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Urheberrecht:Wer, wenn nicht Ihr?

Dennoch bringen sie ihre Partei in arge Bedrängnis: "Wasser predigen, Wein saufen", heißt es im Netz, die ohnehin umstrittene Schramm erhält wüste Drohbriefe und wird aufs Übelste beschimpft, der Ton wird persönlich und verletzend. Inzwischen hat sich die Wut auch auf die ansonsten äußerst beliebte Weisband verlagert, die in einem Blogeintrag zu ihrer Buchveröffentlichung Stellung nimmt.

Julia Schramm

Buchautorin Julia Schramm hat viele ihrer Parteifreunde verärgert.

(Foto: dpa)

Anders als bei Schramm geht es den Kritikern bei Weisband nicht um horrende Vorschüsse und geistiges Eigentum. Die Kommentatoren unter dem Blogeintrag treibt eine andere Frage um: Warum veröffentlichen zwei enorm bekannte Piratinnen überhaupt bei einem "konventionellen Verwerter" - anstatt die in ihrem Parteiprogramm angepriesenen alternativen Finanzierungsmodelle auszuprobieren?

"Bei der medialen Aufmerksamkeit, über die ihr verfügt, hättet ihr das wirklich ohne Verlag rausbringen können und dabei auch richtig Geld machen können", schreibt ein enttäuschter Anhänger, "das ist echt DIE verpasste Gelegenheit des Jahrhunderts." Weisband rechtfertigt sich damit, dass ihr schlicht die finanzielle Möglichkeit fehle, ohne einen Vorschuss ein Buch zu schreiben: "Ich hätte es über Kredit machen müssen, bin allerdings durch mein Studium schon verschuldet. Außerdem bin ich echt nicht gut darin, mich zu vermarkten", schreibt ausgerechnet die Piratin, die wie keine Zweite im vergangenen Jahr durch die Medien gereicht wurde.

Damit bringt sie ihre Kritiker erst recht gegen sich auf. "Marina, ganz ehrlich, ich sitze jetzt hier und muss meine Kinnlade von den Oberschenkeln einsammeln", schreibt Thomas Elbel, ein Schriftsteller, der bereits am im Sommer initiierten Urheberrechtsdialog der Piraten teilgenommen hat: "Wenn nicht mal Du mit Deinem öffentlichen Bekanntheitsgrad, der Reichweite dieses Blogs, Deinen über 30.000 Followern auf Twitter, es Dir zutraust, Dein Buch selbst zu vermarkten, wie soll es dann bitte irgendein kleiner unbekannter Debütant schaffen?"

Auch in der Partei sind viele nicht zufrieden mit Weisbands Erklärung. Von Doppelmoral ist die Rede, von einer verpassten Chance, von schwindendem Wählervertrauen. Ein Pirat berichtet, dass er bei Informationsveranstaltungen immer wieder auf die beiden prominenten Autorinnen angesprochen werde. "Wir waren die mit dem 'Ändern', schon vergessen?", lässt er seinem Frust freien Lauf. Und: "Egal, was morgen in Brunos Broschüre stehen wird, aber zur Kenntnis genommen wird das bestimmt nicht." Einer anderer schreibt lapidar: "Diskussion in Zukunft: 'Man muss halt neue Wege der Vermarktung ausprobieren.' - 'Ah, so wie Julia und Marina?'"

Urheberrechts-Spezialist Bruno Kramm ist die Richtung, die die Diskussion nimmt, natürlich nicht recht. Als "blauäugig" und in Urheberrechtsfragen "beratungsresistent" bezeichnet er etwa seine Parteifreundin Julia Schramm in einem Blogeintrag und wirft ihr mangelndes Know-how vor.

Ob diese Erklärung reicht, die Kritiker zu besänftigen? Schramm und Weisband stehen wie nur wenige Piraten in der Öffentlichkeit. Da wird die Partei zwangsläufig auch am Verhalten ihrer prominenten Vertreterinnen gemessen. Und nicht nur am Parteiprogramm.