US-Angriffe auf IS in Syrien Koalition der Unsichtbaren

Die USA führen Krieg in Syrien, greifen Stellungen der Terrormiliz IS an - aber nicht alleine. Eine Handvoll arabischer Staaten haben sie offenbar unterstützt. Warum machen sie das?

Von Felix Hütten und Lilith Volkert

Diesmal sind sie es anders angegangen. Statt wie im Irak alleine gegen den "Islamischen Staat" loszuschlagen, haben die USA vor ihrem Angriff auf syrische IS-Stellungen offenbar Unterstützer um sich gesammelt.

Saudi-Arabien, Jordanien, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen an der Seite des US-Militärs angegriffen haben. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf Regierungsvertreter. Pentagonsprecher John Kirby hatte nur von "Partnerländern" gesprochen, deren Regierungen sich selbst entscheiden sollten, ob sie ihr Engagement offenlegten.

Gemeinsam haben alle Länder, dass sie einer sunnitischen Glaubensrichtung folgen - und sich vermutlich fragen, wie ausdauernd das Engagement der USA erfolgt und ob sich die Vereinigten Staaten für die Unterstützung erkenntlich zeigen werden. Daneben hat jedes Land seine speziellen Gründe für den Kriegseinsatz.

Ein Überblick über die Motivation der möglichen Unterstützer:

Saudi-Arabien

Seit Anfang des syrischen Bürgerkriegs im Frühjahr 2012 gehört Saudi-Arabien zu den wichtigsten Unterstützern der dortigen Opposition, mit Präsident Baschar al-Assad verbindet das Könighaus eine tiefe Feindschaft. Warum also sollte Saudi-Arabien die Luftschläge der USA unterstützen, die indirekt dem Erzfeind zugutekommen?

Mit dem Wahhabismus herrscht in Saudi-Arabien eine besonders konservative Ausrichtung des sunnitischen Islams vor. Viele Saudis, die das luxuriöse Leben der königlichen Familie kritisieren, sympathisieren mit den Zielen des "Islamischen Staates". Die Herrscherfamilie fürchtet eine Terrorwelle im eigenen Land, sollte sich IS weiter ausbreiten. Außerdem hat deren Chef Bagdadi mit seiner Ernennung zum "Kalifen" auch den saudischen König herausgefordert. In Saudi-Arabien liegen schließlich Mekka und Medina, die heiligen Stätten des Islam.

Ein viel größeres Problem für Saudi-Arabien ist aber die zweite Regionalmacht Iran. Dass Teheran nun praktisch auf derselben Seite wie Amerika gegen den IS kämpft, macht dem Land Sorgen.

Jordanien

Jordanien hat - als bisher einziger Staat - die Zusammenarbeit mit den USA bei den Luftschlägen bestätigt. Das jordanische Militär kooperiert eng mit US-Streitkräften, die Obama-Regierung sieht das Land als einen der wichtigsten Partner im Nahen Osten. König Abdullah II. reiste 2013 und 2014 mehrfach zu Verhandlungen in die USA. Ein großer Teil der jordanischen Bevölkerung ist palästinensischer Herkunft, weshalb viele Menschen in Jordanien die Beziehungen zu dem Israel-Verbündeten USA kritisch sehen. Eine Beteiligung an den Luftschlägen könnte dennoch dem König nutzen, da viele Menschen unter den anhaltenden Flüchtlingsströmen aus Syrien leiden.

Das Land ist vom Krieg in Syrien unmittelbar betroffen: 600 000 Flüchtlinge sollen nach Angaben des UNHCR bereits nach Jordanien gekommen sein. Die Regierung in Amman befürchtet Auswirkungen auf den Staatshaushalt und die Infrastruktur. Sollte die IS-Miliz besiegt werden, so die Hoffnung, könnten die Flüchtlingsströme zurückgehen. Allerdings ist ein Großteil der Menschen nicht vor dem Terror des "Islamischen Staats", sondern vor dem Krieg zwischen der Freien Syrischen Armee und dem Assad-Regime geflohen.

Katar

Das Wüstenemirat Katar spielt im Kampf gegen den "Islamischen Staat" eine unklare Rolle: Das Land steht im Verdacht, die Terroristen zu finanzieren, Offiziellen werden enge Verbindungen unter anderem zur radikalislamischen Al-Nusra-Front in Syrien unterstellt. Bei seinem Deutschlandbesuch in der vergangenen Woche versicherte der Emir von Katar, die IS-Miliz nicht zu unterstützen. Für Kanzlerin Merkel ist Katar Teil der internationalen Allianz im Kampf gegen IS. Sollte das Land die US-Luftschläge unterstützt haben, wäre dies eine Beleg für die Aussage des Emirs.

Zudem sind die USA wichtige Militär- und Handelspartner des Emirats. Elf Prozent der Exporte gingen 2012 in die USA. Im Juli dieses Jahres kaufte Katar Apache-Kampfhubschrauber und Patriot-Luftabwehrraketen von den USA in Höhe von elf Milliarden US-Dollar.

Auf der anderen Seite helfen die Luftschläge in Syrien Assads Armee - und das ist nicht im Interesse Katars. Das Emirat, das mit Iran um Rohstoffe konkurriert, sähe den syrischen Diktator gerne gestürzt, da das gleichzeitig den Einfluss Irans in Syrien zurückdrängen würde.

Bahrain

Wie Katar ist Bahrain geografisch nicht vom Syrien-Konflikt betroffen. Gleichwohl pflegt der Inselstaat im Persischen Golf enge Beziehungen zu den USA und zu Saudi-Arabien. Bahrain ist ein militärisch wichtiger Standort des US-Militärs: In der Hauptstadt Manama befindet sich die regionale Basis der 5. US-Flotte. Neben der militärischer Zusammenarbeit gilt Bahrain als enger Handelspartner der USA. 2006 trat ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten in Kraft.

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben schon vor drei Wochen ihre Unterstützung im Kampf gegen den IS angekündigt. Die Beziehungen von Dubai, Abu Dhabi und den fünf kleineren Emiraten zu den USA sind gut und stabil, die VAE sind eines der ölreichsten Länder der Welt. Wie die anderen Golfstaaten lehnen die VAE den Machtanspruch der IS-Miliz ab.

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Der Flüchtlingsstrom aus dem Norden Syriens in die Türkei reißt nicht ab. Mehr als 130 000 Menschen sind aus Angst vor IS-Massakern über die Grenze gekommen. Schon jetzt liefert die Bunderegierung Waffen in die Region. Ist das genug, oder sollte sich Deutschland nicht besser humanitär engagieren?   Diskutieren Sie mit uns.