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Untersuchung der BND-Vergangenheit:Nazis gab es viele, sie stiegen aber nicht weit auf

Die Urteile über Gehlen und seine Fähigkeiten schwankten lange Zeit stark. Zuletzt hat sich ein negatives Bild verfestigt, und dieses Bild bestätigte auch Rolf-Dieter Müller. Die Großbehörde, zu der sich der BND bald entwickelte, bekam er nicht richtig in den Griff, die Personalrekrutierung lief an ihm vorbei, es fehlte ihm an Fühlung mit den untergeordneten Ebenen, die das auszuwertende Material besorgten.

Aber er wusste, wie er sich nützlich machen konnte. Er legte Geheimdossiers über wichtige Personen der Bundesrepublik an, von denen die Öffentlichkeit bei der Guillaume-Affäre erfuhr. Ein besonders dickes Konvolut galt Franz-Josef Strauß, damit wollte Gehlen ihm bei Angriffen zu Hilfe kommen können. Das Dossier, von dem Bodo Hechelhammer berichtete, wurde später mit Zustimmung von Kanzleramtsminister Horst Ehmke vernichtet; viel Exaktes weiß man also nicht. Klar ist, dass Gehlen nicht bloß Auslandsspionage treiben, sondern auch im eigenen Land forschen ließ. Indem er nützliche Inlandsinformationen bereitstellte, empfahl er sich der Bundesregierung. Regelmäßig trafen sich Gehlen und Globke, Adenauers Kanzleramtschef .

Den "Auslandsnachrichtendienst in der Innenpolitik" skizzierte Klaus-Dietmar Henke. Hier wurden rechtliche Grenzen überschritten, doch das geschah mit Billigung des Kanzleramtes, nicht untypisch für die Adenauersche "Kanzlerdemokratie". Es lag da auch ein politisches Problem. Gehlens enragierter Antikommunismus führte ihn dazu, nicht zwischen demokratisch und undemokratisch zu unterscheiden, sondern nur zwischen rechts und links. Müller warnte allerdings davor, in Gehlen und dem BND eine große dunkle Macht im Hintergrund zu sehen.

Natürlich bleibt die Frage, wie stark der BND von Altnazis durchsetzt war. Die Personalrekrutierung lief dezentral, so kam es immer wieder zu "Kettenrekrutierungen": Wer akzeptiert war, holte alte Kameraden nach. Doch Christoph Rass, der an einem "Sozialprofil" des BND arbeitet, kommt zu einer bemerkenswerten Differenzierung. Er hat aus den etwa 12000 Personalakten eine Stichprobe von 3500 Akten gezogen und diese nach "NS-Markern" durchgesehen. Er ist noch damit befasst, die Methode zu verfeinern, aber erste Ergebnisse zeigen, dass es zwar viele Nazis gab und auch viele mit besonders übler Herkunft aus Gestapo und Sicherheitsdienst. Diese Leute aber stiegen in der Regel nicht weit auf.

In den Spitzen der Hierarchie fanden sich stärker Angehörige der Wehrmacht und des Auswärtigen Amtes, dann an dritter Stelle der Waffen-SS. Hier dürfte der soziale Instinkt des Generalstäblers Gehlen und seiner Entourage den Ausschlag gegeben haben. Beerdigt wurde er zu "Preußens Gloria".