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Ureinwohner:US-Regierung stoppt Bau einer Erdölleitung durch Stammesgebiet

Protesters demonstrate against the Energy Transfer Partners' Dakota Access pipeline near the Standing Rock Sioux reservation in Cannon Ball, North Dakota

Amerikanische Ureinwohner protestieren gegen den Bau einer Erdölleitung.

(Foto: REUTERS)

Angeblich gefährdet das Projekt heilige Stätten sowie die Trinkwasserversorgung der Sioux-Indianer. Ein Richter hatte den Antrag auf Baustopp zuvor abgelehnt.

Die US-Regierung hat die Arbeit an einer umstrittenen Erdölleitung im Bundesstaat North Dakota gestoppt. Die Arbeiten am und unter dem Lake Ohae würden nicht fortgesetzt, teilten die zuständigen Ministerien am Freitag mit, nachdem ein Richter den Antrag eines Sioux-Stammes auf Baustopp abgewiesen hatte. Zugleich riefen sie den Betreiberkonzern der geplanten 1930 Kilometer langen Pipeline auf, die Bauarbeiten bis zu einer endgültigen Klärung freiwillig ruhen zu lassen.

Ein US-Bundesrichter hatte zuvor gegen einen Baustopp entschieden, weil der Indianerstamm nicht ausreichend bewiesen habe, dass er Schaden erleiden würde. Die Pipeline soll von North Dakota durch mehrere Bundesstaaten bis nach Illinois verlaufen.

Die Ureinwohner befürchten unter anderem, dass das 3,4 Milliarden Euro teure Projekt negative Auswirkungen auf das Trinkwasser für Tausende Stammesmitglieder im Standing-Rock-Reservat und für Millionen Menschen flussabwärts entlang des Missouris haben könnte. Zudem seien historische heilige Stätten der Ureinwohner beeinträchtigt worden.

Indianer wünschen sich eine nationale Regelung

Als "atemberaubend" bezeichneten Sprecher des Stammes die Intervention der Regierung und Stammesführer David Archambault II sagte, eine politische Lösung sei wichtiger als ein Sieg vor Gericht. Mehr als 200 Indianerstämme hatten sich in den Protest gegen die Pipeline eingeschaltet, Tausende Menschen zelten und demonstrieren in der Nähe der Baustelle.

Vergangenes Wochenende war es zu gewaltsamen Protesten gekommen, nachdem Demonstranten über einen Stacheldraht geklettert waren und plötzlich Sicherheitspersonal und Wachhunden gegenüberstanden. Das erklärte Ziel der Ureinwohner ist eine nationale Regelung für die immer wieder auftretenden Konflikte zwischen Stammesinteressen und Bauvorhaben.

Dakota Access, die Firma, die die Erdölleitung bauen will, kommentierte die Entscheidung bislang nicht. Funktionsträger aus der Ölindustrie und Gewerkschaftsvertreter aus den betroffenen Bundesstaaten befürchten, dass der Baustopp zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen werde.

© SZ.de/AFP/AP/Reuters/bavo/gba
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