US-Demokraten:Was Bernie Sanders inhaltlich durchgesetzt hat

Dass Sanders nach der letzten Vorwahl Mitte Juni in Washington DC nicht sofort Clinton unterstützt hat, liegt daran, dass er trotz seiner Revolutions-Rhetorik ein erfahrener und geschickter Verhandler ist. So gelang es ihm, die Demokraten weit nach links zu rücken. Gewiss: Das Programm für den Parteitag ist nicht bindend, aber eine Präsidentin Clinton kann es nicht völlig ignorieren.

Ohne den Senator aus Vermont hätten sich die Demokraten nicht 15 Dollar Mindestlohn als Ziel gesetzt. Dank Sanders fordert die Partei offiziell die Abschaffung der Todesstrafe und er hat Clinton dazu gebracht, ihre Pläne zur Finanzierung von Hochschulbildung zu ändern. Wer aus einer Familie kommt, die weniger als 125 000 Dollar verdient, soll nun kostenlos an staatlichen Unis studieren dürfen - das ist ein Fortschritt in einem Land, wo Millionen Studenten zehntausende Dollar an Schulden anhäufen. Auch die Passagen zur Bankenregulierung sind härter formuliert, als Clinton dies ursprünglich wollte.

Natürlich hat er nicht alles erreicht: Im Programm fehlt eine klare Ablehnung des transpazifischen Freihandelsabkommen TPP (Obama ist ein großer Befürworter) und das Verbot von Fracking (Details hier). Doch auch die Positionen zur Marihuana-Legalisierung und einer CO2-Steuer tragen eindeutig Sanders' Handschrift. "Wir haben 80 Prozent unserer Ziele erreicht", bilanziert Sanders-Berater Warren Gunnels.

Natürlich hat sich Bernie Sanders bei den demokratischen Funktionären in Washington nicht wirklich beliebt gemacht, in dem er nicht sofort sein Endorsement verkündet hat. Doch heute muss man sagen: Sanders hat gezockt und er hat ziemlich viel gewonnen. Sehr treffend ist das Urteil von John Cassidy im New Yorker: "Nur im allerengsten Sinne kann man die Präsidentschaftskandidatur von Bernie Sanders als gescheitert ansehen."

Wie es nun weitergeht

Es ist nicht zu erwarten, dass Clinton und Sanders sehr oft gemeinsam auftreten - zum Einen stimmt die Chemie zwischen beiden (noch) nicht und es ist effektiver, wenn die Clinton-Cheerleader (dazu gehören etwa Präsident Obama und die linke Senatorin Elizabeth Warren) allein auftreten.

Sanders dürfte im Herbst vor allem in jenen Staaten für Clinton werben, wo er bei den Vorwahlen besonders gut abschnitt: Neben New Hampshire sind das vor allem Wisconsin und Michigan. Und da Millennials monatelang Sanders gefeiert haben, wird der 74-Jährige sicher durch diverse College-Städte touren, um vor Trump zu warnen.

Wenn er mit Indie-Bands wie TV on the Radio oder Vampire Weekend auftritt (idealerweise kurz vor dem Wahltag 8. November, wenn in vielen Staaten schon abgestimmt werden kann), dann sammelt Clinton viele, viele Stimmen. Dass dem Milliardär Trump der Schulterschluss nicht gefällt, verdeutlicht dieser Tweet.

Welche Rolle der selbst ernannte "demokratische Sozialist" auf dem Parteitag Ende Juli in Philadelphia spielen wird, ist noch unklar. Sanders und seine Berater haben seit Monaten deutlich gemacht, dass sie mit ihren Millionen Unterstützern dafür sorgen wollen, dass möglichst progressive Kandidaten in den Kongress gewählt werden. Beim Friedensgipfel in Portsmouth sagt Bernie Sanders es so: Wenn es seine Anhänger wollen, dann ist die "politische Revolution" noch nicht vorbei.

Die Rede von Bernie Sanders ist hier nachzulesen.

© SZ.de/ghe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB