Doch die als Kollateralschäden abgetanen zivilen Opfer, die irrtümlich an Straßensperren erschossenen Familienväter festigten das Bild vom hässlichen amerikanischen Besatzer. Ikonen der Grausamkeit der durch Bilder belegbaren Exzesse von Seiten der US-Armee. Sie trübten das Bild der Besatzungsmacht in der islamischen Welt insgesamt.

Folterfotos aus dem Gefängnis von Abu Ghraib schienen Bushs Ankündigung, dem "unterdrückten irakischen Volk" Frieden und Sicherheit zu bringen, ad absurdum zu führen. Die unlängst von Wikileaks veröffentlichten Video-Aufnahmen, die dokumentieren, wie skrupellos und zynisch kommentierend eine US-Helikopterbesatzung harmlose Zivilisten abknallt, dürften den Ruf Amerikas im Nahen und Mittleren Osten zusätzlich nachhaltig geschädigt haben.

Auf Seiten der internationalen Truppen fielen nach Angaben der unabhängigen Website icasualties.org 4733 Soldaten, darunter 4415 aus den USA. Großbritannien verzeichnete mit 139 Toten die zweitmeisten Opfer. Hinzu kommen mindestens 12.000 getötete irakische Sicherheitskräfte.