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US-Demokraten:Bernie Sanders hat gezockt und gewonnen

Um Trump als Präsident zu verhindern, ruft Sanders zur Wahl von Hillary Clinton auf. Für die Demokraten ist der Schulterschluss wichtig - und der Senator hat nebenbei die politische Debatte verändert.

New Hampshire ist der Staat, in dem sich streitende Demokraten versöhnen. 2008 rief die unterlegene Hillary Clinton ihre Anhänger auf, Barack Obama zu unterstützen - passenderweise in einem Städtchen namens Unity. Um die Einigkeit zwischen Clinton und ihrem Rivalen Bernie Sanders wurde lange gerungen, doch nun stehen beide in Portsmouth auf der Bühne.

Der Auftritt ist ähnlich klar organisiert und choreografiert wie 2008 und natürlich kommt es zur Umarmung der beiden, über die TV-Kommentatoren lange spekuliert hatten. Sanders redet zuerst. Er bedankt sich bei seinen Wählern und fordert kämpferisch mehr soziale Gerechtigkeit in den USA. Das Ziel ist klar: Seine Fans sollen wissen, dass eine Stimme für den Republikaner-Kandidaten Donald Trump nicht in seinem Sinne ist. Ganz am Ende folgt ein klares Lob: "Hillary Clinton wird eine hervorragende Präsidentin werden und ich bin stolz, an ihrer Seite zu stehen."

Auch Clinton attackiert - ähnlich wie Sanders - Trump in aller Form und charakterisiert den Republikaner als ungeeignet fürs Weiße Haus. Entscheidend ist jedoch das Friedensangebot, das aus den Worten "Thank you" besteht: Sie dankt den Bernie-Fans für ihren leidenschaftlichen Einsatz und lädt sie ein, sich an ihrer Wahlkampagne zu beteiligen. Clinton ist umgeben von Plakaten mit dem eindeutigen Motto "Stärker zusammen" - dies klingt positiver als der Spruch, der wohl am ehrlichsten wäre: "Gemeinsam gegen Donald Trump".

Wie Sanders die politische Debatte verändert hat

In den vergangenen Wochen gehörte es für viele Medien in den USA wie in Europa zum guten Ton, Sanders als grantigen alten Mann (das ist er) zu verspotten. Ihm wurde vorgeworfen, mit einer Mischung aus Engstirnigkeit und Selbstüberschätzung die Einheit der Demokraten zu zerstören und somit dafür zu sorgen, dass Trump Präsident wird.

Diese Kritik verwundert aus mehreren Gründen: Bis zum Wahltag vergehen noch knapp vier Monate, also gab es für Sanders keinen Grund zur Eile (zumal ihn das Amt des Vizepräsidenten nie interessiert hat). Auch 2008 hatten viele Clinton-Fans geschworen, nie für Obama zu stimmen und änderten dann ihre Meinung. Im Vergleich zu damals wirken Sanders' Untersützer auch nicht besonders engstirnig: Laut einer Pew-Umfrage sagen bereits heute 85 Prozent der Sanders-Fans, dass sie die Ex-Außenministerin wählen werden - vor acht Jahren blieben die Clinton-Fans deutlich länger stur in ihrer Protest-Haltung.

Die kleinmütige Kritik an Sanders politischer Strategie verkennt auch, was er mit seinem Wahlkampf alles erreicht hat - trotz der letztlichen Niederlage im Kandidaten-Duell der Demokraten. Das ist eine ganze Menge: An wem liegt es schließlich, dass seit Monaten offen über Themen wie fehlenden Mutterschutz, sehr niedrige Löhne, zu viel Einfluss von Milliardären und Lobbyisten auf die Politik geredet wird? Sogar die Republikaner konnten der Diskussion um Armut nicht ausweichen. Bernie Sanders hat diese Debatten angestoßen. Und allein die Tatsache, dass er Millionen desillusionierte Wähler für Politik begeistert, verdient Respekt.

Ein Blick zurück lohnt sich: Hillary Clinton schien Anfang 2015 so unbesiegbar, dass kaum jemand wagte, für das Weiße Haus zu kandidieren. Auch Senatorin Elizabeth Warren, die viel bekannter ist und ähnliche Positionen wie Sanders vertritt, traute sich nicht.

Sanders startete mit drei Prozent in den Umfragen und traf mit seinen Wutreden das Gefühl von Millionen US-Amerikanern, die acht Jahre nach der Finanzkrise noch immer um das wirtschaftliche Überleben kämpfen und sich abgehängt fühlen. Ohne die Trump-Kandidatur wäre der Graben, der sich innerhalb des linken Amerikas auftut, das Riesenthema des Vorwahlkampfs gewesen.