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US-Botschafter:Grenell hat eine Grenze überschritten

Steht schon kurz nach seinem Amtsantritt in der Kritik: Richard Grenell, der neue US-Botschafter in Berlin.

(Foto: AFP)

Mit seiner Ankündigung, "andere Konservative" in Europa stärken zu wollen, zeigt der neue US-Botschafter, dass er sich weniger als Botschafter denn als Agitator des ideologischen Trump-Systems versteht.

Kommentar von Stefan Kornelius

Warum eigentlich sollte der Botschafter der USA in Deutschland anders klingen als der Präsident der USA, dessen Vertreter er doch ist? Das amerikanische Botschafter-System ist auf Verdienst gegründet. Entsandt wird, wer sich für den Präsidenten verdient gemacht hat. Richard Grenell hat das als Fox-Kommentator getan, deswegen lebt er nun in Berlin.

Donald Trump hat so viele Tabus gebrochen, dass es folgerichtig ist, wenn seine Gefolgsleute ebenso Tabus brechen. Also schaufelt Grenell die Etikette zur Seite und führt sich als Agitator und Brückenkopf auf. Grenell ist eben kein klassischer Botschafter, sondern ein Gesandter des ideologischen Trump-Systems. Seine Aufgabe ist es, die hiesige Politik zu infizieren. Es macht die Sache nicht besser, dass er seine Botschaft über Breitbart, das Zentralorgan der neurechten Populisten, unters amerikanische Volk bringt. Oder, um es noch klarer zu sagen: Die geschickte Wahl des Transportmittels macht die Ware besonders gefährlich.

Manche der Grenell-Mahnungen wie jene zur Unterfinanzierung der Bundeswehr sind nicht unüblich und gehören zum Repertoire eines US-Botschafters. Die Grenze überschritten hat Grenell aber mit seinem Bekenntnis, dass die Stärkung "anderer Konservativer" in Europa zu seinem wichtigsten Anliegen gehört. Was "andere Konservative" sind, muss man in Breitbart nicht erklären. Dann nimmt er die Pose des unterdrückten Glaubenskämpfers ein, der sich gegen "die Elite" zur Wehr setzen muss. Grenell ist vermutlich der einzige Botschafter auf der ganzen Welt, der sich nicht zur Elite zählt.

Die klassische Botschafterrolle hat Grenell damit abgelegt. Das ist schade, aber zweitrangig. Für bilaterale Beziehungen braucht es den Botschafter nicht zwingend. Viel wichtiger ist, dass Grenell nun die politische Republik vor die Wahl stellt, ob sie ihm auf diesem Weg folgt oder nicht. Er setzt einen schneidenden und spaltenden Ton, der die durchaus scharfen Mahnungen mancher Vorgänger wie Richard Burt oder Dick Holbrooke versöhnlerisch wirken lässt. Ein paar Freunde wie Jens Spahn hat er sich so gemacht. Viel mehr werden es nicht werden.

© SZ.de/jael

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