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US-Experte inspiziert Geheimanlage:Nordkorea reichert Uran an

Ein US-Atomwissenschaftler darf ein Kernforschungszentrum in Nordkorea besuchen - die atomaren Fortschritte des stalinistischen Regimes machen ihn fassungslos.

Nordkorea hat US-Medienberichten zufolge heimlich eine neue Anlage zur Urananreicherung gebaut. Vertreter des kommunistischen Regimes hätten die weitläufige Anlage in der vergangenen Woche einem US-Atomwissenschaftler gezeigt, berichtete die New York Times. Siegfried Hecker, Professor an der Stanford-Universität, sagte in einem Interview, er sei angesichts des Entwicklungsstands der neuen Anlage "sprachlos" gewesen.

US-Atomexperte Siegfried Hecker Nordkorea

Sah die atomaren Fortschritte der Nordkoreaner mit eigenen Augen: US-Atomexperte Siegfried Hecker

(Foto: AFP)

Uran kann je nach Grad der Anreicherung zivil oder für den Bau von Atombomben genutzt werden. Er habe "Hunderte und Aberhunderte" frisch installierte Gaszentrifugen gesehen, die aus einem "ultramodernen Kontrollraum" gesteuert würden, sagte Hecker.

Die Nordkoreaner hätten behauptet, dass bereits 2000 Zentrifugen installiert seien und laufen würden. Es sei ihm nicht erlaubt worden, Fotos zu machen. Auch habe er nicht die Angaben Nordkoreas überprüfen können, wonach bereits niedrig-angereichertes Uran produziert werde. Er bezweifle die Ankündigung, angereichertes Uran für den Betrieb eines geplanten Leichtwasserreaktors zu nutzen. "Es gibt Gründe, zu fragen, ob dies wahr ist."

In hoch angereicherter Form kann Uran für den Bau von Atombomben verwendet werden. Die USA verdächtigen das Land bereits seit Jahren, ein Anreicherungsprogramm zum Atombombenbau zu haben.

Hecker habe nicht gleich nach seiner Rückkehr aus Nordkorea über die neue Anlage berichtet, sondern erst vor ein paar Tagen das Weiße Haus informiert. Wie die Zeitung weiter berichtet, hat die Regierung von US-Präsident Barack Obama am Freitag und Samstag Kontakt mit den Verbündeten aufgenommen, um sich für eine internationale Reaktion auf das offenbar rasch fortschreitende nordkoreanische Atomprogramm abzustimmen.

Nach Ansicht von US-Regierungsmitarbeitern hat die neue Anlage zumindest bis April 2009 noch nicht existiert. Damals waren die internationalen Beobachter nach Abbruch der Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm durch Pjöngjang zum Verlassen des Landes aufgefordert worden. An den sogenannten Sechs-Parteien-Gesprächen hatten neben den USA und Nordkorea auch China, Südkorea, Russland und Japan teilgenommen.

Die nordkoreanische Regierung hatte zuletzt wiederholt Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Gespräche signalisiert, aber keine konkreten Zusagen gemacht. Die US-Wissenschaftler hatten bei ihrem Besuch in der Atomanlage Yongbyon in der vergangenen Woche auch den Bau eines neuen Leichtwasserreaktors bestätigt gefunden. Entsprechende Hinweise hatten zuvor bereits Satellitenaufnahmen geliefert.

Pjöngjang hatte im März den Bau des Reaktors angekündigt, der mit Brennstoff aus eigener Herstellung versorgt werden soll. Die Bauarbeiten befinden sich nach Angaben der US-Wissenschaftler aber noch in einer sehr frühen Phase.

© dpa/odg/dmo

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