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Untersuchungen gegen Beate Zschäpe:Auch die RAF finanzierte sich mit Überfällen

Dass die Bundesanwaltschaft dennoch Zschäpe sogar wegen der Banküberfälle der beiden Männer anklagen will, ist in der Gedankenwelt von Terror-Ermittlern logisch. Danach dienen solche Banküberfälle unter anderem dem Zweck, die terroristische Vereinigung am Leben zu halten. Das Leben im Untergrund und die Mordserie der NSU wurden mit den Überfällen finanziert. Zschäpe verwaltete nicht nur das Geld, sie mietete Wohnmobile an, mit denen die Mörder zum Morden fuhren. Sie besorgte Pässe und lebte mit den bewaffneten Männern ein sehr konspiratives Leben. Sie war aus Sicht der Ermittler das Herz der Terrorfamilie.

Es gibt Parallelen in der blutigen Geschichte des Terrors: Die Rote Armee Fraktion (RAF) beispielsweise, die in fast drei Jahrzehnten mehr als 30 Menschen ermordet hat, finanzierte sich im Wesentlichen durch solche Überfälle. Im September 1970, wenige Monate nach der Deklarierung des bewaffneten Kampfes, überfielen die RAF und die anarchistische "Bewegung 2. Juni" innerhalb weniger Minuten drei verschiedene Bankfilialen in Berlin.

Kassenverwalterin der RAF war Gudrun Ensslin, die von den Bandenmitgliedern verlangte, dass diese bei ihr Listen mit den Ausgaben einreichten. Und Ulrike Meinhof, die Mitgründerin der RAF, konnte sich aufregen, wenn "Revolutionsgeld verschwendet" wurde. Angelehnt an die Logistik südamerikanischer Guerilleros galt für die rote RAF die Formel "MGWMS" - Motorisierung, Geld, Waffen, Munition, Sprengstoff. Um "MGWMS" ging es auch der braunen Zwickauer Terrorbande.

Die Beschaffungskriminalität ist aus Sicht der Ermittler systemimmanent

So unterschiedlich die Terrorvereinigungen in ihren jeweiligen Zielen auch gewesen sind - zumindest aus Sicht der Karlsruher Ermittler ist die Beschaffungskriminalität systemimmanent, und ein angebliches Gründungsmitglied, das die Vereinigung angeblich mit am Leben gehalten hat, muss sich vieles zurechnen lassen.

Unterschiede zur RAF gibt es dennoch, und diese Unterschiede machen den Zschäpe-Anwälten die Aufgabe nicht leichter. Alles in allem war die RAF ein vergleichsweise großer Trupp mit unterschiedlichen Kommandos. Die NSU hingegen ist nach den Feststellungen der Ermittler eine abgeschottete Gruppe gewesen, in der jeder für alles mitverantwortlich gewesen sein soll. Die Verdachtsmomente gegen die einzige Überlebende der NSU, gegen Zschäpe, wiegen deshalb besonders schwer.

© SZ vom 21.08.2012/sana
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