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US-Demokraten:Wahlkämpfer Obama zerlegt Trump

  • Bei seiner Premiere als Wahlkämpfer für Hillary Clinton legt US-Präsident Obama einen fulminanten Auftritt hin.
  • Während Clinton überaus qualifiziert sei, bezeichnet Obama Donald Trump als völlig ungeeignet.
  • Der Republikaner-Kandidat geht selbst in die Offensive: Dass Clinton wegen der E-Mail-Affäre nicht angeklagt werde, sei ein Skandal und belege, wie "korrupt" das System sei.
  • Das FBI hatte die Ex-Außenministerin zuvor scharf kritisiert, aber keine Anklage empfohlen.

Barack Obama kann es kaum erwarten, bis er loslegen darf. Eine Viertelstunde sitzt er auf einem Hocker auf der Bühne in Charlotte und hört Hillary Clinton zu. "Er hat unsere Wirtschaft gerettet, dafür bekommt er zu wenig Anerkennung", ruft die Demokratin. Sie steht hinter dem schwarzen Pult mit dem Siegel des "President of the United States". Es wird überall aufgebaut, wo Obama auftritt - und wegen ihm standen Tausende stundenlang in der prallen Sonne.

Er sei "fired up", ruft der strahlende Obama. Seit seiner Wiederwahl vor vier Jahren hat der US-Präsident kaum mehr Wahlkampf gemacht ( 2014 galt er vielen Parteifreunden als Belastung) und umso engagierter wirbt er für seine Wunschnachfolgerin. "Es gab noch nie einen Mann oder eine Frau, die besser für dieses Amt qualifiziert war", schwärmt Obama über die Frau, die er 2008 besiegt hatte.

Neben Obamas großer Popularität macht ihn die gemeinsame Zeit so wertvoll für das "Hillary 2016"-Team: Er ist der Kronzeuge für alle, die Clinton skeptisch sehen. Und obwohl der FBI-Chef seiner Ex-Außenministerin kurze Zeit zuvor "extrem fahrlässiges" Verhalten in der E-Mail-Affäre attestiert hat, schwärmt der US-Präsident minutenlang über seine einstige Rivalin. Sie sei erst zur Partnerin und zur Freundin geworden: "Mein Vertrauen in Hillary ist nie enttäuscht worden."

In Charlotte wiederholt Obama, was er kurz zuvor in einem Wahlkampf-Clip gesagt hat: Er habe Clinton zur Chefdiplomatin gemacht, weil sie "jedes Detail" wisse und so viel Energie habe wie ein "Duracell-Häschen". Die Demokratin lasse sich durch nichts umwerfen und käme jedes Mal stärker zurück. Sie setze sich seit Jahrzehnten für die Schwachen ein und sei daher die beste Präsidentin für die Mittelklasse.

Donald Trump ist nur "der andere Kerl"

Die meiste Zeit verbringt Obama allerdings damit, den mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu zerlegen. Den Namen Donald Trump spricht er zwar nie aus, aber allen ist klar, wer mit "the other guy" gemeint sei. Wer wolle, dass es den arbeitenden Amerikanern besser gehe, der habe keine Wahl, ruft der US-Präsident: "Die Gegenseite hat nichts anzubieten."

Egal ob höherer Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, mehr Einfluss für Gewerkschaften oder Mutterschutz: Der andere Kerl lehne all das ab. Für das Weiße Haus reiche es nicht aus, irgendwelche Ideen via Twitter zu verbreiten, ruft Obama und berichtet von Gesprächen mit konservativen Abgeordneten über Trump: "Selbst die Republikaner wissen nicht, worüber er redet."

Er glaube nicht, dass die US-Amerikaner einen Mann ohne jede politische Erfahrung ins Weiße Haus schicken würden: "Bei Piloten und Chirurgen bestehen wir doch auch auf Ausbildung." Dem ehemaligen Reality-TV-Star Trump spricht Obama jede Eignung ab: "Während einer Krise kann man nicht einfach von der Bühne laufen oder einen Drehbuchschreiber feuern. In so einer Situation musst du dich vorbereitet haben und wissen, worüber du redest."