US-Geheimdienst NSA kommt beim Abhören von Handys nicht nach

Der US-Geheimdienst NSA kann offenbar nur jeden dritten Anruf in den USA erfassen. Wie US-Medien berichten, hat die NSA Schwierigkeiten, an die Daten von Handy-Telefonaten zu kommen. Das will der Geheimdienst jetzt ändern.

Der US-Geheimdienst NSA kann offenbar deutlich weniger Telefondaten von Amerikanern sammeln als bisher angenommen. Die Kapazitäten des Geheimdienstes reichten nur für 20 bis 30 Prozent der Verbindungs-Informationen aller in den USA geführten Telefongespräche, berichtete die Washington Post. Grund sei unter anderem der starke Anstieg der Handynutzung, zitierte die Zeitung anonyme Regierungsbeamte.

Wie unter anderem das Wall Street Journal (Paywall) berichtete, hat die NSA Schwierigkeiten, an die Daten von Handy-Telefonaten zu kommen. Zudem sei es schwierig, eine Datenbank vorzubereiten, die eine derart große Zahl an Informationen verarbeiten könne.

Im Jahr 2006 habe die NSA nach Angaben der Regierungsvertreter weitgehend alle Informationen darüber gespeichert, wer wen wann anrufe. Nun wolle der Geheimdienst versuchen, dieses Niveau wieder zu erreichen. Denn mindestens zwei Mobilfunkanbieter, Verizon Wireless und T-Mobile, werden offenbar gar nicht abgedeckt. Ob auch Telefongespräche über das Internet ausgespäht werden, blieb unklar.

"Mit technologischen Veränderungen Schritt halten"

Die NSA arbeitet den Berichten zufolge aber daran, die Lücke zu schließen. Die Telekommunikationsfirmen sollen demnach über Gerichtsbeschlüsse dazu gezwungen werden, auch Handy-Daten herauszugeben. Die NSA wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren. Die NSA äußere sich nicht zu einzelnen Überwachungsprogrammen, hieß es. Die eigene Arbeit werde aber ständig überprüft, um mit "technologischen Veränderungen Schritt zu halten".

Seit Juni sind durch die Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden eine Reihe von Spähprogrammen der NSA und verbündeter Geheimdienste ans Licht gekommen. So überwachte die NSA nicht nur massenhaft E-Mails und Telefonate von Bürgern rund um die Welt, sondern hörte auch Spitzenpolitiker aus befreundeten Staaten ab, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).